China-Handy Import: Oppo, Vivo und Co. kaufen – was ihr beachten müsst

Das Oppo Find X aus China gehört zu den interessanteren Smartphones, die es hierzulande nicht im Handel gibt
Das Oppo Find X aus China gehört zu den interessanteren Smartphones, die es hierzulande nicht im Handel gibt(© 2018 Oppo)

Ein Smartphone aus China kaufen? Zwar gibt es auch hierzulande viele spannende Geräte, doch gerade der Import von China-Handys kann sich lohnen. Für gewöhnlich bieten Modelle von Herstellern wie Oppo, Vivo und Xiaomi ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Besonders die Premium-Geräte sind bei vergleichbarer Ausstattung meist günstiger als Konkurrenz-Smartphones von Samsung, Huawei und Co. Solltet ihr euch für einen Import entscheiden, gibt es vor dem Kauf ein paar Dinge zu wissen und zu bedenken.

  • Bei Import-Handys aus China fehlen meist ab Werk die Google-Dienste
  • Das Smartphone sollte die richtigen Frequenzbänder unterstützen
  • Einschränkungen könnten beim Video-Streaming auftreten

Grundsätzlich bieten euch einige China-Handys zwar viel Leistung für wenig Geld, doch in der Regel müsst ihr bei den Smartphones mit ein paar Abstrichen rechnen. Auch Premium-Modellen von Oppo, Vivo oder Xiaomi fehlt etwa meist eine optische Bildstabilisierung für die Hauptkamera, weshalb es leicht zu verwackelten Bildern kommen kann. Außerdem sind die Smartphones häufig nicht wasserdicht.

Ihr solltet euch die technischen Spezifikationen also gut durchlesen, bevor ihr euch für einen Kauf entscheidet. Außerdem lohnt sich heutzutage der Import von Xiaomi-Handys nur noch in den wenigsten Fällen – der Hersteller ist mittlerweile auch offiziell in Deutschland mit seinen Geräten gestartet.

Google Play Store installieren

Über vorinstallierten Store

In Europa mag der Google Play Store ein fester Bestandteil jedes Android-Smartphones sein, doch in China sieht das anders aus. Bei vielen Import-Modellen fehlen die Google-Dienste komplett. Aber das ist kein unlösbares Problem, da ihr sie in der Regel selbst installieren könnt. Dafür habt ihr mehrere Möglichkeiten.

Die einfachste Methode führt über den vorinstallierten chinesischen App-Store. Mit etwas Glück findet ihr hier den Google Play Store mitsamt der Dienste des Suchmaschinenriesen. Ihr braucht also nur eine aktive Internetverbindung, um die fehlenden Apps auf Geräten von Oppo, Vivo und Co. zu installieren. Anschließend macht ihr einen Neustart.

Play Store mit Installer auf das Smartphone bringen

Findet ihr die Google-Dienste nicht im China-Store, müsst ihr diese von einer anderen Quelle aus herunterladen. Sucht im Internet nach "[Name des Handys] Google Installer". Ziel der Suche ist ein APK (So heißen Installations-Anwendungen für Android), mit der ihr alle benötigten Apps selbst installieren könnt.

Einige Import-Händler oder sogar Hersteller bieten die gesuchten Dateien hin und wieder auch auf der eignen Webseite an. Vorher müsst ihr allerdings in den Einstellungen des Smartphones die Installation von Programmen aus unbekannten Quellen zulassen. Anschließend erfolgt die Installation aber auf eigene Gefahr und könnte den Verlust der Garantie bedeuten.

Manuelle Installation

Natürlich könnt ihr die im Installer enthaltenen Programme auch einzeln herunterladen. Auf APK Mirror findet ihr etwa die entsprechenden Apps – zum Beispiel den Google Play Store. Zumindest folgende Dienste solltet ihr herunterladen und installieren: Google Play Store, Google Services Framework, Google Account Manager und Google Play Services.

Einige Webseiten empfehlen zudem die Installation von Calendar Sync und Contact Sync von Google. Anschließend startet ihr das Smartphone neu, der Play Store dürfte nun auftauchen. Unter Umständen müsst ihr den Apps vorher noch alle Zugriffsrechte gewähren sowie den automatischen Start erlauben.

Auch der chinesische Hersteller Vivo bietet interessante Smartphones mit sehr schmalen Rändern auf der Vorderseite, die sich für einen Import anbieten(© 2018 Vivo)

Was ist LTE Band 20?

Vor dem Import eines China-Handys solltet ihr ganz genau in den technischen Spezifikationen unter "LTE Band" nachsehen. Hier müsst ihr nach einer "20" oder "LTE Band 20" suchen. Und das ist sehr wichtig. Wenn dieser Eintrag vorhanden ist, unterstützt das Smartphone das LTE-Frequenzband (800 MHz), das hierzulande am häufigsten verwendet wird. Ansonsten bleibt euch der Zugriff auf das schnelle 4G-Internet an vielen Orten verwehrt oder ihr habt nur sehr schlechten Empfang. Höhere Chancen auf LTE Band 20 habt ihr, wenn ihr nach einer sogenannten "Global Version" eures Wunsch-Handys sucht.

