Black Friday und Cyber Monday: Warum Deal nicht gleich Deal ist

Cyber Monday und Black Friday locken mit Schnäppchen.
Cyber Monday und Black Friday locken mit Schnäppchen.(© 2018 picture alliance / dpa)

Warten, bis der Preis fällt: Onlineshops bieten während der Cyber-Monday-Woche rund um den Black Friday zahlreiche Produkte vergünstigt an – teilweise zu augenscheinlich unschlagbar niedrigen Preisen. Aber ist das wirklich so?

Was dem stationären Einzelhandel in den USA der Black Friday ist, das ist der Cyber Monday für den Onlinehandel: Schnäppchen, Angebote, reduzierte Preise. Allein für 2018 erwartet der Handelsverband Deutschland (HDE) einen Umsatz von 2,4 Milliarden Euro am Black Friday und Cyber Monday.

Sofern die Prognose stimmt, entspräche das einem Plus von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr, so der HDE in einer Pressemitteilung. "Beide Aktionstage haben sich über die letzten Jahre fest im Einkaufskalender der Schnäppchenjäger etabliert. Immer mehr Online-Händler und stationäre Läden bieten gezielt Aktionsware an", sagt HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth.

Kunden nutzen Angebotswoche für gezielte Käufe

Mit 211 Euro gibt der Deutsche im Durchschnitt zwar noch verhältnismäßig wenig am Black Friday aus (in den USA liegen die Ausgaben bei 446 Euro), dennoch scheint das Interesse daran auch hierzulande kontinuierlich zu wachsen.

In einer Befragung der Strategieberatung Oliver Wyman gaben die 40 Prozenten der Teilnehmer an, am Black Friday spontane Einkäufe zu tätigen. 43 Prozent kaufen während der Rabattschlacht gezielt Produkte, die sie schon länger anschaffen wollten. Die verbleibenden 17 Prozent nutzen die Preissenkungen für Vorratskäufe. Allerdings, so die Ergebnisse der Umfrage weiter, "erwarten die Kunden Rabatte von mindestens 30 Prozent – ist der gesuchte Artikel nicht im Angebot oder zu wenig rabattiert, verzichten drei von vier auf den Einkauf."

Über die Jahre gewöhnen sich die Verbraucher an hohe Rabatte zu bestimmten Terminen. Sie verschieben Käufe auf Zeitpunkte, zu denen sie Rabatte erwarten.

Nils Vortmann, Principal bei Oliver Wyman und Leiter der Befragung

Amazon hat das Konzept des Cyber Mondays mittlerweile auf eine ganze Woche ausgedehnt. Aus dem Cyber Monday ist längst eine Cyber Week geworden. Die Angebote variieren acht Tage lang im Fünf-Minuten-Takt. Wer sich nicht rechtzeitig informiert oder den Wecker stellt, verpasst unter Umständen das Objekt der Begierde, denn der Vorrat ist begrenzt. Auch das ist Teil des Konzepts: die künstliche Verknappung. Denn wie hoch die jeweilige Stückzahl der feilgebotenen Produkte ist, lässt sich an dem steigenden Prozentbalken nicht ablesen.

Obacht bei vermeintlichen Schnäppchen

Dabei kann es sich durchaus lohnen, die Angebote der Cyber-Monday-Woche in Ruhe mit anderen Preisen zu vergleichen. Denn der Cyber Monday findet online-weit statt. Nicht immer ist das Angebot bei Amazon tatsächlich auch das niedrigste – sondern manchmal bloß das auffälligste.

Denn häufig reduzieren Online-Shops Produkte ausgehend von ihrer ursprünglichen unverbindlichen Preisempfehlung des Herstellers und nicht vom aktuellen Markt- bzw. Straßenpreis, der teilweise bereits niedriger ist.

Die Verbraucherzentrale Niedersachsen warnt diesbezüglich vor falschen Rabatten: "Oftmals sind die Rabatte in den Onlineshops an diesen Aktionstagen 'aufgeblasen'." Vor allem bei Haushaltsgeräten wie Kühlschränken oder Waschmaschinen, die schon länger auf dem Markt sind, funktioniert das Prinzip.

