TipTalk macht aus Eurem Finger ein Telefon: ein Hands-on

TipTalk kennt Ihr nicht? Aber Samsung kennt Ihr. Der IT-Riese hat unlängst das C-Lab gegründet. Ingenieure können Projekte pitchen, die spannendsten haben die Chance, tatsächlich auf den Markt zu kommen. Die Chancen für TipTalk stehen enorm gut. Das Gadget lässt Euch, kurz gesagt, mit Eurem Finger telefonieren. Wie gut das schon funktioniert, haben wir uns auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas angeschaut. Ein Hands-on.

"Nach Hause telefonieren!" Als Kind der Achtziger bin ich natürlich mit "E.T." aufgewachsen. Und als ich in Las Vegas am Stand von TipTalk stand, fühlte ich mich an die legendäre Szene aus dem Blockbuster mit dem putzigen Außerirdischen erinnert. Doch was ist TipTalk überhaupt?

Wenn Ihr künftig auf der Straße Menschen erblickt, die mit einem Finger im Ohr ein Telefonat simulieren, dann könnten sie eventuell tatsächlich telefonieren. Denn mit TipTalk haben Samsung-Ingenieure ein System entwickelt, das Klänge von Wearables am Handgelenk auf den Körper übertragen kann. Ein spezieller Lautsprecher überträgt Schwingungen auf Knochen und Gewebe, die wiederum bis zur Fingerspitze reichen. Steckt sich der Träger dann den Finger ins Ohr, kann er tatsächlich sein Gegenüber hören. Da es sich "nur" um ein Armband handelt, ließe sich damit praktisch jedes Wearable aufrüsten.

Es funktioniert - sehr gut sogar

Entwickelt wurden diese Gadgets im C-Lab, eine Kreativabteilung von Samsung. Seit der Gründung 2012 haben die Koreaner rund 100 Projekte unterstützt, von denen 70 bereits durchgeführt und weitere 40 noch in der Entwicklung sind. Nach eigenen Angaben haben neun Projekte großes Potenzial und könnten damit tatsächlich Marktreife erreichen. Das Team hinter TipTalk hat sich mittlerweile unter dem Namen Innomdle Lab selbstständig gemacht und eine erste Finanzierungsrunde erfolgreich hinter sich gebracht. Tatsächlich handelt es sich um das erste Spin-Off in der Unternehmensgeschichte von Samsung.

Ich konnte die Technologie ausprobieren und muss sagen: Ich bin enorm beeindruckt. Tatsächlich kann ich mein Gegenüber hören, wenn ich mir meinen Finger ans Ohr halte. Und damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich muss den Finger nicht ins Ohr stecken, sondern nur an den Bereich zwischen Kieferknochen und Ohr.

"Headset", smartes Armband und Fitnesstracker in einem

Weil es sich bei TipTalk zudem um ein Armband handelt, kann ich damit auch jede simple Uhr zur Smartwatch umfunktionieren. Denn neben der Möglichkeit, Klang über den Körper zu übertragen, befinden sich auch ausreichend Sensoren im Armband, die Bewegungen erfassen und das Device zum Fitnesstracker machen. Kleine LEDs zeigen an, wie nah ich meinem Tagesziel gekommen bin und signalisieren eingehende Anrufe.

Wann das Gerät auf den Markt kommt, konnte das Team noch nicht sagen. Allerdings funktioniert die Technologie schon jetzt recht gut, was mich zuversichtlich stimmt, dass diese unschönen Bluetooth-Headset künftig wirklich der Vergangenheit angehören. Aktuell läuft das Band nur mit Android, die finale Version soll aber mit allen Plattformen kompatibel sein.

Meine persönliche Einschätzung: Ich halte die Technologie für disruptiv. Nicht nur kann ich mit dem Gerät jede einfache Uhr zu einem Fitnesstracker verwandeln, die Technologie ermöglicht mir Privatsphäre im öffentlichen Raum ohne lästiges und unschönes Bluetooth-Headset im Ohr - ein Relikt der Neunziger. TipTalk lässt sich nur jeden aktuell verfügbaren Fitnesstracker alt aussehen, auch aktuelle Freisprecheinrichtungen in Smartwatches wirken dagegen "cheesy". Wenn die Macher hinter TipTalk ihr Versprechen einhalten und der Preis unter 100 Dollar bzw. Euro bleibt, könnten wir es hier mit dem nächsten Killergadget zu tun haben.


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