Passt eure Fitnesstracker an: Warum 10.000 Schritte am Tag zu wenig sind

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Was hat es mit den empfohlenen 10.000 Schritten am Tag auf sich?
Was hat es mit den empfohlenen 10.000 Schritten am Tag auf sich?(© 2017 istock.com/Anchiy)

10.000 Schritte am Tag sollte man gehen, um gesund und schlank zu bleiben – so die allgemeine Alltagsempfehlung. Doch woher kommt diese glatte Schrittzahl überhaupt – etwa ein Werbetrick der Fitnesstracker-Industrie? Eine sportwissenschaftliche Studie kommt auf ganz andere Werte.

10.000 Schritte am Tag sind das allgemein bekannte Bewegungsziel für alle, die nicht täglich Sport treiben. Und selbst Hobbysportlern, die mit dem Auto bis ans Ziel fahren und auch sonst nur sitzen, hilft eine aktive Stunde am Abend nicht, den Stoffwechsel dauerhaft auf Trab zu halten. Wer aber über den Tag hinweg immer mal wieder aufsteht, läuft und sich bewegt, tut etwas für die schlanke Linie und wirkt aktiv chronischen Krankheiten entgegen. Bei dem Beispiel von 10.000 Schritten werden ungefährt 500 Kalorien verbrannt auf einer Strecke von sechs bis acht Kilometern – je nach Schrittlänge. Wer sich im Alltag allerdings immer weniger bewegt ohne die Kalorienaufnahme zu reduzieren, nimmt zu – so einfach ist die Rechnung. Und Übergewicht fördert wiederum das Risiko von Herzkreislauf-Erkrankungen.

Auch die meisten Activity Tracker geben 10.000 Schritte vor

Nicht nur Mediziner, Ernährungswissenschaftler, Trainer und Ratgeber, sondern vor allem die meisten Schrittzähler und Activity Tracker motivieren uns dazu, täglich 10.000 Schritte zu marschieren. Doch klingt diese Zahl nicht zu glatt, um wahr zu sein? Woher kommt sie überhaupt? Doch wohl nicht aus der Wearable-Werbung?

Diese Annahme legt zumindest die New York Times nahe, die berichtete, dass die 10.000-Schritte-Marke erstmals Mitte der 1960er Jahre in Japan die Runde machte: In Tokio fanden 1964 die Olympischen Spiele statt und in diesem Zusammenhang kam auch der erste Schrittzähler auf den Markt, unter dem Namen "Man-po-kei". "Man" steht für die Zahl 10.000, die anderen beiden Wörtchen stehen für Schritt und Maß. Ist es am Ende gar unerheblich, ob ich nun täglich fünf oder zehn Kilometer auf meinen Füßen zurücklege? Nicht, wenn man einer sportwissenschaftliche Studie der britischen University of Warwick aus diesem Jahr Glauben schenkt.

Nicht nur Mediziner und Trainer raten zu 10.0000 Schritten täglich: Vor allem Activity Tracker, wie hier der Runtastic Orbit, motivieren dazu.(© 2017 CURVED)

Postboten gehen mit 15.000 Schritten als gesundes Beispiel voran

15.000 Schritte sollten es inzwischen täglich sein, meinen die Wissenschaftler der University of Warwick, wie die New York Times berichtete. Für ihre Studie hatten sie 111 Postmitarbeiter aus Glasgow mit einem Durchschnittsalter von 40 Jahren eine Woche lang mit Fitnesstrackern ausgestattet: Dadurch konnten sie genau ermitteln, wie viele Stunden jeder Einzelne im Sitzen, Stehen oder Gehen arbeitete. Das Interessante daran: Bei knapp der Hälfte der Studienteilnehmer handelte es sich um Büropersonal, während 56 der Angestellten täglich deutlich aktiver als Postboten im Dienst waren. Vor der Testwoche wurden der Body Mass Index (BMI), Taillenumfang und Blutzuckerspiegel sowie die Cholesterin-Werte aller Probanden dokumentiert. Die logische Konsequenz, dass diejenigen, die sich im Berufsalltag mehr bewegen, auch einen geringeren Taillenumfang, BMI und bessere Blutzucker- und Cholesterinwerte haben, wurde voll bestätigt. Darüber hinaus fanden die Forscher aber heraus, dass mit jeder Stunde in sitzender Tätigkeit das Risiko, später mal eine Herzerkrankung zu bekommen, um zwei Prozent steigt. Auch hieran wird wieder deutlich: Sitzen ist das neue Rauchen.

Gleichzeitig diente der Alltag der aktiven Postboten als Beleg dafür, dass 15.000 Schritte auch im mittleren Alter noch sehr gesunde metabolische Werte und einen Taillenumfang sowie BMI im Normbereich garantieren. Das waren nämlich die Durchschnittswerte dieser Untersuchungsgruppe. Damit waren die Kollegen etwa drei Stunden des Tag in Bewegung und wer nicht laufen musste, stand dafür rund sieben Stunden lang während der Arbeit. Der Leiter der Studien, Dr. William Tigbe, geht davon aus, dass die 10.000 Schritte bei unserem heutigen Lebenswandel und unserer Ernährung eventuell nicht genug sind und man sich besser an den vorbildlichen Postboten orientieren sollte.

So schafft man Gelegenheiten für 15.000 Schritte im Alltag

Für sitzende Arbeitnehmer bedeutet das aber nicht, dass sie nach Feierabend noch neun bis zwölf Kilometer latschen müssen, sondern vor allem mehr Bewegung in ihren Alltag bringen sollten: mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren oder eine Haltestelle früher aussteigen und laufen, jede Treppenstufen mitnehmen, öfter mal bei den Kollegen im Nachbarbüro vorbeischauen statt eine Email zu schreiben, beim Telefonieren rumlaufen, in der Mittagspause ein paar Schritte machen und öfter kurze Sporteinheiten einbauen. 15.000 Schritte, das ist sicherlich kein einfaches Ziel, aber mit etwas Disziplin und Umdenken zu bewältigen – wenn auch nicht an jedem Tag.

Vielleicht hilft es ja, sich Wochen- statt Tagesziele zu stecken: Zwischen 70.000 (7 x 10.000) und 105.000 (7 x 15.000) Schritte sollen es bis Sonntagabend werden. Viele sind am Wochenende wesentlich aktiver. Und selbst wenn es weniger Schritte bleiben, dafür aber vielleicht mal die eine oder andere kurze Sporteinheit vorm Fernseher dazu kommt: Am Ende des Tages ist jeder Schritt besser als keiner.


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