Drei Monate mit dem iPhone 6 – ein Erfahrungsbericht

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Hält das iPhone 6, was der Hype verspricht?  CURVED-Redakteur Gerd zieht Bilanz.
Hält das iPhone 6, was der Hype verspricht? CURVED-Redakteur Gerd zieht Bilanz.(© 2014 CURVED)

Es war eine schwere Entscheidung: Mein iPhone 5 brauchte unbedingt einen Nachfolger, nur: Welches Smartphone sollte mein ständiger Begleiter werden? Entschieden hatte ich mich letztendlich für das iPhone 6. Nun sitzt es ein Vierteljahr in meiner Tasche – Zeit für ein Resümee.

Zur Wahl für standen das Moto X, das Lumia 930 und das iPhone 6, in einem Alltagstest ließ ich alle drei Smartphones gegeneinander antreten. Dass ich mich schlussendlich für das Apple-Smartphone entschied, lag nicht nur an den unzähligen Apps, die ich in den vergangenen Jahren bei iTunes gekauft hatte. Die wenigsten davon nutze ich regelmäßig, und meine Favoriten gibt es auch für die anderen Systeme, häufig sogar kostenlos.

Es lag einzig und allein an meiner technischen Infrastruktur: Neben einem Macbook nutze ich auch noch Apple TV und ein iPad - da passt das iPhone einfach in diese Reihe. Allerdings war es eine knappe Entscheidung, auch die beiden anderen Smartphones haben tolle Features, die mich im Test begeistert haben.

Seit mehr als einem Vierteljahr nutze ich also nun das iPhone 6. Ein guter Zeitpunkt, über die Vorzüge, aber auch die Nachteile des Smartphones zu berichten. Dazu kurz ein paar Details: Ich nutze das iPhone 6 Plus mit 128 Gigabyte Speicher. Mein altes iPhone hatte lediglich 32 Gigabyte, und der Platz wurde mir schnell zu knapp. Derzeit ist der Speicher folgendermaßen belegt: 4.638 Musiktitel (42,1 Gigabyte), 41 Videos (ca. 14 Gigabyte) und 1.312 Fotos (4,6 Gigabyte). Der Rest des belegten Speicher geht für derzeit 151 Apps drauf, 28 Gigabyte sind noch frei.

Foto

Schon daran sieht man, dass ich das iPhone viel und gerne nutze. Fast täglich probiere ich eine neue App aus, das iPhone dient als Medienabspieler und ersetzt in den meisten Fällen meinen guten Fotoapparat. Und da sind wir auch schon bei dem für mich inzwischen wichtigsten Feature eines Smartphones: die Kamera. Ich fotografiere ständig, manchmal für Facebook, manchmal für Whatsapp, manchmal nur für mich. Häufig dienen die Fotos nur als Notizzettel, sehr häufig bearbeite ich die Bilder direkt auf dem iPhone.

iPhone 6 Plus als Fotoapparat(© 2014 CURVED Montage)

Das alles könnte ich auch mit jedem anderen Smartphone auf dieser Welt machen – nur bei weitem nicht so schnell und so bequem. Apple hat es geschafft, die Fotofunktion fast perfekt zu lösen. Auf dem Papier gibt es deutlich bessere Smartphone-Kameras, doch was Apple mit den acht Megapixeln anstellt, ist toll. Die Foto-App reagiert schnell, die Integration zusätzlicher Apps aus dem iTunes-Store funktioniert ebenfalls blendend. Zwar vermisse ich einen dezidierten Kamera-Button, damit ich nicht den Umweg übers Display gehen muss, aber geschenkt. Ein Zeichen, dass mich das nicht weiter stört, sind ja die rund 1.300 Fotos, die ich den vergangenen drei Monaten geknipst habe.

Apps

Auch wenn ich viele meiner installierten Programme eigentlich eher selten benutze, finde ich die große Auswahl doch cool. Klar, inzwischen gibt es für Android-Smartphones und sogar für das Windows Phone fast jede wichtige Anwendung, aber das iPhone ist für viele Entwickler noch immer die erste Wahl – besonders in Bezug auf Games.

Gerade in meinem Job brauche ich Smartphone, mit dem ich möglichst jede verfügbare Anwendung schnell installieren und ausprobieren kann. Es hat zwar ein paar Wochen gedauert, bis fast alle verfügbaren Anwendungen an das größere Display des iPhone 6 Plus angepasst wurden, aber inzwischen sieht eigentlich jede App prima aus.

Allerdings ist es immer noch nicht so, dass nicht alles immer wie aus einem Guss wirkt. Besonders bei der Facebook-App fällt das auf. Normalerweise ist es egal, ob ich das Smartphone beim Tippen hochkant oder im Querformat nutze – die Tastatur passt sich sofort an. Nur bei Facebook funktioniert das nicht. Das kann man sicher nicht Apple ankreiden, aber dennoch ist das störend.

Verbindung

Sehr häufig nutze ich die Möglichkeit, per AirDrop Dateien vom iPhone auf mein Macbook zu übertragen – und umgekehrt. Und da viele meiner Bekannten und Kollegen ebenfalls ein iPhone nutzen, brauche ich weder Skype noch Whatsapp zur Kommunikation, sondern kann mich auf Facetime und iMessage verlassen. Ein weiterer großer Vorteil im Gegensatz zu meinem alten iPhone ist die deutliche bessere Netzqualität.

