Surface Pro 4 im Test: Windows 10 ist der Star

Beim Surface Pro 4 bleibt Microsoft dem Grundprinzip seines Tablets treu. Obwohl es optisch und technisch nur kleine Weiterentwicklungen zu vermerken gibt, sorgt vor allem Windows 10 dafür, dass sich das Surface für seine zwei Einsatzzwecke noch besser nutzen lässt. Der Test.

Schon seit der ersten Generation des Surface halte ich den im Gehäuse integrierten Standfuß des Tablets für ein herausragendes Merkmal. Mit ihm kann man das Tablet überall aufstellen und muss keine externe Halterung einpacken. Und es lohnt sich, das Surface Pro 4 hinzustellen: Zum Filmes chauen und zum Arbeiten - um es auf Dauer in der Hand zu halten, wiegt es mit 766 bzw. 786 Gramm allerdings zu viel. Dazu tragen nicht nur die Größe und Hardware, sondern auch das ordentlich verarbeitete Metallgehäuse ihren Teil bei.

Workstation und Unterhaltungszentrale in einem

Das Surface Pro 4 hat praktisch zwei Einsatzbereiche: als tragbare Unterhaltungsstation, auf der ich unterwegs in meiner Wohnung Filme und Serien per Stream schauen kann und auch mal ein Spiel zocken kann. Und als mobiles Arbeitsgerät, mit dem ich unterwegs arbeiten kann und am Schreibtisch mit externer Maus, Tastatur und Bildschirm - Bluetooth, ein Display-Port- und ein USB-3.0-Anschluss sind vorhanden - einen vollwertigen Windows-Rechner zur Verfügung habe.

Das 12,3 Zoll große Display des Surface Pro 4 ist nicht nur extrem blickwinkelstabil, sondern erstrahlt auch farbenfroh und punktet bei mir mit extrem hoher Detailgenauigkeit. Mit den 2376 x 1824 Pixeln, die sich über den Touchscreen verteilen, ergibt sich eine Pixeldichte von 267 ppi.

Wer auch unterwegs auf das Internet angewiesen ist, dürfte mit dem Surface Pro 4 allerdings nicht glücklich werden, denn auch die teuerste Variante geht nur per WLAN online. Microsoft verzichtet bei allen Modellen auf den Einbau eines LTE-Modems. Man könnte zwar einen Datenstick in den USB-Anschluss stecken, aber das ist nicht nur unhandlich, sondern sieht auch nicht gerade schön aus.

Strom sparen lohnt sich

Für den mobilen Einsatz des Surface Pro 4 ist die Akkulaufzeit entscheidend. Microsoft verbaut in dem Tablet eine 5087-mAh-Batterie, für die der Hersteller ein Laufzeit von bis zu neun Stunden bei der Videowiedergabe angibt. Im Test habe ich für 40 Minuten Fernsehen in der ZDF-Mediathek 14 Prozent des Akkus verbraucht. Ich hatte allerdings den Stromsparmodus nicht aktiviert und die Helligkeit auf das Maximum gestellt. Rechnet man meinen Wert hoch, ergibt sich eine Akkulaufzeit von knapp fünf Stunden. Die sich aber ungefähr verdoppelt, wenn man den Stromsparmodus aktiviert und die Helligkeit auf 25 Prozent reduziert. Für zwei Filme oder einen Arbeitstag ohne Steckdose reicht die Batterie des Surface auf jeden Fall aus, wenn man auf den Stromverbrauch achtet.

Der Lautsprecher ist in den Rahmen des Surface Pro 4 integriert, zieht sich über die gesamte Oberseite und reicht auch an den Seiten mehrere Zentimeter nach unten. Das macht sich mit einem raumfüllenden Klang bemerkbar.

