Manga zeichnen mit iPad Pro? Warum Designerin Niloo darauf schwört

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Künstlerin Niloo schwört auf das iPad Pro.
Künstlerin Niloo schwört auf das iPad Pro.(© 2019 Benjamin Kratsch)

Wusstet ihr eigentlich, dass Apples iPad Pro die Welt der Animationsfilme verändert hat? Dass heute Pixar-Blockbuster wie "Toy Story 4: Alles hört auf mein Kommando" oder die Charaktere von "Frozen" auf dem iPad gezeichnet werden? Das haben wir bei einem sehr spannenden Treffen mit dem Kölner Künstler-Ehepaar Mateja und Miguel im Rahmen der Comic Con Cologne herausgefunden. 

Mateja kennt ihr eventuell unter ihrem Künstler-Synonym “Niloo“, unter dem sie auf Instagram aktiv ist, Videos vom Entstehungsprozess ihrer Werke hochlädt und unter dem sie auch ein Buch herausgebracht hat namens "Mein erstes Mal": Einen romantischen Manga, der sich rund um Liebe und Sex von Teenagern dreht und größtenteils auf dem iPad Pro 2018 entstanden ist.

"Ich hatte vorher ein Grafiktablet von Wacom, was in der Designerszene noch vor fünf Jahren der Standard war. Aber es ist ziemlich groß, sehr schwer und nicht mobil einsetzbar", erzählt uns die Designerin bei einem Treffen kurz vor der Comic Con Cologne in ihrem Büro in Köln, direkt gegenüber vom Dom. "Dafür schätze ich wirklich das iPad Pro: Es bietet mir die gleiche Qualität für meine Arbeit, aber ich kann mich einfach auf die Treppen des Doms setzen und von meiner Umgebung inspirieren lassen."

Das war wichtig für Niloo, weil sich ihr Manga – was japanisch ist und für eine besondere Stilform des Comics steht – zwar durchaus um asiatisch angehauchte Charaktere dreht, aber in Europa spielt. Uns hat sie erzählt, welche Apps sie so verwendet und wie ihr Workflow in iOS aussieht.

Mangas zeichnen mit iPad Pro: Darum nutzen es sogar Disney-Designer

"Wir haben kürzlich erst Mike Matessi getroffen, der als Disney-Designer zum Beispiel für 'Der König der Löwen' verantwortlich war und danach an vielen anderen Disney-Werken gearbeitet hat. Er hat uns auch bestätigt, dass das iPad mittlerweile super beliebt ist bei seinen Disney-Kollegen, einfach weil es Mobilität mit Qualität verbindet“, meint ihr Mann Miguel, der mit ihr zusammen gerade an einem Animationsfilm namens "Pets United" arbeitet.

Auch wenn viele das iPad Pro beim Arbeiten vielleicht eher für Mindmaps und Notizen nutzen, steht für Niloo hingegen steht die Qualität des Displays und des Apple Pencils im Vordergrund: "Das Display ist mit 2.732 x 2.048 Pixeln bei 264 ppi extrem hoch aufgelöst, sehr scharf, sehr klar und vor allem echt in der Farbwiedergabe. Normalerweise haben Designer vorher auf einem Grafiktablett den Entwurf gemacht und brauchten dann noch ein in der Regel sehr teures spezielles Display, um die Intensität der Farben zu überprüfen.“

Auch durch Apples True-Tone-Technologie sei das heute weniger notwendig. Wie uns die Beiden erklären, schätzt das auch Hollywood, weil klassische Wacom-Grafiktablets ganz anders funktionieren: Sie sind niedriger aufgelöst und in der Regel schaut man auf einen Bildschirm, während man zeichnet. Dadurch muss das Auge immer wieder hin- und her wechseln, während es sich beim iPad auf ein Display konzentrieren kann, was weniger von der kreativen Arbeit ablenkt.

Der Apple Pencil als vergleichsweise günstiges Multi-Tool

"Ich schätze vor allem, wie praktisch eigentlich dieser Apple Pencil ist. Weil ich brauche nur einen digitalen Stift, um jede beliebige Strichdicke zu erreichen", erklärt Niloo, die eigentlich eher aus dem traditionellen, analogen Zeichnen kommt. "Ich male schon auch gerne nochmal mit dem Pinsel, so im Hobby-Bereich. Wenn es allerdings um berufliches Zeichnen geht, ist der Pencil für mich viel praktischer, weil ich normalerweise jede Menge unterschiedliche Stifte mitnehmen müsste."

Besonders bemerkbar mache sich das jetzt bei ihrer Arbeit im Filmbereich. Ihr Manga "Mein erstes Mal" ist in Schwarz-Weiß gehalten, die Tiere und Charaktere in "Pets United" hingegen farbig. Da ist es natürlich deutlich einfacher aus dem kompletten P3-Farbraum zu wählen und zu mischen – also so ziemlich allen Farben, die es gibt, als für jede Farbe einen anderen Stift einzupacken. Der Apple Pencil habe zudem den Vorteil, dass man sauber virtuell radieren kann, was wohl im analogen Bereich eher schwieriger ist.

Niloos Tipp für alle, die mobil zeichnen wollen: Eine spezielle Folie auf das iPad auftragen, welches Reflektionen durch die Sonne minimiert.

Niloos Tipp für Einsteiger: Günstige Grafiksoftware und Dropbox

"Ich war selbst positiv überrascht, dass wirklich sehr gute Software und Apps nicht besonders teuer sind." In der Tat kostet die von Niloo verwendete Software ProCreate, welche als eine der besten Zeichen-Apps gilt, nur einmalig 10,99 Euro im AppStore. Wer sich also mal als Designer ausprobieren möchte und ohnehin ein iPad Pro hat, der findet hier einen sehr günstigen Einstieg im Vergleich zu beispielsweise Photoshop.

Sobald man dann etwas professioneller werden möchte, gibt es Affinity als App, welches einmalig 21,99 Euro kostet. "Was ich besonders schätze, ist dieser All-in-One-Gedanke: Ich benutze viel Dropbox und auch wenn ich einen iMac im Büro habe, nutze ich das iPad mittlerweile als Haupt-Computer für alles, was ich mache und ich kann alle meine Arbeiten der letzten Jahre immer mobil dabeihaben. Das ist ein enormer Vorteil, weil ich mich bei neuen Projekten auch von Charakteren inspirieren lassen kann, die ich vor Jahren mal begonnen habe."

Spannend zudem für alle Profis: Adobe hat gerade den Beta-Test für Photoshop für iOS gestartet. Die Desktop-Version von Photoshop ist das Maß aller Dinge für Bildbearbeitung-Software auf dem iMac, vor allem für Fotografen und Web-Designer. Die können in Zukunft genauso detailliert wie Niloo mit dem Apple Pencil zeichnen.

Das dürfte insbesondere deshalb attraktiv sein, weil ohnehin alle Fotos über alle iOS-Geräte synchronisiert werden – man hat seine Arbeit also auf dem iPad, Macbook und iMac gleichzeitig.

Und was sind Niloos nächste Projekte? Ein Animations-Film namens "Pets United", über den wir leider noch nicht viel mehr verraten dürfen. Und ein neues Manga-Projekt. Niloo möchte sich an Self-Publishing versuchen, weil es dank digitaler Distribution heute relativ einfach ist vom iPad direkt sein Werk für die Kindle-App von iOS und Android oder direkt iBooks anzubieten.


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