Xiaomi Redmi Pro Test: Dual-Kamera für die Mittelklasse

Wer mit Smartphones mit Dualkamera liebäugelt, sollte einen Blick auf Redmi Pro werfen. Günstiger kommt man kaum an ein Handy mit zwei Linsen. Was das Mittelklasse-Smartphone darüber hinaus noch drauf hat, lest Ihr im Test.

Hinten gebürstetes Aluminium und vorne weißer Kunststoff: Schlicht ist Trumpf beim Design des Xiaomi Redmi Pro. Aber auch hier gilt: Design ist Geschmacksache. Ohne Antennenstreifen kommt auch dieses Smartphone nicht aus. An der Verarbeitung des Redmi Pro gibt es aber nichts auszusetzen. Ich hätte allerdings die Seiten komplett vom Metallrahmen umschließen lassen und nicht die letzten Millimeter dem Kunststoff überlassen.

Das 5,5 Zoll große Full-HD-Display leuchtet hell und hat ein klares, detailreiches Bild mit stabilen Blickwinkeln. Farblich wirkt es im Vergleich zu anderen Displays etwas grüner, betrachtet man aber nur den Bildschirm vom Redmi Pro, sieht er ordentlich und gut aus.

Im Gehäuse verbaut Xiaomi den Helio X20 von Mediatek. Seine zehn Rechenkerne sind mit bis zu 2,1 Gigahertz getaktet. Zusammen mit dem drei Gigabyte großen Arbeitsspeicher schafft das Redmi Pro rund 95.000 Punkte im Antutu-Benchmak und 1739 sowie 4407 Punkte im Single- und Multi-Core-Test von Geekbench 4. Ordentliche, aber keine Spitzenwerte. Insgesamt ist die Hardware mehr als ausreichend und lässt nicht nur die Nutzeroberfläche flüssig laufen, sondern auch Apps schnell starten und hat auch mit grafisch aufwändigeren Spielen wie Asphalt 8 keine Probleme.

Vom 64 Gigabyte großen internen Speicher sind noch rund 55 Gigabyte für Eure Daten frei. Sollte Euch das nicht genügen, könnt Ihr die Speicherkapazität mit einer microSD-Karte erhöhen. Dann könnt Ihr aber nur noch eine SIM-Karte einlegen, den der zweite Platz im Kartenschacht kann durch eine SIM- oder eine microSD-Karte belegt sein.

Auf richtige Version des Betriebssystems achten

Xiaomi installiert auf dem Redmi Pro Android 6.0 Marshmallow, versieht Googles Betriebssystem aber mit seiner eigenen Nutzeroberfläche MIUI 7, die immer noch stark auf den chinesischen Markt ausgerichtet ist. Deutsch steht als Sprache nicht nur Auswahl, sondern nur Chinesisch und Englisch. Die Einstellungen und das System sind auch komplett und verständlich übersetzt, aber einige der vorinstallierten Apps bleiben chinesisch. Viele lassen sich zwar deinstallieren, aber eben nicht alle.

Der Play Store und die Google-Dienste fehlen auf dem Xiaomi Redmi Pro. Ihr müsst sie nachinstallieren. Wie, das erklären wir Euch in dieser Anleitung. Im Test klappte das ohne Probleme und alle ausprobierten Apps aus dem Play Store liefen einwandfrei. Optisch nimmt die MIUI Anleihen bei iOS und bietet die Möglichkeit, einen "Second Space" auf dem Smartphone einzurichten. Dabei handelt es sich quasi um eine zweite Android-Installation. So könnt Ihr mit zwei Personen ein Smartphone nutzen oder Privates und Berufliches klar trennen. Ihr könnt aber auch mit der Dual-App-Funktion ein Programm zwei Mal auf dem Redmi Pro installieren und Euch zum Beispiel mit zwei Nutzerkonten anmelden.

Die Sprachauswahl muss Euch aber gar nicht komplett vom Redmi Pro abschrecken. Viele Import-Shops bieten nicht nur dieses Smartphone von Xiaomi wahlweise mit der Original-Software oder einer mehrsprachigen OS-Version, in der auch Deutsch zur Auswahl steht, sowie vorinstallierte Google-Dienste an.

