iPhone-Akku zu schnell leer? Die Tipps eines langjährigen Apple Genius

Viele Akku-Tipps helfen Euch fraglos, um die Laufzeit Eures iPhones, iPads oder iPod touch zu erhöhen, doch etliche beschränken auch die Leistungsfähigkeit Eures Gerätes. Welche Tipps helfen wirklich? Rick Stawarz hat fünf Jahre lang als Apple Genius in unterschiedlichen Apple Stores gearbeitet. Das mit Abstand häufigste Problem, das Kunden mit ihren iPhones, iPads und iPods hatten, war übermäßiger Akkuverbrauch. Die folgenden Tipps basieren auf seinen gesammelten Erkenntnissen mit unzähligen Devices - und wurden mittlerweile in sechs Sprachen übersetzt.

Nicht iOS killt Euren Akku

Würde man ein iPhone, iPad oder iPod touch komplett frisch aufsetzen, ohne auch nur eine App zu installieren, würde der Akku extrem lange halten - so viel steht fest. Doch nutzt niemand von uns auf diese Weise sein Smartphone. Was also kann man als Nutzer tun, um die Usability seines iPhones aufrechtzuerhalten, gleichzeitig aber weniger Strom zu verbrauchen?

Was hindert mein Gerät am korrekten Standby?

Stawarz empfiehlt Folgendes: Bevor Ihr überhaupt damit beginnt, Sparmaßnahmen in den App-Einstellungen durchzuführen, solltet Ihr erstmal herausfinden, ob Euer iPhone oder iPad auch vernünftig “schläft”, wenn es sich im Standby befindet. Wie lässt sich das herausfinden? Ladet den Akku zunächst voll auf. Anschließend nehmt Ihr das Gerät vom Netz und versetzt es für fünf Minuten in Standby. Anschließend ruft Ihr die Einstellungen auf, sucht das Batterie-Menü und checkt die Werte für “Benutzung” und “Standby”. Benutzung sollt bei weniger als einer Minute liegen, Standby bei fünf Minuten. Ist das nicht der Fall und die Dauer der Benutzung höher, dann hält irgendetwas Euer iDevice davon ab, vernünftig zu schlafen - und saugt unbemerkt den Akku leer.

Habe ich Facebook die Rechte entzogen?

Stawarz hält seine Akkutipps recht allgemein, ist bei der Facebook-App aber recht spezifisch: Deaktiviert die Nutzung der Ortungsdienste und die Hintergrundaktualisierung für Facebook unter iOS. Stawarz ließ Xcodes Instruments laufen, um die Aktivitäten seines iPhones zu tracken. Dabei fand er heraus, dass sich die App immer wieder aktivierte, auch wenn sie weder aktiv benutzt wurde, noch Nachrichten gepusht wurden. Einen Grund für die massive Akkubelastung durch die App haben wir hier und hier thematisiert. Facebook hat mittlerweile Besserung gelobt im aktuellen Update für iOS. Aus meiner eigenen Nutzung kann ich auf jeden Fall bestätigen, dass mein Akku im iPhone es mir mit mehr Laufzeit dankt, seitdem ich die App deinstalliert habe.

Müssen sich alle Apps im Hintergrund aktualisieren?

Es ist ein durch und durch sinniges Feature, wenn Apps ständig auf dem aktuellen Stand sind. Doch braucht Ihr diese Funktion für wirklich jede installierte Anwendung? Priorisiert die Hintergrundaktualisierung für Apps, die Ihr tagtäglich nutzt und für Updates von Entwicklern bzw. Unternehmen, denen Ihr vertraut.

Muss ich Apps aus der Multitasking-Übersicht werfen?

Nein, im Gegenteil. Mit iOS 7 hat Apple für iPhone, iPad und iPod touch eine Übersicht der laufenden Apps eingeführt, die Ihr mit einem Swipe beendet könnt. Oft beobachte ich in der Bahn iPhone-Nutzer, die oft schon direkt nach der Benutzung einer App eben diese Anwendung wieder aus der Übersicht kicken. Stawarz rät davon strengstens ab. Die Erklärung klingt schlüssig: Wenn Ihr die App komplett aus dem Speicher entfernt, muss die Anwendung beim nächsten Start alle Daten erneut umständlich in den Speicher schreiben. Das belastet das Device und vor allem den Akku mehr. Denn: iOS managed recht gut die Ressourcen des Arbeitsspeichers. Warum das iPhone deswegen einfach nicht so viel Arbeitsspeicher braucht wie viele Androiden, haben wir hier einmal ausführlich erklärt. Mehr noch: Auch wenn Apps in der Multitasking-Übersicht angezeigt werden, sind sie nicht aktiv. iOS friert sie bis zur nächsten Benutzung quasi ein. Davon ausgenommen sind aktivierte Ortungsdienste, aktive Musikplayer, Audiorekorder und VoIP-Dienste.

Hilft die zeitweise Deaktivierung der Push-Mails?

Wer sich seine Mails aufs Gerät pushen lässt, verbraucht natürlich mehr Strom als jemand, der sie ab und an abruft. Allerdings kann der Stromverbrauch bei aktiviertem Push je nach Mail-App und Servereinstellungen variieren. So kann es etwa bei Exchange-Servern passieren, dass das iPhone im Loop Mails abfragt - und dadurch der Akku innerhalb weniger Stunden zur Neige geht.

Kann ich bei ausgewählten Apps die Benachrichtigungen reduzieren?

Jede Push-Benachrichtigung holt Euer iPhone, iPad bzw. iPod touch für fünf bis zehn Sekunden aus dem Standby. Bekommt Ihr also über den Tag verteilt aus diversen Apps und Messenger rund 50 Notifications, habt Ihr also hochgerechnet etwas mehr als acht Minuten Nutzungsdauer angehäuft, ohne das Gerät wirklich zu nutzen. Deaktiviert also die Benachrichtigung für Apps, von denen Ihr keine Infos gepusht haben wollt.

Brauche ich die Prozentanzeige für den Akku?

Ganz recht: Weg damit! Mit der Anzeige verhält es sich ungefähr so mit der ungefähren Ankunftszeit, die Euch ein Auto-Navi nennt. Es handelt sich um eine Schätzung - in diesem Fall basierend auf den aktuellen Aufgaben, mit denen die Hardware beschäftigt ist. Doch bedenkt: Wer permanent sein iPhone aus dem Standby holt, um zu checken, wieviel Akku er denn noch hat, verbraucht letzten Endes mehr Akkuleistung als er spart. Die Schätzung kann auf diese Weise nicht mehr aufgehen. In Einstellungen > Batterie schaltet Ihr das “Feature” ab.

Hilft keiner der beschriebenen Tipps, könnte Euer Akku tatsächlich defekt sein. Im dem Fall, vor allem innerhalb der Gewährleistung, kann es durchaus ratsam sein, dem Apple Store einen Besuch abzustatten. Ja, es klingt zunächst nach fieser Apple-Werbung. Zumal es an der Genius Bar laut und trubelig ist. Aber als Apple-Mitarbeiter habe die “Geniusse” Tools, um nachvollziehen zu können, ob Euer Akku vielleicht tatsächlich defekt ist - und dann im Rahmen der Gewährleistung einen Austausch vorzunehmen.


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