Amazon Echo: Ein Gamechanger oder nur Siri in 'ner Box?

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Amazon Echo: Lauschangriff oder das nächste große Ding?
Amazon Echo: Lauschangriff oder das nächste große Ding?(© 2014 Youtube/Amazon)

Ein Lautsprecher, der auch richtig gut zuhören kann? Was hat Amazon denn damit vor? Geld verdienen, natürlich.

Auf den ersten Blick erinnert es an ein typisches Google-Produkt, das sich mit Google Now per Sprachbefehl bedienen lässt. Echo heißt der neue zylinderförmige Lautsprecher für Euer Wohnzimmer, der nicht nur große Töne spucken, sondern Euch auch verstehen soll, wenn Ihr ihn beispielsweise nach dem Wetter fragt.

Ihr steuert Echo komplett mit Eurer Stimme und könnt die Röhre laut Amazon so auch von einer anderern Ecke des Raums aus direkt nach Nachrichten, der Wetterlage oder anderen Informationen fragen. Antworten wird Euch Echo in Form von Amazons künstlicher Assistentin Alexa, deren Name auch gleichzeitig der Weck-Befehl für den Lautsprecher ist, der vor jeder Anfrage von Euch kommen muss. Laut dem Online-Versandhaus wird Echo beziehungsweise Alexa aufgrund der ständigen Verbindung mit der Cloud immer klüger.

So ist Echo auf den zweiten Blick ein durch und durch nach der Amazon-Philosophie designtes Gadget. Er ist verhältnismäßig günstig, mit dem Amazon-Ökosystem verbunden und bietet Vorteile für Amazon Prime-Mitglieder, die direkt auf Amazon Prime Music zugreifen können.

Haben wir es mit einer neuen Gerätesparte zu tun?

Der eigentliche Clou sind die sieben eingebauten Mikrofone, die permanent den Raum nach Eurer Stimme abscannen - sogar, wenn Ihr gerade Musik hört. Ihr müsst noch nicht einmal brüllen, weil die Mikrofone auch Geräusche wahrnehmen können, die von den Wänden reflektiert werden. Damit funktioniert das Device wie eine Art digitaler Butler, der auf Eure Fragen antworten und Sprachbefehle umsetzen kann: "Wie wir das Wetter? Stell den Wecker auf 8.30 Uhr. Füge Milch zu meiner Einkaufsliste dazu. Wer war Abraham Lincoln?" Das können Sprachassistenten wie Siri, Cortana oder Google Now auch. Allerdings - mit Ausnahme einiger Android-Devices - braucht es dafür das aktive Auslösen der Funktion. Amazon hingegen will tatsächlich einen digitalen Assistenten in Eure Wohnzimmer bringen, der Euch im wahrsten Sinne des Wortes die Wünsche von den Lippen abliest.

Da stellt sich die Frage: Ist Amazon Echo wirklich das nächste große Ding? Haben wir es mitunter sogar mit einer komplett neuen Gerätesparte zu tun? Zweifelsohne ist es ein kühnes Projekt von CEO Jeff Bezos, den digitalen Assistenten vom Smartphone ins Wohnzimmer zu bringen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Ich muss nicht mehr an den Rechner gehen, wenn ich schnell etwas bei Google checken will, sondern stell die Frage einfach an Alexa - die mir immer zuhört. Ich muss mein Smartphone nicht aus der Hosentasche kramen, um meine Todo-App aufzurufen und dort einen Eintrag zu schreiben. Ich sag’s Alexa. Und ich muss mich nicht bei Amazon einloggen, ein Produkt raussuchen und zu meinem Warenkorb hinzufügen - ich lass Alexa den Job machen.

Weniger Barrieren für die Kaufkräftigen

Gemessen an dem Komfort, denn das zunächst für 99 Dollar bepreiste Gadget liefert, ist es ein Gamechanger. Zumindest für die Zielgruppe, die kaufkräftig ist, aber nicht unbedingt technikaffin. In den meisten Ländern, in denen Amazon erfolgreich unterwegs ist, dürfte das vor allem die Älteren sein. Und wer einen Blick auf frühere Produktlaunches wirft, der merkt schnell: Genau die hat der Versandriese im Visier. So punktet etwa das Fire Phone mit einem kostenlosen Support, der 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche für den Nutzer zur Verfügung steht und bei allen Fragen rund um Soft- und Hardware zur Verfügung steht. Das Fire TV unterscheidet sich etwa von Apples Apple TV und Googles Chromecast durch die Möglichkeit, das Gerät über die Fernbedienung mit Sprache zu steuern. Damit, und diese Strategie setzt Amazon auch mit dem neuen Echo fort, baut der Konzern Barrieren zwischen der Technik und ihrem Nutzer ab.

Weniger Barrieren bedeuten höhere Umsätze für das Unternehmen, das wohl wie kein anderes seine Hardware mit seinem Ökosystem verknüpft. Seit jeher gilt das Credo: Wir wollen nicht Geld mit dem Verkauf verdienen, sondern mit der Nutzung. So können Nutzer leichter Filme und Serien kaufen, Apps herunterladen oder mit Hilfe des Fire Phone Produkte shoppen.

(Noch) kein Mehrwert für Technikaffine

Allerdings dürften die Vorbehalte gerade im datenschutzsensitiven Deutschland enorm sein. Ein Gerät im Wohnzimmer, das immer zuhört? Da werden Erinnerungen an die Xbox One wach, die sich schon im Vorfeld des Launches Kritk ausgesetzt sah, wonach nicht klar sei, was mit den aufgenommenen Geräuschen passiere. Werden sie auf Servern gespeichert? Und lassen sich diese Daten an Regierungsbehörden weitergeben?

Das sind Fragen, die vor allem ältere potenzielle Käufer abschrecken dürften. So dürfte Echo für viele Nutzer in erster Linie ein tragbarer Speaker mit Bluetooth-Konnektivität sein - zu einem guten Preis. Problematisch wird es nur, wenn Eure Freundin auch "Alexa" heißt. "Du, Alexa, bringst noch Milch mit?" - und zack, ist der Amazon-Transporter unterwegs...

So gebührt Amazon Respekt dafür, den Sprachassistenten aus dem Smartphone zu befreien und geschickt ins Wohnzimmer zu holen. Allerdings eignet sich das Device damit vor allem für Familien und ältere Nutzer, die etwa noch mit der Bedienung ihres Smartphones hadern. Wer auf seinem Smartphone oder Tablet bereits Siri, Google Now oder Cortana nutzt, bekommt mit Alexa eine weitere Assistentin, die auf ihren Namen hört - wirklichen Mehrwert bringt das aber noch nicht.


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