Google Pixel XL im Test: Sehr OK, Google! [mit Video]

Der Slogan "Made by Google" könnte passender nicht sein: Die neuen Smartphones Pixel und Pixel XL sind die ersten Geräte, die rein nach Googles Wünschen gestaltet wurden. Ob reicht, um den iPhone 7 das Wasser abzugraben, klärt der Test.

Eines vorweg: Für den ausführliche Test stand uns das Pixel XL zur Verfügung. Mit dem kleineren Pixel ist es aber bis auf Display-Größe bzw. -Auflösung und Akku baugleich.

Mehr Einfluss auf den Hardware-Partner wollte Google-CEO Sundar Pichai in Sachen Smartphone haben. Nun, das scheint ihm gelungen zu sein. Denn die Pixel-Smartphones, also die ersten echten Google-Smartphones, kommen ohne Logo eines Drittherstellers. Stattdessen prangt nun das Google-Emblem auf der Rückseite. Man will unmissverständlich klarmachen: Das Pixel und das Pixel XL sind tatsächlich Smartphones "made by Google".

Beim Design versucht das Unternehmen auch gleich, sich von anderen Herstellern abzuheben – nicht durch die Platzierungen der Knöpfe, der Kamera oder des Fingerabdrucksensors, wohl aber bei den verwendeten Materialien. Statt Glas oder Aluminium verbaut Google einfach beides. Eure Meinung zum Design habt Ihr unter anderem unter unserem Hands-on-Video auf YouTube deutlich mitgeteilt. Das Telefon war nicht Euer Fall. Immer wieder war das Wort "hässlich" zu lesen.

Gewöhnungsbedürftig und nicht wasserdicht

Nun ist es so, dass Schönheit im Auge des Betrachters liegt. Unser Testgerät kommt in der Farbe "Quite Black", ein Anthrazit, und sieht durch die dunkle Färbung des Aluminiums durchaus edel aus. Nur beim Glas hätte man sich mehr Mühe geben dürfen. Das wirkt wie aufgeklebt, finde ich. Ich hätte mir gewünscht, dass es das obere Drittel vom Gehäuse im Stil eines Samsung Galaxy S7 bis zu Rahmen komplett einfasst. Darüber hinaus hat Google einen wichtigen Faktor außer Acht gelassen: Die Pixel-Smartphones sind nicht wasserdicht, sondern nur nach IP53 gegen Spritzwasser geschützt.

Was ist da passiert, dass die Designer vorab nicht rechts und links auf die Konkurrenz geschaut haben? Das Samsung Galaxy S5 war wasserdicht, das Galaxy S6 nicht mehr. Die Schelte der Fans war so groß, dass Ihr das S7 nun wieder untertauchen könnt. Sogar Apple hat nach Jahren eingesehen, dass wasserdichte bzw. wasserfeste Smartphones definitiv gewünscht sind. Google hat das offenbar kalt gelassen.

Das Google Pixel XL ist sauber verarbeitet, aber nicht wasserdicht.(© 2016 CURVED)

Ansonsten ist das Gehäuse aktueller Smartphone-Standard: Rechts liegen die Bedientasten, also die Laustärkewippe und der Einschalter. Letzterer hebt sich durch den gebürsteten Look ab. Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich der Einschub für die SIM-Karte. Für die Datenübertragung verbauen die Ingenieure einen USB-C-Port auf der Unterseite. Oben gibt es, Überraschung, einen Klinkenanschluss für Kopfhörer. Ein kurzes Zwischenfazit: Die Verarbeitung geht in Ordnung, insgesamt reicht es aber nicht, um Samsung und Apple zu übertrumpfen.

Die Hardware

Viele Pixel und unendlicher Speicher

Das Display kann sich dagegen sehen lassen. Der AMOLED-Bildschirm des Pixel XL misst in der Diagonale 5,5 Zoll und löst mit 2560 x 1440 Pixeln auf. Es bietet kräftige Farben, ein sattes Schwarz und stabile Blickwinkel. Nach Ende des Zeitraums wird es mir ganz schön schwer fallen, wieder auf mein OnePlus 3 (Full-HD) umzusteigen. Auf dessen 5,5-Zoll-Display sieht man zwar auch keine Pixel, es reicht aber nicht an den Bildschirm des Pixel XL heran. Wunderschön!

Die weitere Ausstattung ist Highend: Mit dem Snapdragon 821 kommt der aktuelle Top-Chipsatz von Qualcomm zum Einsatz. Wir brauchen uns nicht darüber zu streiten, dass der Prozessor zusammen mit vier Gigabyte Arbeitsspeicher mehr als genug Leistung für alle Mobile-Games im Play Store bietet. Auch in den Menüs spürt man die Power. Jeder Übergang, jede Animation flutscht. Man merkt, dass die Entwickler bemüht waren, Hardware und Software fein aufeinander abzustimmen. So schick und so schnell habt Ihr Android noch nicht erlebt. Trotzdem muss sich das Pixel XL im Benchmark aber dem Samsung Galaxy S7 und dem iPhone 7 geschlagen geben – und das teilweise nicht gerade knapp.

