Gaming-Smartphones: Asus ROG Phone und Honor Play im Vergleich

Unscheinbare Erscheinung: Das Honor Play sieht nicht danach aus, ist aber in erster Linie ein Smartphone für Gamer.
Unscheinbare Erscheinung: Das Honor Play sieht nicht danach aus, ist aber in erster Linie ein Smartphone für Gamer.(© 2018 Honor)

Razer hat Ende 2017 mit dem Razer Phone vorgemacht, was Asus und Honor (und auch Xiaomi mit dem Black Shark) nun nachholen: Sie bringen Smartphones in den Handel, die sich speziell an Gamer richten.

Begriffe aus der Welt des Gaming werden plötzlich relevant bei Smartphones: "Reaktionszeit", "Übertaktung" oder auch "Aktiv-Kühlung". Nachdem Razer Ende 2017 Razer Phone vorgestellt hatte, dauerte es nicht lange, bis weitere Hersteller eigene Gaming-Smartphones ankündigten. Auf der Gamescom stellten Asus und Honor ihre Mitbewerber vor – ich habe mir beide angeschaut und ausprobiert.

Gaming-Smartphone mit jeder Menge Zubehör: Asus ROG Phone

Asus ist schon seit längerem direkter Konkurrent von Razer, unter anderem mit ihren Gaming-Notebooks. Mit dem Asus ROG Phone (Republic of Gamers) buhlen sie nun auch um die Gunst der Smartphone-Spieler. Schon die Designsprache lässt wenig Raum für Interpretation: Auf der Rückseite befinden sich – untypisch für ein Mobiltelefon – zwei Kühlrippen nebst großem, leuchtendem Asus-ROG-Logo. Razer hatte, zumindest bei der ersten Version ihres Smartphones, noch auf eine Chroma-Integration zugunsten der Akkulaufzeit verzichtet. Um den 4000-mAh-Akku zu schonen, lässt sich die RGB-Beleuchtung deshalb auch deaktivieren. Ob sie neben dem visuellen Effekt auch einen praktischen Nutzen hat, zum Beispiel auf Benachrichtigungen hinzuweisen, wird sich noch zeigen müssen.

Technisch arbeitet sich Asus wie seinerzeit Razer bis ins High-End-Segment vor: Ein Snapdragon 845 (vier Kerne mit 2,96 GHz und vier Kerne mit 1,7 GHz) und acht Gigabyte RAM sollen für ruckelfreies Spielvergnügen sorgen, während ein AMOLED-Display mit 90 Hertz Bildwiederholfrequenz und einer Millisekunde Reaktionszeit die Animationen flüssig und gestochen scharf darstellen. Das Razer Phone schafft sogar bis zu 120 Hertz, allerdings kommt hier nur ein LCD-Display zum Einsatz. Allein, 120 Hertz unterstützt ohnehin nur eine geringe Auswahl an Spielen. Bei beiden Geräten lässt sich die Frequenz optional auf 60 Hz reduzieren, um den Akku zu schonen.

Auf sechs Zoll dehnt sich das Display im 18-zu-9-Format auf und kommt damit auf ein Verhältnis von 76,8 Prozent beim Screen zum Gehäuse. Mit 5,7 Zoll, klassischem 16:9 und einem Verhältnis von 72,7 Prozent unterliegt das Razer Phone in allen Punkten, erst recht übrigens gegenüber dem Honor Play.

Softwareseitig soll das Asus ROG Phone mit Android 8.1 und angepasstem User-Interface ausgeliefert werden. Wie das Razer Phone beherrscht das ROG Phone einen speziellen Game-Modus, der hier X Mode heißt und unter anderem die Leistung für Spiele optimiert, während andere Dienste in den Hintergrund treten: So unterbrechen zum Beispiel Benachrichtigungen nicht mehr das Spiel, sondern werden währenddessen nur als kleines Symbol am Bildschirmrand eingeblendet.

Asus macht das ROG Phone zur Nintendo Switch oder zum PC

Darüber hinaus will Asus das Spielerlebnis mit zusätzlichem Zubehör erweitern. Mit dem TwinView Dock wird das ROG Phone zu einer Art Nintendo DS mit zweitem Display – liegt dabei allerdings weitaus schwerer und klobiger in der Hand. Darüber hinaus stellt sich die Frage, welchen Nutzen ein zweiter Screen hat, wenn im Grunde alle Smartphone-Spiele für lediglich einen ausgelegt sind.