Nur auf den ersten Blick ein Riesendeal

Ein Beispiel: Amazon bot am 19. November, zum Start der Cyber-Monday-Woche, eine Waschmaschine von Siemens mit 47 Prozent Nachlass an. Statt der unverbindlichen Preisempfehlung von 999 Euro hatten Kunden einige wenigen Stunden Zeit, das Elektrogroßgerät für 529 Euro zu erstehen. Allerdings hat der Onlineriese die Waschmaschine bereits seit vier Jahren im Sortiment.

Eine kurze Kontrollsuche auf der Preisvergleichsseite idealo.de ergab sodann auch, dass andere Onlineshops das gleiche Modell regulär zwischen 500 und 600 Euro anbieten – und das dauerhaft. Allerdings fallen die 40 Euro Versandkosten ausschließlich bei Amazon weg. Im diesem konkreten Fall lohnt es sich zudem, auch bei Ebay danach Ausschau zu halten. Denn während etwa der Elektronikfachhandel Saturn die Waschmaschine versandkostenfrei für 639 Euro ausschreibt, kostet sie bei Ebay 560 Euro, angeboten ebenfalls von Saturn. Allerdings auch hier nur in begrenzter Stückzahl.

Auch andere Vergleichsportale wie preis.de und billiger.de führen zu ähnlichen Ergebnissen bei der Preisabfrage. Und: Bereits einen Tag nach dem Blitzangebot liegt der Preis bei Amazon mit 593,99 Euro sogar höher als bei einigen Mitbewerbern. Die Ersparnis liegt gegenüber den angeblichen 47 Prozent weiterhin bei 41 Prozent – der künstlich erzeugte Zeitdruck durch den Angebotscountdown ist somit kaum gerechtfertigt.

Der Onlineversandhandel hat den Cyber Monday als Antwort auf den Black Friday des stationären Handels in den USA lanciert.(© 2018 picture alliance / ZUMAPRESS.com)

Immer mit der Ruhe: erst vergleichen, dann kaufen

Wer tatsächlich sparen will, macht sich vorab mit dem Straßenpreis des Produktes vertraut. Denn so lassen sich neben ein paar Euro auch Stress und Zeit sparen, wenn sich herausstellt, dass andere Shops ähnliche Preise dauerhaft anbieten.

Echte Schnäppchen bieten sich häufig bei hauseigenen Produkten wie den Amazon Echos oder Kindle-Tablets. Denn deren UVP ist identisch zum Straßenpreis. So sind beim Amazon Echo (2. Generation), der normalerweise 99,99 Euro kostet, 40 Euro Rabatt auch echte 40 Prozent Ersparnis. Allerdings bietet Amazon die Echo-Produkte immer mal wieder über das Jahr verteilt vergünstigt an.

Ebenfalls sparen lässt sich bei ansonsten preisstabilen Artikeln, wie zum Beispiel Apples MacBooks oder iPads, die nur selten reduziert als Neuwaren angeboten werden. Allerdings sollte man auch hier dem sofortigen Kaufreflex widerstehen und sich zunächst erkundigen, ob das angebotene Produkt auch das aktuelle ist und nicht ein ohnehin im Preis gefallenes Vorjahresmodell. Gerade bei den MacBooks, die oft ohne weitere Bezeichnung im Namen daherkommen, lässt sich auf den ersten Blick nicht sofort sagen, um welches Modell es sich handelt.

Bevor ihr also in einen unkontrollierten Shoppingrausch verfallt, fragt euch vorab, ob der Deal wirklich so großartig ist, wie suggeriert – und ob ihr das Gerät tatsächlich braucht oder vielleicht nur einem Impuls folgt.

Es kann übrigens auch nie schaden, den Shop vorab auf seine Seriosität zu überprüfen, indem ihr nach Erfahrungsberichten anderer Käufer sucht. Dubiose Händler bieten als Zahlungsoption oft ausschließlich Vorkasse an. Ist das Geld dann einmal überwiesen und der Artikel kommt nicht, ist es verloren. Zahlungen per Kreditkarte, PayPal auf Rechnung oder per Lastschrift lassen sich auch nachträglich wieder rückgängig machen.


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