Ein Akku mit 3450 mAh (beim Pixel 2770 mAh) soll dafür sorgen, dass Ihr den ganzen Tag lang Spaß mit dem Pixel haben könnt. Und das war in meinem Fall auch gar kein Problem. Sollte der Strom doch einmal vorzeitig ausgehen, tanken die Pixel innerhalb von 15 bis 20 Minuten genügend Strom für vier, fünf Stunden Betrieb. Top! Für ausreichend Platz ist mit 128 GB gesorgt. Wahlweise stehen noch 32 GB zur Auswahl. Um das (unverständliche) Fehlen eines Speicherkartenslots wettzumachen, hat Google noch einen Sonderservice für im Angebot: Alle Pixel-Käufer erhalten unendlichen Speicher in Google Fotos – für Fotos und Videos in Originalgröße. Auch als normaler Google-Nutzer habt Ihr unbegrenzten Speicher in der Foto-Cloud, allerdings komprimiert der Dienst Eure Fotos dann zu Lasten der Qualität.

Die Kamera ist gut, aber nicht besser als andere

Die Kamera auf der Rückseite löst mit 12,3 Megapixeln auf und soll noch besser funktionieren als die Module in den Vorgängern. Im renommierten DxO-Test kam die sie schon vor Release des Smartphones auf 89 Punkte. Das ist der absolute Highscore. Mehr hat kein anderes Gerät bekommen. Tatsächlich überzeugt das Pixel XL durch einen hohen Detailgrad. Im direkten Vergleich mit einem der Vorgänger-Smartphones, dem Nexus 5X, ist uns aber aufgefallen, dass die Bilder von Googles neuem Premium-Gerät Motive mit einem leichten Gelbstich versieht.

Die Folge: Farben sehen nicht ganz so natürlich aus wie beim 5X. Schlecht sind die Fotos deswegen aber keineswegs. Wir sprechen hier von Nuancen. Bei der Acht-Megapixel-Frontkamera gibt es dagegen kein Vertun. Hier macht sich das Update von einer Fünf- auf eine Acht-Megapixel-Kamera deutlich bemerkbar. An die Schärfe und die Details des Pixel kommt das ein Jahr alte 5X nicht heran. Bei Lowlight-Aufnahmen hat das Galaxy S7 gegenüber dem Pixel die Nase vorn. Alles Weitere dazu lest Ihr in unserem ausführlichen Kameravergleich.

Videos könnt Ihr mit dem Pixel in 4K aufnehmen. Ein elektronischer Bildstabilisator soll Wackler ausgleichen. Das habe ich ein paar Mal beim Spazierengehen mit meiner Tochter ein paar Mals ausprobiert. Tatsächlich korrigiert die Software ordentlich nach. Manchmal sieht man das aber auch. Dann wackeln Elemente im Bild wie in der Matrix. Das macht aber auch das iPhone 7 nicht besser.

Die Software

Der deutsche "Assistant" weiß noch zu wenig

Neben der Kamera ist es besonders die Software, die Google bewirbt. Denn die Pixels sind die ersten Smartphones, die nicht nur mit Android 7.1 Nougat, sondern auch mit dem Google Assistant vorinstalliert kommen. Aktivieren könnt Ihr den persönlichen Assistenten entweder über das "OK Google"-Hotword oder indem Ihr den virtuellen Home-Button länger gedrückt haltet. Ein Wisch nach oben lässt die Software den Bildschirm nach Infos scannen. Ansonsten gibt es den Google Assistant nur im Messenger Allo – und dort auch nur in einer Preview-Version, die Stand heute ausschließlich Englisch kann.

Auf unserem Testgerät spricht und versteht die Software dagegen Deutsch. Das hatte Google bei Vorstellung am 4. Oktober in Berlin für den Verkaufsstart versprochen – und gehalten. Allerdings funktioniert der Assistent auf Deutsch noch nicht in dem Umfang wie das US-Pendant. Beim Presse-Event konnte die Software für Brain Rakowski, Vice President Product Management bei Google, unter anderem einen Tisch im Restaurant reservieren. Das klappt in Deutschland trotz installierter "OpenTable"-App noch nicht.

Auf Deutsch kann der Assistant immerhin anzeigen, welche Restaurants es in der Nähe gibt. Er reagiert auch auf Phrasen wie "Ich habe Hunger auf Pizza." Kleine Bubbles unter dem Suchergebnis zeigen dann, wie es in der Konversation mit der KI weitergehen könnte. Der Assistant sucht Euch zum Beispiel auf Wunsch die Route zum Lokal heraus. Ansonsten beschränken sich die Funktionen hierzulande erstmal nur auf die Basics. Sprich: Timer und Wecker stellen, Nachrichten per Spracheingabe verschicken, Fußballergebnisse, das Wetter und aktuelle Nachrichten abfragen. Was überraschend nicht funktionierte, war die Abfrage von Terminen im Kalender.