Dual-Kamera mit Wackelbildchen-Effekt

Die spannende Frage bei Dual-Kameras ist für mich immer, wofür die Smartphone-Hersteller sie verwenden. Xiaomi hat sich beim Redmi Pro dafür entschieden, Fotos mit Tiefenschärfe-Effekt aufnehmen zu lassen– wie beim Porträtmodus des iPhone 7 Plus. Anders als beim iPhone könnt ihr beim Redmi Pro die Blende auswählen – zwischen f/0.95 und f/5.6. Die gewählte Blende hat natürlich Auswirkungen darauf, wie groß der scharfgestellte Bereich auf den Fotos ist. Je nach Motiv gelingt es den Kameras, unterschiedlich gut das ausgewählte Objekt scharf und den Hintergrund unscharf zu stellen. Häufigstes Problem: Der scharfgestellte Bereich ist zu klein. Als Zugabe könnt Ihr die Aufnahmen der Dual-Kamera mit Tiefenschärfe-Effekt auch in 3D betrachten. Aktiviert Ihr diese Option, bewegt sich das Foto ein wenig mit, wenn Ihr das Smartphone bewegt und erlaubt so leicht unterschiedliche Blickwinkel auf das Motiv.

Die Rückkamera liefert regulär Fotos mit einer Auflösung von 13 Megapixeln. Die sind bei guter Beleuchtung scharf, detailreich und bieten schöne, natürlich wirkenden Farben. Probleme bereiten starke Kontraste. Bei stark unterschiedlich hellen und dunklen Bereichen lohnt es sich, den HDR-Modus zu aktivieren. Bei Zimmerbeleuchtung und in der Nacht tritt ein Bildrauschen auf, das nicht schön ist, aber die Bilder nicht komplett unbrauchbar macht. Als Schnappschüsse gehen die Aufnahmen noch durch. Die Frontkamera liefert ordentliche Selfies, die aber nicht so detailliert wie bei der Acht-Megapixel-Frontkamera des LeEco Le 2Pro sind.

Fingerabdrucksensor und großer Akku mit "Leck"

Anders als beim LeEco Le 2Pro sitzt der Fingerabdrucksensor des Xiaomi Redmi Pro im Homebutton auf der Vorderseite. Die im System hinterlegten Fingerabdrücke erkennt der Sensor sehr schnell und zuverlässig. So lässt sich mit einem Klick auf den Knopf das Display einschalten und das Smartphone entsperren.

Der Akku des Xiaomi Redmi Pro verfügt zwar über eine große Kapazität von 4000 mAh, hält aber wie die meisten anderen Smartphones auch nur einen Tag durch. Negativ fiel mir auf, dass der Stromverbrauch im Standby nahezu so hoch wie bei der Nutzung ist. Sprich: Ihr solltet das Redmi Pro nachts ausschalten oder aufladen, sonst ist die Batterie am Morgen leer.

Fazit: der günstige Weg zur Dual-Kamera

Das Xiaomi Redmi Pro ist nicht das erste Smartphone mit einer Dual-Kamera, aber eines der günstigsten – wenn nicht sogar das günstigste. Bisher haben die verschiedenen Hersteller zwei Kamera-Linsen immer nur in Flaggschiffen verbaut. Mit diesen liegt das Redmi Pro in Sachen Hardware zwar nicht auf einer Höhe, kann aber mithalten. Beim Preis unterbietet es die Top-Modelle der großen Hersteller deutlich. Abstriche bei der Verarbeitung müsst Ihr nicht hinnehmen. Auch bei der Ausstattung gibt es kaum eine Einschränkung. Hauptargument gegen eine Xiaomi-Smartphone dürfte der fehlende offizielle Support hierzulande sen. Der überraschend schnell leere Akku ist ebenfalls kein Pluspunkt.

Xiaomi verkauft das Redmi Pro nicht in Deutschland, aber über Importshops wie den CECT-Shop, der uns das Testgerät freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat, erhaltet Ihr das Smartphone auch in Deutschland. 269 Euro kostet das Redmi Pro beim CECT-Shop regulär. Aktuell ist es im Angebot für 229 Euro. Die Variante mit nur 32 Gigabyte internen Speicher bekommt Ihr reduziert für 199 Euro. Damit ist es etwas teurer als das – von der Dual-Kamera abgesehen – ähnlich ausgestattete LeEco Le 2Pro.


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