Snapdragon 810: Warum jetzt Qualcomms Freunde sprechen

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Qualcomm
Qualcomm(© 2015 Facebook/Qualcomm)

Nachdem Chiphersteller Qualcomm in der Vorwoche einen großen Abnehmer für das nagelneue Snapdragon 810-SoC verloren hat und die Aktie darauf in den Sturzflug überging, traten die Amerikaner gestern in die Offensive an — und holten sich PR-Unterstützung von denjenigen Hardware-Partnern, die weiterhin auf Snapdragon-Power setzen. Das soll vor allem beruhigen; wirkt aber auch etwas gewollt.

Dass nach einer Krise oder einem Skandal Freunde, Bekannte und Kollegen für in Bedrängnis geratene Akteure öffentlich eine Lanze brechen, kennen wir eigentlich eher aus Promi- oder Politikerkreisen. Inzwischen scheinen solche Krisen-PR-Maßnahmen aber auch in der Wirtschaft und der Techbranche  salonfähig zu werden: Als Reaktion auf die Meldungen zu den Hitzeproblemen des Snapdragon 810, dem resultierenden Absprung Samsungs und den dann aufkommenden Spekulationen um die Zukunft Qualcomms meldete sich das Unternehmen gestern mit einem Statement, in dem vorrangig die Partnerunternehmen LG, Xiaomi, OPPO, Motorola, Sony und sogar Microsoft zu Wort kamen und bestätigten, wie toll der Snapdragon 810 sei respektive wie sehr man sich darauf freue, diesen in den eigenen kommenden Geräten zu verbauen.

Eine nur vordergründig herzerwärmende PR-Maßnahme

Von LG wussten wir ja bereits, dass es bei den Koreanern nach eigener Aussage keinerlei Probleme mit dem S810 gibt, bei den Chinesen von Xiaomi scheint im Mi Note Pro auch alles kühl und glatt zu laufen, und der Rest freut sich einfach auf die Möglichkeiten und die Performance des neuen Chipsatz'. Das klingt zunächst einmal recht herzerwärmend, und es freut uns für Qualcomm, dass sich so viele namhafte Hersteller von Smartphones und Tablets hinter den Snapdragon stellen.

Manch einer mag jetzt denken "Na siehste, alles gut. Wer weiß, was Samsung da geritten hat, Qualcomm den Laufpass zu geben ...". Wenn es denn mal so einfach wäre. Denn schlussendlich handelt es sich bei dem genannten Statement um PR in ihrem ursprünglichsten Sinne: Es geht um Schadensbegrenzung, Image-Erhalt und das Abwenden nachteiliger wirtschaftlicher Folgen für Qualcomm — und für seine Partner.

Denn auch dessen müssen wir uns voll gewahr sein: Weder Sony, LG und Motorola noch Xiaomi, OPPO oder Microsoft lassen sich in diesem Statement zitieren, weil sie so gute Buddies von Qualcomm sind und wirklich so unvoreingenommen an den Snapdragon 810 glauben. Vielmehr liegt es auch im Interesse dieser Unternehmen, dass das Ansehen des Chipsatzes nicht weiter beschädigt wird. Denn anders als Samsung, die wohl relativ problemlos auf Exynos-SoCs aus eigener Produktion umschwenken können, fehlen LG, Sony, Motorola, OPPO, Xiaomi und auch Microsoft derartige Alternativen. Sie sind quasi auf den S810 angewiesen, um 2015 mit konkurrenzfähiger Hardware am Markt bestehen zu können.

Der Snapdragon 810 hat ab jetzt ein Problem — so oder so

Dabei ist es einerseits sogar irrelevant, ob der 810er nun ein Hitzeproblem hat und als Folge unter Umständen frühzeitig gedrosselt werden muss. Der Image-Schaden ist durch die diesbezüglichen Meldungen bereits entstanden; und wenn Samsung mit dem Exynos 7420 in einem kommenden Galaxy S6 nun tatsächlich das potentere Paket schnürt, wird es für die Konkurrenten noch schwieriger, gegen die übermächtigen Koreaner zu bestehen. Die Gefahr, dass ein bei den Verbrauchern in Ungnade gefallener Chipsatz auch negative Auswirkungen auf die Geräte "drumherum" haben könnte, ist gegeben. Zumal ein solches einmal gezeichnetes Negativbild auf lange Zeit nachhängen kann, selbst wenn etwaige Probleme längst gefixt sind.

Gleichzeitig scheinen Qualcomm und seine Partner derzeit auch keine adäquaten Mittel zu besitzen, um der Öffentlichkeit anhand von Hardware  zu beweisen, das alles in Ordnung ist: Vom LG G Flex 2 gibt es bislang keine brauchbaren Benchmarks, ebenso wenig vom Xiaomi Mi Note Pro. Und wohl nicht nur Samsung hat Probleme mit dem Snapdragon 810 gemeldet, auch über das OnePlus 2 wird gemunkelt, dass sich dessen Launch wegen des Qualcomm-Chips verzögern würde.

Insofern könnten wir Qualcomms Statement und den Schulterschluss der Partner tatsächlich auch als Untermauerung bestehender Schwierigkeiten werten — es gäbe durchaus beruhigendere Maßnahmen, als eine Tech-Version von USA for Africa aufzufahren und die Qualitäten des zur Debatte stehenden Chipsatzes ohne faktische Untermauerung einfach nur gemeinsam lobzupreisen. Das wirkt so aufgesetzt, dass ein Fazit dieser Krisen-PR auch lauten könnte: Erst ab jetzt hat der Snapdragon 810 wirklich ein Problem.


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