Teure Pixel-Smartphones: Google vergrault seine Nexus-Fans – zum Guten

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Die neuen Pixel-Smartphones in Anthrazit
Die neuen Pixel-Smartphones in Anthrazit(© 2016 CURVED)

Erst Ahhh, dann Ohhh: Groß war die Begeisterung, als Google am Dienstag die neuen Smartphones Pixel und Pixel XL vorstellte. Top-Leistung, Top-Kamera...aber der Preis! Die Aufregung in der Community ist groß. Wenn das mal nicht kalkuliert war.

Ich schrieb es nach der Keynote: Die Zeiten günstiger Nexus-Smartphones sind vorbei. Gerade einmal 350 Euro kostete damals das Nexus 5. Das Nexus 6 mit einem Preisstempel von 650 Euro war damals ein Ausreißer. Beim Nexus 5X schien sich Google wieder seiner Wurzeln zu besinnen und bepreiste es hierzulande mit 479 Euro. 699 Euro waren zunächst die UVP beim Nexus 6P. Mit den neuen Preisen ist aber schon das kleine, neue Google-Smartphone teurer als das Flaggschiff vom Vorjahr.

So ruft Google für das Pixel mit fünf Zoll in der Ausführung mit 32 GB internem Speicher 759 Euro auf. 128 GB kosten 869 Euro. Das 5,5 Zoll große Pixel XL mit 32 GB liegt preislich bei 899 Euro. Für 128 GB sind  1009 Euro fällig. Über 1000 Euro für einen Nexus-Nachfolger?

Ein Preisanstieg lässt sich durchaus argumentieren: Der Einsatz von Glas und Aluminium als Gehäusematerial, State-of-the-Art-Hardware, eine rekordverdächtige Kamera plus Extra-Service, wie kostenloses Speichern aller Aufnahmen in Originalauflösung in der Cloud und permanenter Zugriff auf den Support. Und doch sind Fans der bisherigen Nexus-Reihe schwer geschockt. Sowohl auf YouTube als auch unter den Artikeln zum Thema heißt es nahezu einhellig: "Tolle Smartphones, aber viiiel zu teuer!"

Ein Kollege formulierte es kurz nach der Keynote so: "iPhone-Preise". Ist Google nun also dem Größenwahn verfallen? Schließlich handelt es sich um die ersten, richtigen, eigenen Google-Smartphones. Ob nun HTC sie gefertigt hat oder nicht, ist zweitrangig. Google tritt erstmals als Smartphone-Bauer auf - mit dem Google-G präsent auf der Rückseite der neuen Flaggschiffe.

Für den Android-Konzern sind die Pixels nicht weniger als eine historische Chance. Denn so beliebt die Nexus-Smartphones bislang in der Android-Community war, so waren sie in erster Linie für Developer gedacht. Design, längst eines der wenigen Alleinstellungsmerkmale im gesättigten Smartphone-Markt, schien lange Zeit nicht wichtig zu sein. Zuletzt war zu vernehmen, dass Google unzufrieden mit dem undefinierten Look der Nexus-Devices war. Kein Wunder, wenn man zwei Smartphones von zwei Herstellern fertigen lässt, oder?

Ein Jahr später zeigt sich Google stolz wie Bolle, spricht auf der Keynote von der "besten Kamera aller Zeiten" und einem "ikonischen Design". Ohne das zu werten, fällt doch auf, dass man in Palo Alto zufrieden über die neuen Geräte scheint. Warum dann nicht mit einem Kampfpreis in den Markt drängen? Dafür gibt es gleich mehrere Gründe:

  • Google hat das schlicht nicht nötig. Der Löwenanteil der Einnahmen wird über Werbeeinnahmen mit der Suchmaschine generiert. Erlöse aus Smartphone-Verkäufen: Peanuts.
  • Preise bestimmen auch den Wert eines Produktes. Bepreist ein Unternehmen sein Produkt entsprechend, bestimmt es zu Teilen auch dessen Wertigkeit.
  • Google will mit seinen Smartphones allem Anschein nach raus aus der Developer-Nische und sich neben Apple und Samsung positionieren

Dafür scheint man in Kauf zu nehmen, dass eingefleischte Nexus-Fans das Weite suchen. Verkraftbar, wenn man sich vor Augen führt, dass trotz Sättigung ausgerechnet das Highend-Segment bei den Smartphones nach wie vor boomt. Nur hier werden die Geräte teurer – und nicht günstiger.


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