Das Handy fürs Handgelenk: Samsungs schräge Smartwatch von 1999

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So sahen Smartwatches 1999 aus.
So sahen Smartwatches 1999 aus.(© 2015 Samsung Tomorrow)

Das Jahr 1999: Das iPhone ist noch acht Jahre entfernt, die Menschheit fürchtet den Millennium-Bug, im Fernsehen laufen die letzten Staffeln von Deep Space Nine und Akte X, Futurama beginnt gerade damit, kuriose und nicht immer unwahrscheinliche Zukunftsszenarien zu entwerfen. Und Samsung wirft eine Smartwatch auf den Markt, 16 Jahre vor der Apple Watch. Entschuldigung, smart war damals eigentlich nur Pierce Brosnan als Thomas Crown – das SPH-WP10 ist vielmehr ein Handy fürs Handgelenk!

Nichts kommt aus dem Nichts, alles war schon mal da und Geschichte wiederholt sich – insofern ist es kaum verwunderlich, dass schon lange vor Apple Watch und Android Wear Vorläufer der heutigen Smartwatches als coole Zukunftskonzepte durch die Fantasien der Tech- und Medienmacher schwirrten. Wir denken natürlich an Michael Knight und Star Trek, aber auch an die Taschenrechnerarmbanduhren aus den 8oern. Es ging aber auch vor 15 Jahren noch viel konkreter, wie uns Samsungs SPH-WP10 beweist.

Das 1999 vorgestellte Gadget war nicht nur eine futuristische Symbiose aus Armbanduhr und Handy – ja, so hießen Mobiltelefone damals –, sondern auch noch ultrakompakt und federleicht: 50 Gramm wog die Kunststoff-WP10. Das 2 Zentimeter(!) dicke Gehäuse beherbergte einen Akku, der Telefoniezeiten von 90 Minuten erlaubte und es auf beachtliche 60 Stunden Standby bringen sollte.

So schön, Samsungs SPH-WP10(© 2015 www.ccidnet.com)

Viel mehr als Telefonieren konnte der geneigte Early Adopter anno 1999 dann aber mit der WP10 auch nicht. Schließlich steckten das mobile Internet sowie die Display-Technik damals noch in den Kinderschuhen. Immerhin konnte sich Kontakte mit dem Watchphone schon per Sprachaktivierung anrufen lassen – was nicht nur ein cooles, sondern wohl auch ein wichtiges Feature war, da die Navigation durch die Menüs der WP10 ob der fehlenden Tastatur nicht so richtig intuitiv von der Hand ging.

Samsung sah die Vorteile des Gadgets damals vor allem in der neuen Mobilität, die die WP10 ihrem Nutzer bieten sollte und den Markt vor allem bei der "Jugend". So heißt es im Pressetext zur Produktankündigung: " Am Handgelenk getragen bietet die SPH-WP10 außergewöhnliche Tragbarkeit und wird gleichzeitig weiger wahrscheinlich verloren oder gestohlen als konventionelle Mobiltelefone. Außerdem behindert es Nutzer nicht beim Ausüben von Sport, Angeln, Wandern oder anderen Outdoor-Aktivitäten. Samsung-Offizielle gehen davon aus, dass das neue Watch Phone vor allem im Jugend-Markt ein großer Erfolg werden wird."

Diese optimistische Prognose hat sich leider nicht bewahrheitet, wie wir heute wissen – was daran gelegen haben kann, dass Samsung mit der WP10 seiner Zeit ein wenig voraus war, oder aber die veranschlagten 700 Dollar UVP einfach eine Hausnummer zu groß für die sportlich ambitionierte Jugend des Jahres 1999 waren.


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