3D ohne Brille: Das soll Amazons Fire-Smartphone können

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So soll das Amazon-Smartphone also aussehen
So soll das Amazon-Smartphone also aussehen(© 2014 BGR)

Morgen ist es endlich soweit, Amazon stellt in Seattle sein erstes eigenes Smartphone vor. Einige Infos — oder besser: Vermutungen — darüber, was dieses Gerät anders machen soll als die Konkurrenz aus Cupertino oder die zahlreichen klassischen Android-Smartphones kursieren bereits vorab. Ein Überblick.

42 Sekunden lang ist der Teaser, mit dem Amazon für seine anstehende Keynote in Seattle wirbt. Auch wenn der Clip uns ein wenig verstört - immerhin blicken Menschen grinsend in ihren Schritt und schwenken dabei die Hüfte -, so lässt sich daraus zumindest eines der potenziellen Kernfeatures des Amazon-Smartphones ableiten: 3D ohne Brille. Darauf lassen auch Äußerungen — ob nun geschauspielert oder nicht — wie "Woah, es hat sich mit mir bewegt. Wie macht es das?" schließen.

3D ohne Brille? Ganz neu ist die Idee nicht. LG und auch HTC haben bereits daran gearbeitet und 2011 entsprechende Smartphones auf den Markt geworfen — mit mäßigem Verkaufserfolg. TechCrunch hat vor einigen Wochen berichtet, dass Amazon an einem solchen Feature schon länger entwickelt. Und wie es scheint, wird der E-Commerce-Riese beim kommenden Gerät einen etwas anderen Weg beschreiten.

So soll das Amazon-Smartphone nicht wie die Modelle von LG und HTC lediglich über schnöde Display-Filter einen Raumeffekt vorgaukeln, sondern mittels Eye-Tracking-Technologie und der im Gerät verbauten Bewegungs- und Lagesensoren das 3D-Erleben nicht nur besser machen. Auch lassen die Reaktionen der Testnutzer aus obigem Video vermuten, dass sich die Benutzeroberfläche durch eine Analyse der Kopfhaltung und Blickrichtung des User steuern lässt.

Neuartiges 3D-Display – sonst aber eher gemäßigte Hardware

Die sonstige Hardware des Amazon-Smartphones dürfte hingegen kaum neue Maßstäbe setzen: Einem Bericht von BGR aus dem April zufolge, verbaut das Internet-Unternehmen lediglich ein 720p-Screen, einen mittelstarken Snapdragon-Prozessor und 2 GB RAM. Natürlich könnten die Specs morgen bei der Präsentation noch ein bisschen anders aussehen, ein High-End-Bolide ist jedoch so oder so kaum zu erwarten.

Das entspräche aber auch gar nicht dem Ansinnen Amazons. Die Hardware, die das Unternehmen zuletzt vorgestellt hat, zeigt deutlich die Richtung, in die es auch beim Smartphone gehen dürfte: Amazon möchte keine Top-Geräte verkaufen, nicht mit Samsung oder HTC konkurrieren – Amazon möchte Produkte aus seinen riesigen Lagern verkaufen, die längst nicht mehr nur Bücher beinhalten. Das Smartphone soll Nutzer wie die Kindle Fire-Tablets zum Einkaufen animieren.

Inwiefern der 3D-Effekt dabei essenzieller Teil der Strategie ist, bleibt abzuwarten — es ist davon auszugehen, dass der E-Commerce-Riese die Räumlichkeit vorrangig einsetzen wird, um dem Nutzer/potenziellen Käufer ein besonders attraktives mobiles Shopping-Erlebnis zu ermöglichen und so die bestehende "Lücke zwischen dem Impuls, etwas zu kaufen und dem tatsächlichen Einkauf zu schließen", wie die New York Times mutmaßt.

Günstig und mit Prime-Abo?

Und eben genau wegen dieser Motivation hinter dem Launch eines eigenen Smartphones könnte und sollte Amazon das Gerät zu einem besonders günstigen Preis anbieten. Respektive über Werbeeinblendungen, wie auf den Kindle Fire-Tablets, gegenfinanzieren.

Einer in dieser Woche erschienenen Meldung des Wall Street Journal zufolge wird das Amazon Fire-Smartphone, das ja zunächst ohnehin USA-exklusiv erscheinen wird, wohl nur über den Provider AT&T erhältlich sein, was durchaus als Indiz dafür gewertet werden kann, das beide Unternehmen gemeinsam unter Umständen besondere Vertriebsmöglichkeiten erdacht haben. Denkbar wäre auch Gratis-Datenvolumen als Dreingabe für Käufer des Amazon-Smartphones.

Denn das könnte der Kunde wiederum in Amazon-Service reinvestieren: in die Prime-Dienste des Unternehmens. Neben der kostenlosen Lieferung bestellter Produkte schon am nächsten Tag beinhaltet ein Prime-Abo inzwischen auch das Streamen von Filmen und seit Jüngstem in den USA auch Musik nach dem Vorbild von Spotify.

Zusammengefasst lässt sich, ohne sich dabei zu weit aus dem Fenster zu lehnen, jetzt schon postulieren: Amazons Ziel wird es auch beim ersten eigenen Smartphone vorrangig sein, seine Nutzer zum Online-Einkauf und zur Nutzung der eigenen Services zu animieren.

Wie genau dieses Ziel erreicht werden soll — ob über tolle 3D-Effekte oder attraktive Preise beziehungsweise Dreingaben — werden wir morgen erfahren. Und vielleicht dann auch eine ungefähre Aussicht erhalten, ob und wann wir mit dem Smartphone des E-Händlers auch in Deutschland rechnen dürfen.

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