(K)ein Kopfhöreranschluss beim Smartphone? Ein Plädoyer für die Klinke

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Darum sollte der Kopfhöreranschluss erhalten bleiben.
Darum sollte der Kopfhöreranschluss erhalten bleiben.(© 2019 Getty Images)

Hat ein Smartphone einen Kopfhöreranschluss oder nicht? Diese Frage taucht in so gut wie jedem Smartphone-Test auf. Fehlt dieser, wird das von den meisten Portalen und Usern negativ wahrgenommen – und das aus gutem Grund.

Rückblickend begann am 16. September 2016 die Entwicklung, die mir aktuell immer mehr gegen den Strich geht: Das schleichende Aussterben des Klinkenanschlusses am Smartphone. Dabei hat mein Widerwillen nicht unbedingt etwas mit Zukunftsverweigerung zu tun. Mir ist sehr wohl klar, dass Altes der neuen Technologie Platz machen muss. Das ist der natürliche Lauf der Dinge – besonders in unserer heutigen Welt. Dennoch gibt es gute Gründe FÜR den Klinkenanschluss

Doch zurück zum Anfang: Im Herbst 2016 stellte Apple das iPhone 7 vor – das erste Smartphone, das auf den traditionellen Klinkenanschluss verzichtet. Und wie reagierte die Welt auf diesen Fortschritt? In guter, alter Internet-Manier hagelte es natürlich zunächst Hohn und Spott. Nur Wenige konnten sich vorstellen, dass Apple damit wieder einmal einen wegweisenden Schritt gewagt hat.

Immer mehr Hersteller verzichten auf den Klinkenanschluss beim Smartphone

Nun, drei Jahre später, sieht das Ganze schon anders aus. Apple verzichtet noch immer auf die Klinke und setzt auf Adapter oder gleich Bluetooth-Kopfhörer für die Kunden. Aber auch Marktführer Samsung und Konkurrent Huawei verzichten bei aktuellen Smartphones immer öfter auf den Klinkenanschluss – um nur zwei der vielen weiteren Beispiele zu nennen.

Dadurch sind Käufer immer häufiger dazu gezwungen, sich mit der Wahl der Kopfhörer am neuen Smartphone zu orientieren. Und auch wenn kabelloses Hören seine Bewegungs-fördernden Vorteile hat, gibt es doch einige Nachteile zu beachten.

Die Nachteile von Bluetooth In-Ears

Der gravierendste hierbei ist wohl der Akku. Alle Bluetooth-Kopfhörer müssen aufgeladen werden. Wenn ihr wie ich lieber handliche In-Ears bevorzugt, ist in den kleinen Geräten allerdings natürlich nur wenig Platz für einen leistungsstarken Akku. Das hat zur Folge, dass Modelle wie Huaweis FreeBuds 3 nur 3-4 Stunden am Stück laufen – Apples AirPods Pro immerhin bis zu 4,5 Stunden. Danach ist es allerdings auch erst mal vorbei mit dem Musikgenuss. Lange Reisen sind damit also nicht musikalisch zu überbrücken.

Natürlich werden diese Geräte mit einem praktischen Ladecase geliefert, in dem ihr die Kopfhörer in Nullkommanichts wieder aufladen könnt. Was das ständige Laden mit dem Akku der In-Ears macht, können sich Technik-Fans allerdings schnell ausmalen: Die Lebenszeit sogenannter EarBuds beläuft sich in der Regel auf zwei Jahre. Das heißt, ihr investiert 150 bis 300 Euro in Kopfhörer, die ihr nach mindestens zwei Jahren wieder ersetzen müsst. Nachhaltigkeit geht wirklich anders.

Sind Adapter wirklich der richtige Weg?

Viele Hersteller bieten auch entsprechende Adapter an, mit denen ihr eure Kopfhörer mit Klinkenanschluss wieder wie gewohnt mit dem Smartphone nutzen könnt. Dazu sage ich nur eins: Zwei Kabel bedeuten auch einfach nur ein verdoppeltes Risiko eines Kabelbruchs. Außerdem ist man sowohl bei der Option einen Adapter zu benutzen als auch auf Bluetooth umzusteigen dazu gezwungen, sich neue Produkte zuzulegen.

Was aber, wenn jemand an seine High-End-Kopfhörer mit Klinkenstecker hängt und keinen zusätzlichen Adapter kaufen oder auf ein neues Audio-Gerät mit Bluetooth umsteigen möchte? Genau da wären wir am Knackpunkt. Das Schwinden des Klinkenanschlusses schränkt uns in einem Lebensaspekt ein, der persönlicher nicht sein könnte: Musik.

Liebe Smartphone-Hersteller, macht uns die Entscheidung nicht noch schwerer

Ob euch die Musik nun tagtäglich begleitet, sie eine tiefe Bedeutung für euch hat oder einfaches Hintergrundrauschen ist, es ist eure Entscheidung, wie ihr sie konsumieren wollt. Es ist sowieso schon schwer genug, das richtige Device zu finden, das dem persönlichen Musikgeschmack am besten entspricht – und da sprechen wir nur vom reinen Sound und Tragekomfort.

Müssen wir also wirklich noch zusätzlich dazu überlegen, wie wir unseren Musikgenuss auch noch an die Entwicklung auf den Smartphonemarkt anpassen müssen? Wäre es nicht wesentlich einfacher, den Klinkenanschluss zu behalten und den Usern weiteres Kopfzerbrechen beim Kaufprozess zu ersparen? Darum, Liebe Smartphone-Hersteller, lasst uns die Klinke und erleichtert uns damit ein bisschen die Wahl für euer Handy – es ist sowieso schon schwer genug, sich zwischen all den Top-Modellen zu entscheiden.


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