Tschüss iPhone 6, hallo iPhone 5s!

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Ist neu immer besser? iPhone 5s (li.), iPhone 6 (re.)
Ist neu immer besser? iPhone 5s (li.), iPhone 6 (re.)(© 2014 CURVED)

Der erste Eindruck hat mich nicht getäuscht. Nach sechs Wochen intensiver Nutzung komme ich zu dem Ergebnis: Das iPhone 6 ist nicht das richtige Smartphone für mich. Und auch wenn Apple alles tut, um mir das Downgrade zu erschweren, habe ich heute das iPhone 5s bestellt. Für einen, der zwei Jahre mit dem iPhone 5 unterwegs war, bedeutet das immer noch eine Steigerung. Hier meine Gründe für den Rückschritt vom Fortschritt.

Ich war schon damals kein Fan von Apples Vorstoß, das Display von der vierten zur fünften Generation zu vergrößern. Das Vierer lag von den Abmessungen perfekt in der Hand. Dennoch konnte man mit dem Plus an Länge beim iPhone 5 auf Dauer gut leben. Aber an die 4,7 Zoll des iPhone 6 kann ich mich auch nach sechs Wochen intensiver Nutzung nicht gewöhnen. Die Größe – fast ein Zentimeter breiter und 1,4 Zentimeter höher – macht eine einhändige Bedienung nahezu unmöglich. Die Option, durch Doppel-Tap auf den Home-Button den Bildschirminhalt auf Daumenradius herabzusenken (Einhandmodus), ist in Wahrheit nicht mehr als eine Krücke. Für mich liegt der Fokus bei einem Smartphones klar auf der Handlichkeit und der schnellen Bedienbarkeit im Alltag, weniger auf Spezifikationen wie Retina HD-Display, Kontrastverhältnis und Bildschirmdiagonale.

Hinzu kommt, dass das Design des iPhone 6 keinen haptischen Vorteil bietet. Zwar ist das Gerät mit 6,9 Millimetern 0,7 Millimeter flacher als das Vorgängermodell, aber die verbreiterte Oberfläche und die abgerundeten Kanten verringern die Griffigkeit. Das iPhone 6 liegt nicht gut in der – in meiner Hand. Und bei einem Gerät, das 700 Euro aufwärts kostet, will ich nicht bei jeder Nutzung befürchten, dass es mir aus den Fingern gleitet. Wer mehr Sicherheit wünscht, kann beispielsweise das Silikon-Case von Apple über den Rahmen ziehen.

Technisch kaum Nachteile

Ohne Frage bietet das iPhone 6 technische Vorteile im Vergleich zum iPhone 5s: A8- statt A7-Prozessor, verbesserter Co-Prozessor, kontinuierlicher Autofokus, HDR für Videos, Serienbildfunktion und natürlich NFC. Aber die Benchmark-Vergleiche zeigen, dass in Sachen Tempo die Scores der beiden Modelle nicht so weit auseinanderliegen. Ein Downgrade ist zu verschmerzen. Ich gehe also nicht davon aus, bei App-Updates über die kommenden Monate mit einem signifikanten Performance-Einbruch rechnen zu müssen. Auch bei der Akkulaufzeit ist der Unterschied zwischen dem iPhone 5s und 6 gering. Hier punktet erst das noch größere iPhone 6 Plus. Und mit einem flächendeckenden Einsatz von Mobile Payment mit NFC ist in Deutschland auch nicht vor 2016 zu rechnen.

Was bei der Entscheidung schwerer wiegt, ist die Tatsache, dass Apple das iPhone 5s zum Auslaufmodell erklärt und nur noch in den Speichervarianten 16 und 32 Gigabyte anbietet. Lediglich mit Gold-Design sind derzeit bei der Telekom noch Restposten mit 64 Gigabyte verfügbar. Es ist schade, dass Apple sein Line-up nicht ausgewogener gestaltet und den Kunden die Möglichkeit gibt, das für sie beste iPhone auszuwählen. Dazu gehört, sämtliche zur Verfügung stehenden Konfigurationen dauerhaft anzubieten. Ich beiße also in den sauren Apfel und verabschiede mich von 64 Gigabyte beim iPhone 6 und sage hallo zum halbierten Speicher beim iPhone 5s in Spacegrau.