Die Unterschiede Assitant zu Google Now

Darüber hinaus könnt Ihr auch Spaß mit dem Assistant haben. Er kann Euch auf Kommando Witze und Funfacts erzählen, Ihr könnt Spiele mit ihm spielen oder ihn zu allen möglichen Dingen befragen. Damit er darauf antworten kann, hat Google den Assistant mit Daten aus dem eigenen Knowledge Graph angefüttert. Er weiß, welcher Promi wie groß ist, welcher Politiker wie alt, wie weit die Erde von der Sonne entfernt ist, wie hoch der Eiffelturm ist und so weiter.

Dieses "unnütze Wissen" ist lustig zu erfragen. Neu ist es aber nicht. Das funktioniert schließlich alles auch über den "alten" Assistenten von Google, Google Now. Aktuell spielen Assistant und Now bei gleicher Frage in den meisten Fällen sehr ähnliche Antworten aus. Der Unterschied: Vom Assistant werden die Ergebnisse schneller und übersichtlicher aufbereitet, Now zeigt unter der entsprechenden Karte immer noch das Ergebnis einer Web-Suche.

Bis der Assistant so funktioniert, wie ihn Sundar Pichai vorgestellt hat, dürfte es zumindest in Deutschland noch eine Weile dauern. Auf der Keynote zur Google I/O 2016 zeigte der Google-CEO, wie er mit Hilfe des Assistant nach Filmen in Kinos in der Nähe schaute, die Suche auf jugendfreie Filme eingrenzte und schlussendlich Karten für die ganze Familie bestellte. Dass der smarte Speaker Google Home hierzulande (zum Start) nicht erhältlich ist, ist ein weiteres Indiz dafür, dass der Assistant noch nicht reif für Deutschland ist.

Auf einem anderen Papier steht, womit Ihr für diesen Komfort bezahlt. Denn der Dienst an sich mag zwar kostenlos sein, sämtliche Infos und Anfragen werden aber auf Googles Servern gespeichert. Das Unternehmen versichert, dass die Kommunikation mit den Servern gesichert abläuft und Ihr stets die Kontrolle über Eure Daten behaltet. Über Euer Google-Konto könnt Ihr sämtliche Interaktionen mit dem Assistent löschen. Dann vergisst er allerdings auch alle Infos über Euch. Noch ist das halb so schlimm. Die deutsche Version kann sich bislang nur mein Lieblingsessen merken: Pizza!

Android 7.1 vorinstalliert

Neben dem Assistant gibt es noch weitere Software-Neuerungen. Auf den Pixel-Smartphones ist nämlich die Android-Version 7.1 vorinstalliert. Erstmals seit Android 4.4 KitKat setzt Google nicht auf den "Google Now"-Launcher. Stattdessen kommt exklusiv der Pixel Launcher zum Einsatz. Ihr müsst aber keine Angst haben, etwas zu verpassen. Die Icons sind etwas kleiner geworden, ein Widget zeigt permanent Datum und Wetter, es gibt hier und da ein paar schicke Animationen – und eine Wischgeste ersetzt den Button für den App-Drawer.

Außerdem erweitert Google das System um Launcher Shortcuts – also "Force Touch light". Das Display muss nicht drucksensitiv sein, um Verknüpfungen zu App-Funktionen aufzurufen. Dafür reicht auch ein langer Druck auf die App. Bislang funktioniert das Feature nur mit vorinstallierten Google-Apps, wie Chrome und Gmail. Bis es mehr werden, kann es noch etwas dauern. Die fertige Version von Android 7.1 für nicht Pixel-Smartphones wird erst im Dezember für Nexus-Geräte erscheinen.

Das Android-Glück kennt übrigens deutliche Grenzen: Während Apple auch vier Jahre alte Geräte wie das iPhone 5 noch mit iOS 10 versorgt, verspricht Google Software-Updates für zwei und Sicherheitsupdates für drei Jahre. Danach gehört das Pixel zum alten Eisen.

Fazit: Android-Referenz mit Hindernissen

Wer "Android pur" will, kommt am Pixel (XL) nicht vorbei. Bei der Hardware liefert Google anständig ab. Der Chip im Smartphone ist der schnellste auf dem Markt, der Akku bietet eine gute Laufzeit. Bei einem Verkaufspreis ab 759 Euro fürs Fünf-Zoll-Modell mit 32 GB Speicher muss man dem Unternehmen aber ankreiden, dass die Smartphones nicht wasserdicht sind.

Das gilt auch für den Funktionsumfang des Assistant in Deutschland. Tische buchen, Kalender einsehen, Tickets reservieren? Klappte im Test nicht. Alles andere schafft, Stand jetzt, auch Google Now. Das sieht dann nur nicht so schick aus. Mit der Zeit sollte die Software aber smarter werden. Es gilt der Leitsatz: Software kann man patchen, Hardware nicht. Kann aber dauern.


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