Ausprobiert: Cobi macht jedes Fahrrad zum Smart Bike

Mit Cobi soll sich jedes Fahrrad für wenig Geld und mit geringem Aufwand in ein Smart Bike verwandeln lassen. CURVED hat vorab einen Blick auf den Prototypen des Kickstarter-Projekts geworfen und eine Runde mit dem "Connected Bike"-System gedreht.

Wenn Apple, Google und Microsoft sich auf einem Geschäftsfeld Konkurrenz machen, dann kann man davon ausgehen, dass ihm eine große Zukunft vorhergesagt wird. Mit Car Play, Google Auto Link und Windows in the Car wollen die drei großen Konzerne im Bereich Connect Car mitspielen und über die elektronische Zukunft der Autobranche mitbestimmen.

Aus dem Auto auf das Fahrrad

Während unter dem Stichwort "Connected Car" die Integration von Smartphones und Tablets sowie die eigenständige Vernetzung der Fahrzeuge schon seit einigen Jahren ein großes Thema auf Auto- und Elektronikmessen ist, kam noch niemand auf die Idee, Fahrräder smart zu machen - von simplen Smartphone-Halterungen für den Lenker einmal abgesehen. Bis Andreas Gahlert sich vor etwas mehr als zwei Jahren als Geschäftsführer der Kreativagentur Razorfish verabschiedete und zu dem Schluss kam, dass es schön wäre, die Annehmlichkeiten von Connected Car auch auf dem Fahrrad zur Verfügung zu haben.

Da es noch keine Anzeichen dafür gab, dass eine Firma es sich zur Aufgabe gemacht hatte Drahtesel und E-Bikes fit für die smarte Zukunft zu machen, gründete Gahlert einfach sein neuntes Unternehmen iCradle und stellt heute, am 3. Dezember 2014, sein erstes Produkt mit dem Start einer Crowdfunding-Kampagne auf Kickstarter vor: Connected Bike oder kurz Cobi. Für 150 Euro bis 250 Euro soll sich jedes Fahrrad zusammen mit einem Smartphone und der App von Cobi in ein Smart Bike verwandeln lassen. Die selbst gesetzten Ziele sind dabei nicht gerade niedrig: Nicht weniger als Marktführer will iCradle mit Cobi im Connected Bike-Bereich werden.

Modulares System ersetzt fünf Geräte

Cobi ist ein modulares System, dessen Herz aus einer Halterung am Lenker, Eurem Smartphone sowie einer darauf installierten App besteht. Dazu kommen das Vorder- und Rücklicht, ein Daumen-Controller sowie in das Gehäuse und Smartphone integriert eine Diebstahlsicherung, ein Navi und eine Klingel.

Anderas Gahlert legte bei Cobi einen besonderen Wert auf das Design. Dabei kam ihn seine Erfahrung aus der Automobilbranche zugute. So verfügt sein Connect Bike-System nicht nur über ein Gehäuse, das eigentlich alle bisher verfügbaren Smartphone-Halterungen für das Fahrrad optisch alt aussehen lässt, sondern auch über von einem erfahrenen Lichtdesigner gestaltete Scheinwerfer. Sie sollen nicht nur für Sicherheit sorgen, sondern wie Autoscheinwerfer an ihrem Lichtbild aus der Ferne zu identifizieren sein. Das Rücklicht verfügt zudem über ein Bremslicht, das über den Beschleunigungssensor im Mainframe gesteuert wird, und aufleuchtet, wenn Ihr bremst, sowie eine Blinker-Funktion zum Anzeigen der Abbiege-Richtung.

Während bei einem E-Bike der Mainframe von Cobi auf die Halterung des Bordcomputers aufgesteckt werden kann, müsst Ihr bei einem herkömmlichen Fahrrad die Halterung festschrauben, was so aufwändig wie die Montage einer Klingel sein soll.

Für E-Bikes und normale Fahrräder

Es gibt noch weitere Unterschiede zwischen den beiden Fahrradarten: Während Ihr Cobi und das Smartphone bei einem E-Bike an dessen Batterie anschließen könnt, gehört zur Halterung für ein normales Fahrrad ein 6000-Milliampere-Akku, der die Laufzeit eines aktuellen Smartphones in etwa verdoppelt bis verdreifacht, was auch nötig ist, wenn es die Aufgaben eines Bordcomputers übernimmt. Bei einem Nabendynamo könnt Ihr Cobi direkt an diesen anschließen und so selber für den benötigten Strom sorgen, indem Ihr in die Pedale tretet.

Der im Gehäuse integrierte Bewegungssensor fungiert als Diebstahlsicherung. Wird das Fahrrad unbefugt bewegt, schlägt es laut Alarm. Ein Wegfahrsperre gibt es allerdings nicht. Ebenfalls lautstark ist die in integrierte Klingel, die Ihr über den Daumen-Controller auslöst und für die sogar mehrere Klingeltöne zur Auswahl stehen.

Ebenfalls in der Cobi-App enthalten ist ein Navigationssystem, das das Kartenmaterial von Openstreetmaps nutzt. Darüber hinaus ist die Anwendung eine Art übersichtliche Cockpit-Oberfläche und zeigt Daten wie die aktuelle Geschwindigkeit, die gefahrene Strecke, die Uhrzeit und die Fahrzeit sowie, wenn ihr entsprechende Sensoren am Körper tragt, auch den Puls an. Zudem dient sie als Bedienoberfläche für weitere Apps, die Ihr direkt über den Daumen-Controller steuern könnt. So halten beide Hände den Lenker fest, und Ihr könnt trotzdem jemanden anrufen oder zum nächsten Song wechseln.

Crowdfunding, Preise und Verkaufsstart

Am 3. Dezember 2014 startet das Kickstarter-Projekt von Cobi und soll nicht nur Geld für die Finanzierung sammeln, sondern ist auch ein Marketing-Instrument und dient dazu, noch vor der finalen Produktionsphase Wünsche und Ideen der potentiellen Käufer mit aufzunehmen. Die aktuelle Planung sieht vor, dass zum anvisierten Verkaufsstart im Juni 2015 Aufsteckhüllen für die sieben gängigsten Smartphone-Modelle zur Auswahl stehen: iPhone 6, iPhone 6 Plus, iPhone 5s und iPhone 5 sowie das Galaxy S5 das S4 und das Nexus 5. Melden sich vorher genug Interessenten, könnten auch noch weitere Modelle dazu kommen.

Preislich geht es bei Kickstarter bei 159 Dollar für das Early Bird-Angebot mit dem Starter-Set für herkömmliche Fahrräder los. Für die E-Bike-Version und Varianten mit Rücklicht werden höhere Summen fällig. Der spätere reguläre Verkaufspreis in Deutschland soll zwischen 150 Euro für das Basis-Paket und 250 Euro für das Gesamt-Paket liegen. Die Kickstarter-Prämien wollen Anderas Gahlert und sein Team spätestens im Juni ausliefern. Gleichzeitig soll Cobi dann auch in den Handel kommen - gerade noch pünktlich zur Sommersaison.

Der erste Eindruck von Cobi: So sieht die Zukunft aus

Noch existieren nur Prototypen von Cobi, die zwar schon über alle geplanten drahtlosen Funktionalitäten verfügen, aber bei denen die Platine noch nicht verkleinert und in das Gehäuse eingebaut ist und deswegen immer noch über Kabel angeschlossen werden muss. Aber das gehört zum normalen Entwicklungsprozess neuer Hardware. Sechs Monate sind ein langer Zeitraum, in dem sich viele Ziele umsetzen lassen.

Mir gefällt die Idee von Cobi sehr gut, aber ich gehöre auch zu den Menschen, die als Teenager in den 90ern einen Tacho am Fahrrad hatten und sich für die eigene Geschwindigkeit und zurückgelegte Strecken interessieren. Ein Navi stelle ich mir vor allem in fremden Umgebungen hilfreich vor. Die Möglichkeit, die ganze Elektronik an den Naben-Dynamo anschließen zu können, finde ich sehr smart. Derzeit nicht wirklich vorstellen kann ich mir, mit Cobi auf meinem Rad Telefonate zu führen oder Musik zu hören, da ich meine Umgebung nur ungern an meinen Gesprächen teilhaben lasse und keine Lust habe, an jeder Ampel über meinen Musikgeschmack zu diskutieren. Klar kann ich auch ein Bluetooth-Headset verwenden, aber das könnte ich auch ohne Cobi.

In Sachen Design haben Andreas Gahlert und sein Team in meinen Augen ganze Arbeit geleistet. Die Halterungen und die Lampen sehen echt schick aus und lassen sich durch die Schilde auch ein wenig individualisieren. Das sieht an einem E-Bike für mehrere Tausend Euro schön aus und wirkt auch an einem normalen Stadtrad für ein paar Hundert Euro nicht deplatziert. So sieht die Zukunft der smarten Fahrräder aus.


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