Design ist nicht zu Ende gedacht

Viel ist in den vergangenen Wochen über #Bentgate berichtet worden. Gemeint ist der Skandal um die Möglichkeit, dass sich iPhone 6 und 6 Plus aufgrund ihrer Konstruktion verbiegen können. Ein gefundenes Fressen für Medien und Hater, die völlig überzogen ihre Häme über Apple ausgegossen haben, zumal der Konzern sich offenbar sehr kulant zeigt und verbogene Geräte anstandslos austauscht.

Für einen Moment dachte ich auch, ich sei betroffen. Auf der Rückseite liegend kann ich mein iPhone 6 über die Diagonale hin- und herwippen. Ursache dafür ist aber nicht etwa ein verbogenes Gehäuse, sondern die hervorstehende Kameralinse. Für diese Designlösung hat sich Apple keinen Blumentopf verdient. Auch die Plastikrahmen, die die Aluminiumoberfläche der Rückseite unterbrechen, wirken billig und untypisch für Apple. Im Designvergleich sind die Generationen 4 und 5 ausgereifter – das wiederum erleichtert die Entscheidung zum Downgrade. Rückblickend hat mir übrigens der Silberrahmen beim iPhone 4 besser gefallen als die farblich eloxierte und stoßempfindliche Variante des iPhone 5.

Ein weiterer designbedingter Nachteil: die Abwanderung des On/Off-Schalters von der oberen Kante an die rechte Seite des iPhones. Die Taste steht in ständigem Konflikt zur Lautstärkenregelung auf der anderen Seite. Das ist besonders nervig, wenn man das iPhone zum Abspielen von Videos aufstellt und dabei bewusst die Lautstärkenregelung oben hält. Das Drücken der Lauter-Taste führt unweigerlich dazu, dass auch der Ausschalter betätigt und die App beendet wird.

Eine notwendige Entscheidung

Zugegeben, die Entscheidung fällt mir nicht leicht. Für mich ist es seit dem Ur-iPhone selbstverständlich, im Zweijahresrhythmus auf das jeweils aktuelle Modell von Apple upzugraden. Bisher ist es aber auch nicht schwergefallen, die Entwicklung aus Cupertino als das Maß der Dinge anzuerkennen. Apple war bekannt dafür, Dinge bis ins letzte Detail vor der Umsetzung zu Ende zu denken. Das hat sich nun gewandelt. Sicher reicht die kleine Enttäuschung nicht aus, um das um Apple aufgebaute Ökosystem aus Hardware und Medien insgesamt in Frage zu stellen, aber das iPhone 6 bietet mir keinen relevanten Mehrwert. Im Gegenteil, es zwingt mich zum Downgrade.

Um so gespannter bin ich, wie Apple seine Produktlinie in den kommenden zwei Jahren weiterentwickeln wird. Welche Veränderungen wird es bei dem 2015 zu erwartenden Update der sechsten Generation geben? Wird 4,7 Zoll zukünftig das Mindestmaß für das iPhone sein? Angeblich habe Steve Jobs diese Größe schon 2010 realisieren wollen, die Technik war aber noch nicht so weit. Aber weder bei der Verwendung der Tastatur noch beim Medienkonsum (zum Beispiel Video, E-Books) habe ich bislang ein größeres Display vermisst. Das heißt aber nicht, dass fünf Zoll und mehr grundsätzlich überflüssig  sind.

Die Beschränkung der Speichervarianten zeigt: Das iPhone 5s ist angezählt. Es ist völlig klar, dass dieses Modell auf Dauer nicht mehr mit den wachsenden Ansprüchen mithalten kann und aus dem Programm fliegt. Aus Kundensicht ist es aber unbedingt wünschenswert, wenn Apple die iPhone-Entwicklung in allen drei Bildschirmgrößen fortsetzt und zur Standard- und Plus- auch stets eine Mini-Variante anbietet. Auf diese Weise sichert sich der Konzern einen breiten Markt und überlässt die Vielfalt nicht der Konkurrenz.

Hier findest du das iPhone 6 im direkten Vergleich mit dem iPhone 5s.


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