Spotify und Co. gegen Apple: das immergleiche Mimimi

Peinlich !8
Spotify-Gründer und CEO Daniel Ek
Spotify-Gründer und CEO Daniel Ek(© 2014 Spotify)

Es ist mal wieder soweit: Unternehmen machen mobil gegen Apple. Es geht, wie schon so oft, um den Anteil des Unternehmens an den Erlösen der App-Anbieter. Hört das denn nie auf?

Darum geht es dieses Mal: Eine Gruppe europäischer Unternehmer drängt die EU-Kommission, striktere Regeln für Betreiber großer Online-Plattformen durchzusetzen. Unter den Unterzeichnern dieser Petition finden sich unter anderem die Gründer der Musikstreamingdienste Spotify und Deezer. Die Plattformen seien wichtige "Gateways für die digitale Wirtschaft", die Konsumenten den Zugang zu "innovativen Diensten" ermöglichen würde, zitiert die Financial Times die Unterzeichner. Allerdings würden aber eben diese Anbieter ihre "privilegierte Position" ausnutzen und durch bestimmte Praktiken "Innovation und Wettbewerb" behindern. Die Forderung: Es brauche ein besseres "gesetzliches Rahmenwerk" für kleinere Firmen, die ihre Dienste über die Plattformen vertreiben.

Das wirft man den Betreiber, darunter neben Apple auch Google, vor:

  • Vorhalten von Nutzerdaten
  • Einschränken der Interaktion mit dem Kunden
  • unfaires Ranking in den Suchergebnissen
  • Bevorzugung der hauseigenen Dienste

Kurios: Die Konzerne Apple und Google erwähnen die Unterzeichner in dem Schreiben nicht namentlich. Stattdessen verweist man auf "mobile Betriebssyteme, App Stores, Suchmaschinen, Marktplätze und Social-Media-Plattformen". Doch vor allem Spotify liegt seit geraumer Zeit mit Apple im Clinch. Der Anlass: Spotify passt nicht, dass Apple 30 Prozent (ab dem zweiten Jahr dann 15 Prozent) an den Umsätzen bekommt, die der Streaminganbieter im App Store macht. Der Zwist ging soweit, dass Apple angeblich einmal ein Update verweigerte – und Spotify sich seit Monaten ziemt, doch endlich mal eine App für die Apple Watch zu entwicklen, mit der Nutzer auch offline beim Laufen Musik hören könnten.

Ein vergleichbares Gejammer gab es schon vor etlichen Jahren, als die Medienhäuser aufbegehrten. Wir erinnern uns: Springers Vorstandsvorsitzenden Mathias Döpfner erklärte im US-TV, man müsse Steve Jobs dankbar sein. Schließlich hätte er der Medienbranche ein mächtiges Tool an die Hand gegeben, um Leser zu erreichen. Doch als die Erlöse nicht erwartungsgemäß hoch genug waren, wurde Kritik laut: Was fällt Apple denn eigentlich ein, rund ein Drittel der Erlöse einzubehalten?!

Mein Haus, meine Regeln

Die Konsequenz: Es gab keine. Warum auch? Schließlich sind die Unternehmen nicht verpflichtet, im App Store präsent zu sein. Und Apple ist auch kein gemeinnütziger Verein, sondern ein börsennotiertes Unternehmen mit Gewinnzielen. Viel wichtiger noch: Unternehmen wie Apple oder Google stellen mit ihren Appstores eine immense Infrastruktur zur Verfügung, deren Betrieb und Weiterentwicklung kostet. Genauso wie die Entwicklung, Produktion, Vermarktung und der Vertrieb neuer Devices, die wiederum dafür sorgen, dass das Ökosystem weiterhin genutzt wird und idealerweise weiter wächst. Die große Verbreitung von iOS und Android im Smartphonemarkt ist kein Naturgesetz, sondern das Ergebnis stetiger Weiterentwicklung und großer Aufwendungen seitens der Betreiber.

Letztlich geht es aber vor allem um die Frage: Will man den freien Markt regulieren? Sollte man ihn regulieren? Als liberal eingestellter Mensch kann die Antwort für mich nur sein: Bitte nicht! Dass Apple es App-Betreibern unter anderem verbietet, auf externe Webseiten zu verlinken, auf denen Nutzer ihr Abo abschließen können? Verständlicherweise totaler Pain-in-the-Ass für etablierte, große Dienstleister wie Spotify. Doch als Nutzer bin ich froh, dass Apple einem solchen Modus einen generellen Riegel vorschiebt. Denn nicht jedem Unternehmen bringe ich das Vertrauen entgegen, Geld von meinem Konto abzubuchen. So habe ich die Möglichkeit, direkt auf meinem Device Abos zu verwalten und bei Bedarf zu kündigen. Gibt es Probleme mit der Bezahlung, kann ich mich an Apple wenden. Die Kontrolle, ob ein Unternehmen auch vertrauenswürdig genug ist, um die Gelder von Nutzern einzuberufen, übernimmt in dem Fall Apple für mich. Für mich kein Hindernis, sondern ein Service.

Wer im Glashaus sitzt...

Zudem steht es Usern nach wie vor offen, über den Browser ein entsprechendes Angebot zu abonnieren. Dass etwa Apple in seinem Ökosystem nach eigenen Regeln spielt, ist für andere Unternehmen kein Grund zur Freude, allerdings absolut verständlich. "Mein Haus, meine Regeln", das gilt auch im digitalen Zeitalter. Dass damit Andere nicht zufrieden sind, ist systemimmanent. So ist auch der Streit zwischen Künstlern und Spotify über die Höhe von Beteiligungen an den Einnahmen genauso alt wie die Plattform selbst.

Die beteiligten Unternehmen wären gut beraten, bei dem Zwist den Nutzer nicht aus den Augen zu verlieren. So führt der Umstand, dass ich nach wie vor Spotify nicht vernünftig auf der Apple Watch nutzen kann, bei mir zu Unverständnis. Mehr noch: Wenn es der eine Anbieter nicht hinbekommt, bin ich auch wechselwillig. Und entscheide mich in letzter Instanz meist für das Unternehmen, bei dem ich das meiste Geld gelassen habe und in den ich mit dem Kauf eines Smartphones direkt oder indirekt investiert habe: in dem Fall Apple oder Google.

Dass sich die EU-Kommission in absehbarer Zeit mit dem Thema befasst, erscheint mir unwahrscheinlich. Schließlich verstößt Apple mit seinem Vorgehen nicht gegen geltendes Recht, sondern setzt letzten Endes die Hausregeln durch. Wie man auf EU-Basis wiederum ein US-Unternehmen regulieren will, ist mir schleierhaft.


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