Das Mobile Desktop Dock erlaubt den Anschluss von Maus und Tastatur, um Android-Spiele auf einem Monitor mit klassischer PC-Steuerung zu genießen – mal sehen, mit welchen Gegnern es man bei Fortnite zu tun bekommt. Das Duo aus Gamevice Controller und WiGig Dock übertragt die Spielinhalte auf den heimischen Fernseher, also so wie die Nintendo Switch im Docking-Modus, hier allerdings kabellos.

Als weitere Raffinesse hat Asus dem ROG Phone sogenannte Airtrigger-Tasten spendiert. Ähnlich dem HTC U11 oder U12 Plus handelt es sich dabei um kleine Bereiche des Rahmens, die auf Druck reagieren und so als zusätzliche Schultertasten im Spiel genutzt werden können. So lassen sich zum Beispiel bei dem Rennspiel "Asphalt 9" die On-Screen-Tasten für Nitro und Bremsen auf die beiden Schultertasten auslagern.

Das Asus ROG Phone soll im Oktober 2018 in Deutschland erscheinen. Preislich wird es voraussichtlich noch etwas teurer als das Razer Phone zum Verkaufsstart, das mit 749 Euro in den Handel kam. Dafür wird es direkt mit dem AeroActive Cooler ausgeliefert und als einziges der drei mit Bluetooth 5.0.

Honors Einstieg in die Welt der Spiele: Honor Play

Dass Honor jetzt ebenfalls im Gaming-Bereich mitspielen will, verdeutlichte schon der Messestand auf der Gamescom. Eigens für das Honor Play hat die Huawei-Tochter eine große Bühne aufgestellt und davor eine Vielzahl an Smartphones zum Probespielen aufgebaut. Auf der Bühne duellierten sich Youtube-Größen wie ApeCrime mit Fans in "PUBG Mobile", während die Fans vor der Bühne aufgrund der Altersfreigabe mit "Asphalt 9" vorliebnehmen mussten.

Mit 329 Euro bzw. 349 Euro für die rote Edition wird schnell deutlich, dass Honor ein wesentlich weniger zahlungskräftiges Publikum im Visier hat als Razer und Asus. Während die beiden PC-Gaming-Experten ihre Expertise aus dem Segment auf ihre Smartphones übertragen – und versuchen ihre Fans dahin mitzunehmen –, geht Honor den umgekehrten Weg: Das Honor Play soll vor allem Menschen erreichen, die zwar gerne auf dem Smartphone spielen, aber nicht unbedingt die leistungsstärkste Hardware und zusätzliche Features brauchen.

Dafür überzeugt das Honor Play mit einem 6,3 Zoll großen Display im 19,5-zu-9-Format, das im Vergleich zu den beiden Mitbewerbern nahezu randlos erscheint und 83 Prozent der Front ausmacht. Die Notch am oberen Bildschirmrand fällt dabei minimal breiter aus als beim optisch ähnlichen Honor 10 (Hier geht es zum Test). Allerdings befindet sich der Fingerabdrucksensor beim Play auf der Rückseite und nicht länger unterhalb des Displays. Und: Die Linsen der Dualkamera sind unter- und nicht nebeneinander angeordnet.

Ganz ohne spezifische Features für Smartphone-Spieler will Honor sein Play dann aber doch nicht ins Rennen schicken. Die sogenannte GPU Turbo soll die Grafik um bis zu 60 Prozent beschleunigen und die Framerate erhöhen bei gleichzeitig niedrigerem Energieverbrauch von 30 Prozent. Dadurch soll der mit 3750 mAh im Vergleich schwächste Akku der Gaming-Smartphones bis zu eineinhalb Tage bei intensiver Nutzung durchhalten – ähnliches hat Razer bei seinem 4000-mAh-Akku versprochen und nicht halten können. Die sonstige Hardware des Honor Play ist identisch zu der des Honor 10: Huaweis eigener Prozessor, der Hisilicon Kirin 970, taktet mit viermal 2,4 GHz und viermal 1,8 GHz. Dazu gesellen sich vier Gigabyte Arbeitsspeicher und 64 GB Flash (erweiterbar um bis 256 GB).

Spannend wird auch sein, wie genau Honor seine künstliche Intelligenz beim Honor Play auf die Spielerfahrung erweitern wird. Denn, so das Versprechen, soll diese nun auch in der Lage sein, akustisch (vorausgesetzt man spielt mit Kopfhörern) und per Vibration auf Feinde hinzuweisen, noch bevor diese zu sehen sind – von einem "4D-Spielerlebnis" ist da die Rede. 

Allerdings muss auch hier erst ein Test beweisen, inwieweit das Honor Play derartige Versprechen zu halten vermag. Das Honor Play ist ab sofort in vier Farben (Schwarz, blau, violett und rot) erhältlich.

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