Sechs Varianten des Surface Pro 4

Unser Testgerät ist die 1500 Euro teure Variante des Surface Pro 4 mit einem Core i5, acht Gigabyte Arbeitsspeicher und 256 Gigabyte SSD-Speicher. Zur groben Einordnung: Diese "Mittelklasse"-Version des Tablets erreicht im Geekbench 3 im Single-Core-Test 3024 Punkte und im Multi-Core-Test 6350 Punkte. Zum Surfen, Arbeiten und für Videos ist die Hardware also flott genug - und auch Spiele lassen sich zocken. Aber nicht die Top-Titel, die nach einer richtigen Grafikkarte verlangen. Da hat das Surface Pro 4 selbst mit älteren Titeln wie Bioshock Infinite oder GTA IV Probleme. Aber grafikaufwendige Tablet-Spiele wie Asphalt 8 erstrahlen im vollen Glanz - auch wenn sie die Lüftung lautstark auf vollen Touren laufen lassen.

Insgesamt bietet Microsoft das Tablet in sechs verschiedenen Versionen ab 999 Euro an. Bei den Prozessoren stehen der Core m3, i5 und i7 zur Auswahl, der Arbeitsspeicher ist vier, acht oder 16 Gigabyte groß - und beim Speicherplatz reicht die Spanne von 128 über 256 bis 512 Gigabyte. Das Topmodell schlägt mit 2500 Euro zu Buche.

Windows 10: Ein neuer Star betritt die Bühne

Schon Windows 8 wollte Microsoft mit der Kacheloberfläche für Tablets optimieren, scheiterte aber: Zu viele Desktop-Elemente auf Tablets und zu viele Touch-Elemente für Desktop-Rechner. Deutlich besser ist es mit Windows 10 geworden, aber leider immer noch nicht perfekt.

Vor allem der über die Schnelleinstellungen aktivierbare Tabletmodus sorgt dafür, dass man das Surface Pro 4 auf dem Schreibtisch mit Maus und Tastatur quasi in der klassischen Desktop-Ansicht nutzen kann und in der Hand einfach umschaltet und eine Nutzeroberfläche mit weniger Details und größeren Schaltflächen erhält, die für die Bedienung mit den Händen ausgelegt ist. Die große Kachelübersicht bleibt erhalten, spielt aber eine wesentlich kleiner Rolle als unter Windows 8 und taucht auch nicht mehr überraschend auf, sondern nur noch wenn man sie anfordert.

Die Rückkehr des Start-Buttons inklusive erweiterter Suche und der kleinen Kachel-Übersicht tut nicht nur dem Desktop-Modus gut, sondern funktioniert auch bei der Tablet-Nutzung. Allerdings müssen noch viele Apps und Programme für das große Tablet angepasst werden. Auch von Microsoft: So gibt es den Explorer zum Beispiel immer noch nur in der alten Desktop-Optik, die nicht für die Bedienung mit den Fingern geeignet ist.

Eine weitere Baustelle für Microsoft sind die Apps. Zwar wurden mit Windows 10 Universal-Apps eingeführt, die auf Desktop-Rechnern, dem Surface und den Lumia-Smartphones laufen sollen, aber bisher sind nur wenige Anwendungen für alle Geräte optimiert. So verbleibt die Facebook-App zum Beispiel bei einer englischen Beschriftung und ist auch optisch nicht an den großen Bildschirm angepasst. Klar kann man Facebook auch im Browser starten, aber an dieser Stelle wird ein weiteres Problem von Windows deutlich: Die Nutzer müssen sich umgewöhnen und können nicht auf den gewohnten Pfaden wandern.

Surface Pen zum Malen, Schreiben und für die Details

Zum Lieferumfang des Surface Pro 4 gehört der Surface Pen, der sich mit Magneten an den kurzen Seiten des Tablets hält. Beim normalen Tragen muss man sich keine Sorgen machen, dass er abfällt. Aber ruckartige Bewegungen und andere Gegenstände im Rucksack oder unterwegs an denen er hängen bleiben kann, sind im Zweifel stärker als der Magnet.

Der Pen ist hilfreich, wenn man auf Bedienelemente der Nutzeroberfläche trifft, die noch nicht für die Finger angepasst sind und man lieber mit der Stiftspitze ganz genau tippen will. Microsoft hat den Stift zwar eng mit OneNote verknüpft, aber natürlich kann man ihn auch in anderen Programmen zum Zeichnen und Schreiben nutzen.

