Golden i: So gut ist das iPhone 5s

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Das iPhone: Und ewig lockt der App-Kauf
Das iPhone: Und ewig lockt der App-Kauf (© 2014 CURVED)

Kein Smartphone hat sich schneller verkauft, kein Smartphone scheint stärker zu polarisieren. Ist das iPhone 5s wirklich so gut wie sein Ruf? Vor allem die Kamera konnte uns im Langzeit-Test überzeugen.   

Um gleich einmal mit einem Vorurteil aufzuräumen: Nein, das iPhone 5s ist nicht goldfarben. Das Apple-Smartphone glänzt nicht wie ein Barren in der Hand, der Farbton Champagner trifft es schon eher. Was allerdings golden schimmert, ist der kleine Ring auf der Vorderseite, der den neuen Homebutton umfasst. Damit weist Apple auf eine der großen Neuerungen in seiner aktuellen Smartphone-Generation hin: Touch ID. Unter der Oberfläche aus extra-gehärtetem Saphirglas befindet sich ein Sensorfeld, das Euren Fingerabdruck erkennt.

Schon vor dem Verkaufsstart war unter Hackern ein Wettlauf entbrannt, wer zuerst das System überlistet. Auf einer Crowdfundingseite war dazu ein Preis für denjenigen ausgelobt worden, der es schafft, Touch ID zu knacken. Wenig später beanspruchte der Chaos Computer Club den Sieg für sich. Mit einem Trick, bei dem das Modul mit einem eingescannten, optisch bereinigten und auf eine spezielle Folie mit speziellem Druckmodus reproduzierten Fingerabdruck ausgetrickst wird. Der Kniff ist weder schnell noch alltagstauglich, sondern ist tatsächlich so alt wie die Fingerprint-Technologie selbst.

Einen richtigen, digitalen Hack gibt auch Monate nach dem Launch noch nicht. Das hat einen guten Grund: Die Recheneinheit zur Erkennung des Fingerabdrucks ist nicht direkt an den Rest der Komponenten im iPhone 5s gekoppelt. Hier wird lediglich eine vom Fingerabdruck einmalig erstellte Zahlen- und Buchstabenreihe hinterlegt. Jeder Fingerabdruck ergibt eine Zahlen- und Buchstabenreihe. Gibt es eine Übereinstimmung, ist der Weg frei. Gibt es keine Übereinstimmung, kommen Langfinger nicht weiter.

Im Test hat mich der neue Sensor auf voller Linie überzeugt. Denn Touch ID spart mir den Tag über richtig viel Zeit, die ich sonst mit der Eingabe eines Sperr-Codes verbringen würde. Zwar ist das meist in ein, zwei Sekunden erledigt. Doch hochgerechnet auf den Tag ist es viel angenehmer, einfach auf den Home-Button zu drücken, der währenddessen meinen Fingerabdruck scannt und innerhalb von Sekundenbruchteilen den Zugriff aufs Gerät freigibt. Das Abspeichern von Fingerabdrücken nimmt rund eine Minute in Anspruch. Dazu wird der Finger einfach mehrmals auf den Home-Button gelegt, bis die Sensoren jede kleine Furche meines Fingers abgescannt haben. Das Hinterlegen mehrerer Abdrücke, etwa von Familienmitgliedern, ist auch möglich. Wichtig: Ihr müsst das Feature nicht zwangsweise nutzen, sondern könnt weiterhin auch eine vierstellige Ziffernfolge als Passcode eingeben.

Neuer Chipsatz: Alles läuft schneller

Die Benchmarks zeichnen ein eindeutiges Bild: Das iPhone 5s ist das derzeit schnellste Smartphone der Welt. Und das, obwohl Apple nur einen Dual-Core-Prozessor verbaut hat. Bei der Konkurrenz sind vier Rechenkerne schon längst Standard. Beim Benchmarktest mit Browsermark 2.0 setzt sich das iPhone 5s souverän an die Spitze, nur das G2 von LG kann halbwegs Anschluss halten. Doch Benchmark hin oder her: Eine Millisekunde unter Studio-Bedingungen lässt sich im täglichen Gebrauch kaum messen.

