So teuer wäre ein iPhone "Made in the USA", Mr. Trump

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Donald Trump: Hat die Haare schön
Donald Trump: Hat die Haare schön(© 2016 CC: Flickr/Michael Vadon)

Die wirre Idee von Donald Trump, Apples iPhones doch in den USA produzieren zu lassen und so die heimische Wirtschaft zu stärken, sorgt für Aufruhr in der Tech-Gemeinde. Doch was würde es für iPhone-Nutzer bedeuten, wenn der Konzern aus Cupertino tatsächlich seine Smartphone-Produktion in die Staaten verlagert?

Für alle, die es nicht mitbekommen haben: Der wirre Milliardär und US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump schoss im Laufe der Woche gegen Apple. Das Unternehmen soll sämtliche MacBooks, iMacs & Co. in den USA bauen, ließ der 69-Jährige verlauten. In einer Kundgebung an der Liberty University in Virginia sagte er: "Wir werden Apple dazu bringen, ihre verdammten Computer und Dinge in diesem Land zu bauen und nicht in anderen Ländern." Die Idee: mehr Jobs für die Amerikaner, höhere Steuereinnahmen für die Regierung.

Abgesehen davon, dass es keinerlei rechtliche Grundlage gibt, ein Unternehmen die Produktion im eigenen Land vorzuschreiben, stellt sich die Frage, wie wirtschaftlich dieser Schritt wäre. Erst im Dezember 2015 hatte Apple-CEO Tim Cook in der CBS-Sendung 60 Minutes erklärt, man produziere nur deshalb überwiegend in China, weil das Land einen enormen Fokus auf die Fertigung lege und Apple das Know-How schätze. "Ich meine, man kann jeden Werkzeugmacher in den Vereinigten Staaten nehmen und in den Raum packen, in dem wir gerade sitzen. In China bräuchte man dafür Fußballfelder", so Cook.

Schon Obama konfrontierte Jobs mit dieser Idee

Abgesehen davon ist Trump nicht der erste Politiker, der Apples Geschäftsbeziehungen zu China in Frage stellt. Bereits US-Präsident Barack Obama fragte Steve Jobs, warum man die iPhones nicht in den USA produzieren könne. Schließlich ist Apple der wertvollste Konzern der Welt. Jobs' Antwort: "Keine amerikanische Fabrik kann annähernd so schnell und flexibel produzieren." Mitarbeiter lassen sich innerhalb von 24 Stunden anstellen, kurzfristige Produktionsänderungen lassen sich über Nacht realisieren, ferner kann die Fertigung je nach Bedarf zeitnah hoch- bzw. heruntergefahren werden. Anders formuliert: Die USA haben ausreichend hochqualifizierte Ingenieure, aber nicht ansatzweise genug Arbeiter auf einem Level, das es für die Massenfertigung von mobiler Hardware bräuchte.

Mittlerweile lässt der Konzern rund 100 Millionen iPhones vorproduzieren, um nicht schon wenige Tage nach dem Verkaufsstart keine Ware mehr vorrätig zu haben. Wayne Lam, Analyst bei IHS Technology, merkt zudem an: "Die Produktion würde enorm verkompliziert, müsste Apple die in Asien gefertigten Bauteile wiederum in den USA importieren." Gemeint sind Displays, Speicher, Chips.

50 Dollar mehr

Kyle Wiens, CEO von iFixit, meint: "iPhones in den USA produzieren zu lassen, ist nicht unmöglich. Sondern vielmehr eine Frage, ob Kunden bereit wären, die Mehrkosten zu tragen." Seinen Berechnungen zufolge müssten Kunden dann rund 50 Dollar mehr pro iPhone zahlen. Diese Mehrkosten entscheiden durch die logischerweise höheren Löhne für US-Arbeitnehmer. Der chinesische Mindestlohn liegt derweil bei rund 270 Dollar im Monat, Fabrikarbeiter bekommen nur geringfügig mehr.

Freilich ist die Marge bei den iPhones recht hoch. Schätzungen zufolge kostet das iPhone 6s Plus in der Produktion rund 236 Dollar, während es für 749 Dollar über die Ladentheke geht. Doch wer glaubt, dass ein Konzern wie Apple auf diese Marge einfach verzichten kann, unterschätzt die Macht der Wall Street. Gewinnerwartungen müsst nach unten korrigiert werden, die Aktie würde auf Talfahrt gehen, das Unternehmen Milliarden Dollar verbrennen.

Würdet Ihr 50 Euro mehr zahlen?

Apple den Schwarzen Peter für die Ausbeutung zu "Sklavenlöhnen", wie es auch hier in den Kommentaren immer wieder hieß, zuzuschieben, ist zu kurz gedacht. Denn neben Apple lassen nahezu alle IT-Riesen bei Foxconn bzw. in Shenzen produzieren, darunter Amazon, Dell, Nintendo, Hewlett-Packard, Samsung, IBM, Lenovo, Motorola, Nokia, Sony, Toshiba und viele mehr. Zudem profitieren wir als Konsumenten von diesem Umstand. Schließlich gehören wir doch zu den Ersten, die Sturm laufen, wenn die Lieferzeit für neue Smartphones von Tagen auf Wochen steigt.

Letzen Endes sind diese Überlegungen, ob nun von Analysten oder einem Donald Trump, müßig. Wir leben in einer Weltwirtschaft, geprägt von internationalen Handelsbeziehungen. Apple wäre nicht der wertvollste Konzern mit Sitz in Shenzen geworden - und auch nicht mit Fabrikhallen in den USA. Fühlen wir uns doch einem Produkt "Designed in California" psychologisch näher als einem Fließband in China.

Wer kein Handy aus Käfighaltung möchte, dem bleiben zudem derzeit kaum Alternativen - außer er greift zum pummeligen FairPhone 2, das derzeit noch mehr ein Statement als vernünftige Technik ist. Man stelle sich den Shitstorm epischen Ausmaßes vor, wenn Apple eine Preiserhöhung von 50 Dollar für seine iPhones ausrufen würde.


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