Zu OneNote hat der Surface Pen aber ein besonders enges Verhältnis. Drückt Ihr den Knopf auf seiner Oberseite, weckt Ihr nicht nur das Surface auf, sondern startet direkt das Programm. Ist das geöffnet, öffnet Ihr eine neue Seite mit einem Klick. Ein Doppelklick fertigt in ganz Windows einen Screenshot für OneNote an.

Type Cover: Displayschutz und Tastatur zugleich

Für 150 Euro verkauft Microsoft eine Anstecktastatur für das Surface Pro 4, die nebenbei das Display vor Kratzern schützt. Um auf dem Type Cover gut tippen zu können, empfiehlt sich eine feste Oberfläche. Es geht zwar auch auf den Beinen, allerdings gibt die weiche Tastatur beim Tippen dann zu sehr nach.

Nicht zufrieden bin ich mit dem Touchpad des Type Covers. Mir fiel es schwer, den Cursor wie gewünscht zu bewegen. Darüber hinaus hatte es auch auf festen Untergründen Probleme, Gesten mit mehreren Fingern zu erkennen - sodass ich zwar auf der Tastatur geschrieben, aber die Bedienung von Windows lieber direkt über den Touchscreen erledigt habe.

Ein schönes Detail habe ich mir für den Schluss aufbewahrt: Microsoft war beim Netzteil kreativ und versieht es mit einem USB-Anschluss. Das ist besonders dann praktisch, wenn Ihr den einzigen USB-Anschluss des Surface Pro 4 bereits belegt habt oder nur eine Steckdose vorhanden ist, Ihr aber trotzdem ein Smartphone aufladen wollt. Leider musste ich feststellen, dass einige Smartphones oder USB-Kabel Probleme mit dem Netzteil haben und der Ladevorgang nicht immer klappte.

Fazit: Tablet, mobiler Arbeitsrechner, aber noch kein Laptop-Ersatz

Das Surface Pro 4 ist noch kein Laptop-Ersatz. Es bleibt in erster Linie ein Tablet für die mobile Nutzung, die durch Windows 10 noch besser wird. Der Surface Pen ist nicht nur beim Zeichnen hilfreich. Das Type Cover hat durchaus seine Berechtigung, aber mit einem richtigen Notebook mit einer festen Tastatur und nicht abnehmbaren Bildschirm schreibt es sich unterwegs immer noch besser. Darüber hinaus hat das Surface genug Power, um mit dem richtigen Zubehör als Arbeitsrechner auf dem Schreibtisch seinen Dienst zu verrichten.

Als Spiel- und Freizeit-Tablet wäre es mir aber nicht nur zu teuer, sondern auch zu schwer. Als Arbeitsgerät für kurze Außeneinsätze kann es hingegen punkten - kostet aber immer noch mehr als vergleichbar ausgestattete Laptops. Zum Schluss noch ein Hinweis für alle Besitzer eines Surface Pro 3, die mit der Leistung ihres Geräts noch zufrieden sind: Ihr müsst nicht unbedingt auf das Surface Pro 4 umsteigen, denn Windows 10 gibt es auch für Euer Tablet.


Weitere Artikel zum Thema
Polaroid Snap Touch im Test: Sofort­bild­ka­mera und Smart­phone-Foto­dru­cker
Jan Johannsen2
Peinlich !7Polaroid Snap Touch: Sofortbildkamera und Fotodrucker für Smartphones.
Die Polaroid Snap Touch ist eine Mischung aus Sofortbildkamera und Fotodrucker für Smartphones. Wie gut die Mischung funktioniert, verrät der Test.
iOS 10.2: Apple veröf­fent­licht die fünfte Beta – Release für alle naht
Michael Keller4
Her damit !21Mit iOS 10.2 kommen neue Emojis auf iPhone und iPad
Apple hat die Beta 5 von iOS 10.2 für Entwickler und öffentliche Tester zur Verfügung gestellt. Der Release für die Allgemeinheit rückt damit näher.
Apple MacBook Pro (2016) mit Touch Bar im Test [mit Video]
Marco Engelien4
Weg damit !39Leicht, schick, aber auch teuer: das neue MacBook Pro mit Touch Bar.
Das neue MacBook Pro ist flacher, leichter und hat die Touch Bar statt der F-Tasten. Aber ist es auch das bessere Arbeitsgerät für Profis? Der Test.