Zeiss VR One: Das Luxus-Cardboard im Test

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Zeiss VR One: Cool schaut Virtual Reality für Außenstehende immer noch nicht aus
Zeiss VR One: Cool schaut Virtual Reality für Außenstehende immer noch nicht aus(© 2015 CURVED)

Mit der VR-Brille Zeiss VR One begibt sich ein deutsches Traditionsunternehmen auf neues Terrain. Kann der Linsen-Experte VR revolutionieren?

Glaubt man den Herstellern, ist VR das nächste große Ding und wird mindestens die Welt verändern. Doch bislang lässt die Zukunft weitgehend auf sich warten. Der mittlerweile Facebook gehörende Vorreiter Oculus Rift wurde auf 2016 geschoben, auch Sonys Projekt Morpheus versteckt sich noch in den Laboren. In den Massenmarkt haben es nur wenige Geräte geschafft, etwa Samsungs Gear. Und eben die seit Dezember erhältliche Zeiss VR One.

Zeiss steht seit beinahe zwei Jahrhunderten für hervorragende Linsen, ob in Mikroskopen, Ferngläsern, Kameras oder Teleskopen. Mit der Virtual Reality bringen wohl die wenigsten das Unternehmen in Verbindung, obwohl es bereits 2012 die “Kino-Brille” Cinemizer vorgestellt hatte. Der große Erfolg blieb aber aus. Ob dieses geballte Know-How auch bei der Entwicklung einer VR-Brille hilft, haben wir ausprobiert.

Die Verarbeitung

Die Hardware der Zeiss VR One ist schnell beschrieben: Ein schlichtes Gehäuse mit zwei Gurten, eine Schublade für das Smartphone, zwei Zeiss-Linsen. Das war es auch schon. Das Plastik-Gehäuse an sich ist ordentlich verarbeitet und sieht passabel aus. Andere VR-Brillen sind auch nicht deutlich hübscher.

Der Einschub für die Schublade funktioniert intuitiv. Man schiebt sie einfach herein und heraus, das Drücken von Knöpfchen oder ähnliches ist nicht nötig. Es droht also keine Gefahr, dass sich die Mechanik irgendwann abnutzen könnte. Die Smartphones passen gut in die Schale. Allerdings nur die, für die es überhaupt eine gibt. Denn Zeiss’ Brille unterstützt bisher nur eine sehr kleine Auswahl an ehemaligen und aktuellen Highend-Smartphones: Das iPhone 6, LG G3, Googles Nexus 5, Samsungs Galaxy S4, Galaxy S5 und neuerdings auch das Galaxy S6. Zeiss selbst verkauft nur Schalen für das iPhone und Galaxy S5 oder S6. Eine nach Wahl liegt beim Kauf bei. Die anderen Schalen werden nur als CAD-Dateien angeboten - und müssen selbst per 3D-Drucker ausgedruckt werden.

Die Brille wird durch zwei Gurte gehalten, von denen einer seitlich und einer über den Kopf läuft. Die Gurte sind verstellbar und sorgen gemeinsam mit dem Schaumgummi-Rand für einen bequemen Sitz. Kollege Jan konnte die VR One so mit Brille angenehm tragen. Das Gewicht ist auch mit eingelegtem Smartphone angenehm.

Kaum unterstützte Smartphones

Zeiss-Optik hin oder her: Das Bild steht und fällt mit dem benutzten Smartphone. Ein iPhone 6 etwa besitzt eine Auflösung von 1334 x 750 Pixeln. Das reicht für die Alltagsnutzung zwar vollkommen, ist bei der nahen Betrachtung in einer VR-Brille aber zu wenig. Der Fliegengitter-Effekt ist deutlich zu sehen. Das Galaxy S6 sollte mit seiner mit 2560 x 1440 Pixeln fast vier mal so hohen Auflösung ein deutliches besseres Ergebnis liefern können. Leider hatte Zeiss bei unserem Testgerät die passende Schale nicht beigelegt.

Die Brille selbst besitzt keinerlei Elektronik. Das schränkt die Nutzung ein. Während die Samsung Gear mit einer Touch-Oberfläche an der Seite ein zusätzliches Bedienelement bietet, muss man bei der VR One alles mit Kopfbewegungen steuern - oder das Smartphone herausholen. Die App-Entwickler müssen sich also andere Lösungen ausdenken.

Peinliche Apps

Die Auswahl an VR-Apps ist zur Zeit noch nicht besonders groß, einige lassen sich in App- und Playstore aber finden. Zeiss selbst bietet drei eigene Apps an. Die sind aber eher ein Grund zum Fremdschämen und kein Verkaufsargument. In einem Kino lassen sich die Filme und Videos auf dem Smartphone anschauen, auf Schienen “fährt” man durch eine virtuelle Ausstellung. Beides kann man sich dank der trostlosen Darstellung im Neunziger-Look auch sparen. Lediglich die Augmented-Reality-App ist ganz nett: Der VR One liegen drei Kartons bei, die App erkennt sie an ihrem Muster und zeigt dann jeweils eine andere Figur, die auf der kleinen Box steht. Google hat mit der App zu seiner schlichten Papp-Box Cardboard trotzdem deutlich hübschere - und viel besser umgesetzte - VR-Demos zu bieten.

Fazit: Einfach zu wenig Auswahl

Die Zeiss VR ist eine einfache VR-Brille ohne Schnickschnack. Sie sitzt bequem und ist auch nach längerem Tragen nicht unangenehm. Leider bietet sie außer der besseren Verarbeitung und dem höheren Tragekomfort nicht mehr als Googles Bastel-Brille Cardboard. Zudem leidet sie noch an einigen Mängeln, von denen allerdings die meisten nicht Zeiss alleine vorzuwerfen sind. Einen der größten hätte der Konzern aber ändern können: Die Auswahl an Smartphones ist sehr stark eingeschränkt. Wer keines der unterstützten sechs Smartphones besitzt, hat keinerlei Kaufgründe. Durch den Zwang zum 3D-Druck bei drei Modellen sinkt die Anzahl der potenziellen Nutzer sogar noch weiter. Denn auch 3D-Druck ist noch lange nicht selbstverständlich. Immerhin bietet Zeiss sogar diejenigen Schalen zum Drucken an, die sie selbst verkaufen.


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