"Gefällt mir...nicht": Facebook, wir müssen reden!

Naja !25
Die Entwicklung bei Facebook wird nicht von allen Nutzern geschätzt
Die Entwicklung bei Facebook wird nicht von allen Nutzern geschätzt(© 2014 Facebook, CURVED Montage)

Nach fast zehn Jahren ist für CURVED-Redakteur Gerd Blank in seiner Beziehung zu Facebook die Luft raus. Aber er hätte einen Vorschlag.

Mein Facebook ist voll. Viel zu voll. Jede Sekunde poppen neue Meldungen in meiner Timeline auf – allerdings kaum noch Statusupdates meiner Freunde, sondern hauptsächlich News von abonnierten Nachrichtenseiten. Und egal ob ich Facebook per Smartphone oder mit dem Notebook nutze: Von einer chronologischen Übersicht kann man nun wirklich nicht mehr sprechen. Immer wieder erscheinen ganz oben in der Liste Geburtstagsgrüße für Freunde – einen Tag nach dem eigentlichen Geburtstag. Und auch beim Runterscrollen entdeckte ich kaum aktuelle Meldungen, sondern Beiträge, die mindestens Stunden, wenn nicht sogar einen Tag alt sind.

Was nimmt sich Facebook eigentlich heraus, die Beiträge in meinem Profil nach Belieben zu sortieren. Ganz nach Gutsherrenart entscheidet Facebook, welche Meldung wichtig ist, und welche weiter nach unten rutscht.  So als würde der Briefträger meine Post sortieren. "Ach nee, die Urlaubsgrüße von Tante Erna kommen nach unten. Hier das Prospekt, dass legen wir mal nach oben…" Denn ich bekomme natürlich nicht nur die Meldungen meiner Lieblingsseiten angezeigt, sondern auch haufenweise Anzeigen,  die mich Interessieren sollen. Viele davon nur, weil Freunde oder sogar ich selbst irgendwelche Webseiten aufgerufen haben.

Da ich mich manchmal nicht vorher bei Facebook abmelde, wenn ich auf einer anderen Seite beispielsweise nach Schuhen suche, bekomme ich daraufhin ständig Anzeigen zu Schuhen angezeigt.  Oder immer wieder zu Fahrrädern (Ja, ich habe mal nach einem bestimmten Fahrrad gesucht), Wasserpistolen (Die habe ich zwar längst gekauft, aber das weiß Facebook offenbar nicht), einer Actioncam (Danke, habe ich auch schon), und unzähligen anderen Produkten, bei denen ich mal auf der Internetseite war oder nach denen ich gegoogelt habe. Das nervt.

"Gefällt mir" ... nicht!

Das führt dazu, dass ich Facebook kaum noch nutze, um mich mit  Freunden auszutauschen. Dafür habe ich Skype oder Whatsapp. Ab und zu lade ich mal ein Foto von meinem Hund hoch, ansonsten lese ich täglich lediglich die Posts meiner bevorzugten Seiten. Facebook ist für mich zum multimedialen Newsreader geworden. Nur, dass ich dafür keinen RSS-Feed abonniere, sondern auf verschiedenen Facebook-Seiten den Button mit der Aufschrift "Gefällt mir" drücke.

Allerdings werde ich immer häufiger aufgefordert, doch auch mal "Gefällt mir" bei irgendeiner Seite zu klicken, nur weil Freunde von mir dort ebenfalls geklickt haben. Und das sogar von Seiten, die ich bereits abonniert habe. Das grenzt schon an Belästigung. So wie mein Briefkasten, der manchmal vor Anzeigenblättchen überquillt. Nur dort kann ich einen Aufkleber mit der Aufschrift "Keine Werbung" anbringen, bei Facebook gibt es diesen Button nicht.

Plötzlich uncool

Ganz klar,  zwischen Facebook und mir brennt eben keine heiße Liebe mehr. Manchmal denke ich daran, Facebook zu verlassen. Aber das ist natürlich quatsch. Wir haben so viel gemeinsam durchgemacht. Facebook weiß so viel über mich, ich würde wahrscheinlich kein anderes Netzwerk mehr so dicht an mich ranlassen. Außerdem ist es schon praktisch, dass ich mich mit meinem Zugang auch bei anderen Diensten anmelden kann – auch wenn ich dann damit Leben muss, dass Facebook eine alte Plaudertasche ist und meine persönlichen Daten und Interessen mit diesen anderen Diensten teilt. Es ist halt wie in einer alten Ehe: Man kennt seinen Partner und lebt mit seinen Schwächen.

"Aber dann setzte die Gentrifizierung des Internets ein."

Damals, als Facebook noch neu war, ja damals war es tatsächlich noch aufregend dabei zu sein. Ich musste so tun, als wäre ich an einer US-Uni eingeschrieben, damit ich mich überhaupt anmelden konnte. Denn anfangs war Facebook im Vergleich noch winzig und nur für amerikanische Nutzer zugänglich. Und auch als das deutsche Angebot gestartet wurde, waren die ersten Jahr noch spannend. Man freute sich über jeden alten Freund aus dem realen Leben, der ein neuer Facebook-Freund wurde. Aber dann setzte die Gentrifizierung des Internets ein. Alle wollten dorthin wo es cool ist, und machten den Ort uncool. Und gefühlt wollte jeder mein Freund sein. Leute, die ich aus dem Job kenne, Menschen, die ich nur mal kurz irgendwo getroffen habe, alle sind ebenfalls bei Facebook, selbst die, die nichts zu sagen haben. Es ist der Jedermann-Ort geworden – und in dieser Ü30-Großraumdisko wird es immer schwerer, ein ruhiges Eckchen zu finden.

Das Facebook-Separee

Hey Facebook, wir sind jetzt fast zehn Jahre zusammen. Wir hatten unsere Krisen – aber jetzt leben wir irgendwie nebeneinander her. Wäre es nicht schön, wenn unsere Beziehung wieder ein wenig Fahrt aufnehmen würde? Ich hätte da einen Vorschlag: Richte uns doch mal einen VIP-Club ein. Gegen eine Gebühr natürlich, denn um unsere Beziehung wieder auf Vordermann zu bringen, würde ich gerne zahlen. Dann wäre zudem mein Profil werbefrei und ich könnte wirklich frei entscheiden, welche Meldungen wo, wie und wann auf meiner Seite erscheinen.  Und Du? Du wärst wieder heiß!


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