Aber wer ein iPhone 5 oder sogar noch ein iPhone 4 besitzt, wird sofort einen Unterschied bemerken. Alles beim iPhone 5s läuft schneller. Ob ich Software im App Store suche, herunterlade oder starte - was bei den Vorgängern noch für ein Ruckeln hier und da sorgte, läuft jetzt ultra-flüssig. Wie viel schneller das iPhone 5s tatsächlich ist, macht sich vor allem im Kameramodus bemerkbar. Wisch, das Smartphone ist aus dem Lockscreen im Kameramodus. Klick, die Aufnahme startet. Klick, die Aufnahme stoppt. Wisch, vom Video-Mode wechsle ich in den Foto-Modus. Brauchte es zuvor noch Sekundenbruchteile, bis sich ein Menü vollständig aufgebaut war, hat Apple beim iPhone 5s die Wartezeiten eliminiert.

Das Maximum holt das Smartphone beim Slow-Motion-Video-Feature aus den verbauten Komponenten. In diesem Modus speichert das iPhone 120 Bilder pro Sekunde! Im Anschluss könnt Ihr festlegen, welcher Abschnitt stark verlangsamt abgespielt werden soll. Zusätzlich hat Apple einen sogenannten “Burst Mode” entwickelt, über den das iPhone bis zu zwölf Bilder pro Sekunde schießt. iOS 7 schlägt aus der Serienaufnahme dann die Bilder vor, auf denen das Motiv ohne Ruckler und mit der besten Beleuchtung zu sehen ist. Von der 64-Bit-Architektur des Chipsatzes braucht man sich vorerst keine Geschwindigkeitsvorteile zu versprechen. Denn noch funktionieren die meisten Apps aus dem App Store im 32-Bit-Modus.

Aber wie schaut es mit der Qualität der Aufnahmen aus? Apple rühmt sich schließlich seit Jahren damit, dass sein Smartphone die meistgenutzte Kamera der Welt (laut Flickr) ist. Dabei verbauen Hersteller wie Nokia in ihren Smartphones Optiken mit bis zu 42 Megapixeln - Apple verharrt bei acht Megapixeln. Und dennoch: Unterschiede zum Vorgänger iPhone 5 erkennt man sofort. Durch Anpassungen im Linsensystem und den Einsatz eines Dual-LED-Blitzes, der weißes und bernsteinfarbenes Licht für natürlichere Hauttöne kombinieren soll, schafft das iPhone 5s bessere Fotos bei mieser Beleuchtung. Im Test zeigte sich: Das typische Rauschen ist weniger, dunkle Bereiche werden nicht unnatürlich stark aufgehellt. Kurzum: Bilder schauen natürlicher aus als etwa beim HTC One, das mit seinen Ultra-Pixeln auch ein natürlicheres Ergebnis verspricht.

Zudem will die neue Kamera-App im iPhone mit eigenen Filtern für mehr Effekte sorgen. Doch in der Praxis machen die wenigen Farbeffekte keinen großen Unterschied zu Apps wie Instagram oder Camera+. Apple, hier musst Du nochmal nachbessern! Von einem Unternehmen, dessen Produkte bei Fotografen und Designern zum alltäglichen Werkzeug gehören, erwarte ich einfach mehr.

iPhone_5s_gold_2014

Beim Look setzt Apple ganz klar auf Evolution statt Revolution. Das iPhone verkauft sich einfach zu gut (48 Millionen Exemplare im vergangenen Quartal), als dass die Ingenieure in Cupertino mit dem aktuellen Design brechen würden. Vom überarbeiteten Home-Button, dem neuen Blitz und den Farben Gold und Spacegrau einmal abgesehen, würde das Gerät optisch auch als iPhone 5 durchgehen. Und trotzdem gefällt mir das Gold-Phone viel besser als sein mattschwarzer Vorgänger. “Champagner” schaut nicht protzig, sondern edel aus. Und “Spacegrau” ist eine gelungene Erweiterung der Farbpalette.

Fazit

Ist das iPhone 5s nun sein Geld wert oder nicht? Kritiker würden behaupten, dass ein neuer Anstrich und ein Fingerabdruckscanner nicht ausreichen. Doch Apples Flaggschiff glänzt nicht mit einem krassen Redesign, sondern vielen kleinen Verbesserung. Der Konzern hat den Bewegungssensor ausgegliedert, um in bestimmten Situationen Strom zu sparen und etwa bei Fitness-Apps mehr Genauigkeit zu liefern. Der Akku wurde vergrößert und liefert mehr Surf- und Gesprächszeit. