#Bendgate: Die Märchenstunde vom krummen iPhone 6 Plus

ANALYSENicht meins389
Angriff auf die gerade Linie: Das iPhone 6 Plus muss aktuell einiges aushalten...
Angriff auf die gerade Linie: Das iPhone 6 Plus muss aktuell einiges aushalten...(© 2014 CURVED)

Drama, Baby: Das neue, große iPhone macht angeblich Sachen, die es nicht machen sollte: es verbiegt unter erheblichem Kraftaufwand. Diese wenig überraschende Erkenntnis vermittelt ein Video, das gerade viral geht. Allein: Die Krümmung von Smartphones unter Gewaltanwendung ist kein neues Phänomen – tatsächlich sind die neuen iPhones stabiler als ihre Vorgängermodelle.  

Es muss ja immer was zu meckern, wenigstens aber zu beklagen geben. Kaum sind die neuen iPhones auf dem Markt, wittern notorische Apple-Skeptiker den nächsten Fail. Die Vorlagen aus der Vergangenheit sind bei Einführung einer neuen Modell-Generation schließlich vorhanden: 2010  beschäftigte die Techwelt das Antennagate, zwei Jahre später das Maps-Debakel.

Und nun müssen sich iPhone-Besitzer, zumal die des Phablet 6 Plus, Sorgen um die Widerstandsfähigkeit ihres 800 bis 1000 Euro teuren Smartphones machen. Wie der Gadget-Blogger Lewis Hilsenteger von Unbox Therapy in seinem Härtetest-Video herausstellt, nimmt das iPhone 6 Plus tatsächlich unter gezielter Kraftaufwendung Schaden – es verbiegt sichtbar.

Unbox Therapy traktiert das iPhone 6 Plus am neuralgischen Punkt

Allerdings kennt Hilsenteger den neuralgischen Punkt der iPhones sehr genau: Er setzt exakt an der schwächsten Stelle maximal seine Kraft ein – nämlich genau im Hohlraum neben dem Akku. Die genaue Verbauung hat iFixit vor wenigen Tagen in allen Einzelteilen dokumentiert. Der Effekt ist vergleichbar mit dem Eindrücken einer leeren vs. einer vollen Cola-Dose.

Und wie wahrscheinlich ist es nun, dass ein iPhone 6 Plus Nutzer exakt an dieser Stelle zufällig maximalen Druck ausübt – und in welcher Form greift der Effekt tatsächlich in der Hosentasche? Unbox Therapy hat das Bendgate schließlich nicht durch einen Sitztest hervorgerufen.

Verbogene Smartphones sind ein altbekanntes Phänomen 

Dass Smartphones unter Druckeinwirkung dazu neigen, zu verbiegen, ist zudem kein spezifisches iPhone 6 Plus-Phänomen. Erst zu Jahresbeginn musste sich Sony anhören, sein Flaggschiff Xperia Z1 würde ebenfalls verbiegen. Und damit nicht genug: Die skurrilen Bilder von gekrümmten Smartphones machen seit Jahren die Runde.

Samsungs Galaxy-Serie war ebenso betroffen wie Modelle von HTC, Blackberry, Oppo oder  Vorgängermodelle des iPhones – das Apple-Blog Cult of Mac hat eine Biege-Galerie noch mal zusammengestellt. Der erfahrene Gadgets-Nutzer weiß: Smartphones sind alltägliche  Gebrauchsgegenstände, nicht Testobjekte zur sinnlosen Gewaltanwendung.

iPhone 6 und 6 Plus stabiler als Vorgängermodelle

„Sollten wir nicht viel mehr darüber erstaunt sein, dass das Gerät unter dem Druck nicht in zwei Hälften gebrochen ist? Dass das Glas nicht gesplittert ist? Unter solcher Druckanwendung erscheint eine Verbiegung anstelle eines Bruchs wie ein herausragendes Feature“, findet Apple-Blogger John Gruber.  Tatsächlich schneiden die neuen iPhones bei Bruchtests bislang gegenüber Vorgängermodellen am besten ab, haben die Gadget-Tester von SquareTrade herausgefunden.

„Smartphones sind nicht perfekt“, merkte Steve Jobs vor vier Jahren anlässlich des Antennagates an – nicht zuletzt deswegen erneuern Nutzer ihr Gerät in so kurzen Zyklen wie wohl kein anderes   Gadget. Nicht anders verhält es sich bei den neuen iPhones. Zur Tragweite eines Antennagates oder Maps-Fiaskos taugt das hochgejazzte „Bendgate“ indes nicht im Ansatz – das 7,1 bzw. 6,9 Millimeter dicke iPhone ist kein Outdoor-Phablet mit Aufprallschutz – die meisten Nutzer wissen das.

Apple erkennt Support beim Bendgate je nach Fall an

Wer trotzdem Probleme bekommt und tatsächlich unter iPhone 6 Plus-Krümmungen leidet, kann den Apple Support aufsuchen, der die Sache inspiziert und von Fall über einen Austausch des Geräts entscheidet, berichtet TheNextWeb.

An der Wall Street zeigte die große Aufregung über das Bendgate, das sich vor allem in Social Media-Kanälen äußerte, bislang nicht die vergleichbare Wirkung des Antenna- oder Mapsgates: Die Apple-Aktie tendierte gegen den Markttrend schwächer, gab allerdings lediglich um 0,90 Prozent nach.


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