Netflix-Konkurrenz: ProSiebenSat1 und RTL wollen Streaming ausbauen

Vor allem Jüngere schauen lieber Netflix als das TV-Programm
Vor allem Jüngere schauen lieber Netflix als das TV-Programm(© 2014 Netflix)

Netflix macht den TV-Sendern schwer zu schaffen. Weil vor allem jüngere Nutzer dem traditionellen Fernsehen zunehmend den Rücken kehren, wollen ProSiebenSat1 und RTL dem Streaming-Dienst nun online die Stirn bieten.

ProSiebenSat1 hat angekündigt, gemeinsam mit dem US-Medienkonzern Discovery eine neue Streaming-Plattform für Deutschland aufbauen zu wollen. Diese soll maxdome, den Eurosport Player sowie 7TV in sich vereinen und darüber hinaus "eine Vielzahl anderer Inhalte anbieten". Es soll sowohl ein werbefinanziertes – und damit für die Nutzer wohl kostenloses – Programm geben als auch ein "werbefreies Paket zu attraktiven Preisen". Zusätzlich sind Premiumpakete mit Zugang zu exklusiven Sportübertragungen und Filmen geplant. An den Start gehen soll die Plattform in der zweiten Jahreshälfte 2019. Die Sendergruppe hat ihr Ziel klar formuliert: Die Streaming-Plattform soll in den ersten zwei Jahren zehn Millionen Nutzer für sich gewinnen.

ProSiebenSat 1 will RTL, ARD und ZDF ins Boot holen

Ob und wann die Plattform zumindest in Deutschland eine ernsthafte Konkurrenz für Netflix darstellen kann, wird sich zeigen. Der Vorstandsvorsitzende gibt sich jedenfalls kämpferisch und ermuntert andere Sender mitzumachen: "Wir werden die entsprechenden Ressourcen und Mittel dafür einsetzen. Ich lade hiermit RTL, ARD und ZDF ein, mit uns gemeinsam einen deutschen Champion zu schaffen. Dies ist nur der Beginn unseres Weges. Jetzt gilt es, die Ärmel hochzukrempeln." Ob es zu dieser Kooperation kommen wird, ist fraglich. RTL hatte bereits zuvor angekündigt, sein eigenes Online-Streaming-Angebot zu erweitern.

Netflix als Vorbild für RTL

RTL scheint eine ähnliche Strategie zu verfolgen. Im Gegensatz zu ProSiebenSat1 nennt die RTL-Group aber explizit Netflix als Vorbild für seine zukünftige Strategie. CEO Bert Habets sagte gegenüber der FAZ: "Wenn wir für Deutschland eine Massenmarke aufbauen wollen, wie es Netflix global ist, müssen wir dabei vor allem in lokale Inhalte investieren." Diese sollen in Zukunft zunehmend online abrufbar sein: "Das lineare Fernsehen ist unser Rückgrat, aber wir werden in den nächsten Jahren stark in unsere Video-on-Demand-Angebote investieren." Damit gemeint ist zum Beispiel, dass die hauseigene Plattform TV Now im Winter 2018 deutlich aufgewertet werden soll.

Unter anderem will der Sender mehr Serien, Shows und Reality-TV-Sendungen online anbieten. Außerdem plane RTL Formate, "die nur noch 10 bis 15 Minuten dauern und anspruchsvolle Inhalte bieten". Grund dafür sei das veränderte Mediennutzungsverhalten der jungen Generation. Diese wolle immer seltener einen Film schauen, der länger als eine Stunde dauert. Für die Nutzung des Online-Streaming-Dienstes soll monatlich ein einstelliger Euro-Betrag anfallen.


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