Allerdings stehen besonders in großen Städten die Chancne gut, dass ihr auch nur mit den LTE-Frequenzen Band 7 und Band 3 zurechtkommt. Womöglich habt ihr dann aber nicht immer einen guten Empfang. Auf dem Land kann es sogar passieren, dass ihr ohne Band 20 gar kein Netz habt. Der LTE-Ausbau schreitet in Deutschland aber immer weiter voran, sodass auch weitere Frequenzbänder an Wichtigkeit gewinnen dürften.

Da der Stand je nach Region unterschiedlich ist, empfehlen wir euch aber zur Sicherheit, doch auf ein Modell mit LTE Band 20 zu setzen. Sonst könntet ihr euch spätestens dann über den Kauf ärgern, wenn ihr in einer ländlichen Gegend unterwegs seid und keinen oder nur sehr schlechten Empfang habt.

Was kommt mit 5G auf uns zu?

Da 5G gerade erst in Deutschland startet (Stand: September 2019), haben wir hierzu nur einige Angaben für euren China-Import. Bislang wissen wir, dass in vielen Städten 5G-Frequenzen zwischen 3,4 und 3,7 GHz zum Einsatz kommen sollen, was im Bereich des Band N78 sein dürfte.

Hohe Frequenzen eignen sich aber nicht für die Abdeckung über große Entfernungen, sie können außerdem etwa Wände und Co. schlechter durchdringen als niedrigere Frequenzen. Auf dem Land ist daher die Nutzung von 700 MHz geplant, um hier großflächig das neue Netz anbieten zu können.

Findet ihr bei einem 5G-Smartphone die Bezeichnungen "Sub6" und "mmWave", seid ihr auf der sicheren Seite und solltet mit dem entsprechenden Modell 5G in Deutschland nutzen können. Diese Angabe findet ihr beispielsweise bei Samsung. Einige Hersteller geben zur 5G-Konnektivität aber auch direkt die Frequenzbänder an, wie etwa Huawei. Deutschland nutzt hier zunächst hauptsächlich das bereits erwähnte 5G-Band N78, auf das ihr achten solltet.

Erwarten euch Einschränkungen mit einem Smartphone aus China?

Wenn ihr euch gerne Filme und Serien von Netflix und Amazon Prime Video auf dem Smartphone anschaut, solltet ihr euch den Kauf eines China-Handys gut überlegen. Häufig fehlt bei diesen die Zertifizierung für Widevine L1. In der Regel besitzen die Modelle nur Widevine Level 3. Allerdings benötigt ihr Level 1, um bei anfangs erwähnten Streaming-Plattformen Inhalte in Full HD auf dem Display ansehen zu können.

Hinter Widevine steckt eine Verschlüsselung, durch die Netflix und Amazon ihre Inhalte schützen. Ohne Zertifizierung steht euch lediglich die SD-Auflösung zur Verfügung. Das gleiche Problem hatte übrigens auch die für Europa gedachte Variante des OnePlus 5T. Selbst könnt ihr an dieser Stelle nicht nachbessern. Hat euer China-Import kein Widevine L1, müsst ihr damit leben. Nur der Hersteller selbst kann hieran etwas ändern – und das in der Regel nicht mit einem einfachen Update.

Beim OnePlus 5T ist es für Level 1 beispielsweise zwingend nötig, das Gerät beim Hersteller einzuschicken, da sie die Zertifizierung mit einem speziellen Computer nachliefern müssen. Hersteller geben meist nicht an, welches Widevine-Level ihr Smartphone besitzt. Womöglich werdet ihr hier nur in Foren fündig. Zur Not könnt ihr aber auch versuchen, den Hersteller oder dessen Online-Shop zu kontaktieren.

Zusammenfassung:

  • Den Google Play Store könnt ihr mit etwas Glück über den vorinstallierten chinesischen App Store installieren
  • Alternativ müsst ihr euch bei Quellen wie APKMirror selbst die nötigen Google-Apps besorgen und manuell installieren
  • Achtet auf LTE-Band 20, sonst hat euer China-Handy gerade auf dem Land womöglich kaum Empfang
  • 5G-Smartphones sollten für Deutschland das Band N78 unterstützen
  • Smartphone-Importe aus China haben meist kein Widevine L1 und können Videos von Netflix und Amazon Prime Video nur in SD abspielen, nicht aber Full HD

Weitere Artikel zum Thema
Xiaomi Mi 9 Lite offi­zi­ell: Das kann das Mittel­klasse-Smart­phone
Francis Lido
Das Xiaomi Mi 9 Lite ist die europäische Version des CC9 (Bild)
Das Xiaomi Mi 9 Lite startet bald in Europa durch. Der Hersteller hat das Gerät nun enthüllt.
Falt­bare Handys: Diese Herstel­ler arbei­ten aktu­ell an dem idea­len Knick
Lukas Klaas
Das Samsung Galaxy Fold ist das erste faltbare Handy auf dem Markt – aber es bleibt nicht allein.
Faltbare Handys sind etwas, an dem momentan die meisten Hersteller für Smartphones arbeiten. Wir präsentieren euch die aktuellsten Produkte.
Xiaomi Mi 9T Pro: Ist es doch vor Wasser geschützt?
Francis Lido
Xiaomi Mi 9T Pro
Ist das Xiaomi Mi 9T Pro wasserdicht? Ein IP-Rating kann es nicht bieten. Doch ein Teardown zeigt an verschiedenen Stellen Wasserschutz.