In den vergangenen Monaten ist mir aber vor allem aufgefallen, wie einfach ich beim iPhone bestimmte System-Funktionen deaktivieren kann. Denn als ich kürzlich Tipps zum Akkus-Sparen für Android-Geräte zusammenstellte, war es mir teilweise unmöglich, beispielsweise die Nutzung von Ortungsdiensten für spezielle Apps festzulegen: Will ich eine Android-App installieren, muss ich mit den speziellen Zugriffsberechtigungen dieser Programme leben und kann sie nur schwer wieder einschränken. Klar, dafür gibt es Apps. Aber ich möchte nichts installieren müssen, um andere installierte Programme regulieren zu können.

Verarbeitung

Nun ja, so ganz bin ich mit der Optik vom iPhone 6 nicht glücklich. Ich könnte es mit einem "vorne hui, hinten pfui" zusammenfassen. Die Gestaltung der Rückseite des Smartphones ist meines Erachtens eine Frechheit. Es wirkt unausgewogen, die Kameralinse steht vor und die Antennenstreifen wirken billig und nicht wertig. Aber hey, ich habe einen Aufkleber aufgeklebt, und gut ist. Dennoch habe ich manchmal das Gefühl, dass es mir nur ganz knapp nicht aus der Hand gerutscht ist.

Vom Möchtegernskandal "Bendgate", also einem verbogenen Gehäuse, ist bei meinem Gerät nichts zu sehen. Allerdings bleiben beim Telefonieren doch tatsächlich ab und zu ein paar Barthaare am iPhone hängen.

Den Fingerabdruck-Sensor auf dem Home-Button hatte ich vorher nie vermisst, jetzt möchte ich ihn nicht mehr missen. Dass ich mein Telefon bisher nie per Pin-Code gesichert hatte, war wahrscheinlich sehr leichtsinnig, aber für mich war das einfach zu umständlich. Das ist nun Schnee von gestern, denn jetzt ist der Zugriff auf meine Daten vor fremden Augen geschützt. Auch diese Funktion wird von anderen Herstellern in deren Smartphones eingesetzt, bisher habe ich die Integration nirgends so gut erlebt wie auf dem iPhone.

Multimedia

Kommen wir zum wichtigsten Grund, weshalb ich mich für das iPhone 6 Plus entschieden habe: Musik und Filme. Ein großer Teil meiner Multimedia-Sammlung stammt aus dem iTunes Store. Die Musik wird zwar auch von anderen Smartphones erkannt, bei Apple gekaufte Filme und TV-Serien allerdings nicht. Ich wollte ein Smartphone haben, auf dem ich mal schnell eine Folge "Breaking Bad" oder ein Musikvideo auf einem großen Display anschauen kann.

Ich habe das iPad halt nicht immer dabei. Und was soll ich sagen: Das Filme gucken macht auf dem iPhone richtig Spaß.  Allerdings mit einer gigantischen Einschränkung: Der Sound der Speaker ist beim iPhone 6 einfach unterirdisch. Der magere Lautsprecher sitzt nur an einer Seite und strahlt nach unten ab. Ich werde geradezu gezwungen, einen Kopfhörer aufzusetzen.

Betriebssystem

Da ich seit dem ersten iPhone mit iOS vertraut bin, habe ich mich auch an das System gewöhnt. Aber es ist wahrlich keine Liebesbeziehung. Es nervt, dass Apple das Betriebssystem offenbar bei der Veröffentlichung des iPhone 6 noch nicht wirklich fertig entwickelt hatte.

Inzwischen gab es einige Updates, die für mehr Sicherheit sorgen und weitere Features an Bord hatten. Aber selbst wenn die Funktionen von iOS  gut umgesetzt sind, gefällt mir die Optik rein gar nicht. Vor allem die App-Icons nerven mich – vor allem, da ich wie weiter oben im Text erwähnt weit über hundert Programme installiert habe. Ich kann die Anwendungen zwar in Ordnern sortieren – für viel mehr Übersichtlichkeit sorgt das nicht.

Problematisches Software-Update: Der Start von iOS 8 kann kaum als glücklich bezeichnet werden...(© 2014 CURVED Montage)

Außerdem handelt es sich bei fast allen Icons nur um dumme Bookmarks ohne Funktionen. Als einziges Feature bieten einige Apps die Möglichkeit, neue Nachrichten mit einer Zahl anzuzeigen. Hier gefallen mir die Ansätze von Android und Windows Phone deutlich besser. Gerne würde ich Kacheln oder Widgets nutzen, um die die Programme auf den Homescreen zu packen, die ich wirklich regelmäßig nutze. Aber so ist es halt in einer langen Beziehung: man gewöhnt sich an die Schwächen.

Fazit

Das Smarthpone ist für mich das Gadget, das ich wirklich jeden Tag ausgiebig nutze. Es ist ein wichtiger, wenn nicht sogar der wichtigste Teil meines digitalen Lifestyles. Darum schreckt mich auch nicht der hohe Preis für das iPhone 6 ab, wenn Funktionsumfang und Qualität stimmen. Aus diesem Grund bereue ich auch nicht, dass ich mich für das Apple-Smartphone entschieden habe.

Aber – und es ist ein großes Aber: Die intensive Nutzung hat mir gezeigt, dass ich immer weniger auf die Infrastrukur von Apple angewiesen bin. Filme und Serien schaue ich immer häufiger bei Netflix & Co., Musik kommt inzwischen per Spotify und Deezer an meine Ohren. Facebook, Whatsapp und andere Messenger funktionieren auch auf den Geräten anderer Hersteller prima.

Es gibt für mich immer weniger einen Grund, Apple treu zu bleiben. Bei meinem nächsten Smartphone wird es für mich noch wichtiger, wie lange der Akku hält und wie gut die Hardware gebaut ist. Und da zeigen Unternehmen wie Samsung, Sony, HTC, LG und Microsoft, aber auch viele chinesische Hersteller, dass Apple nicht mehr unbedingt das Maß aller Dinge ist.


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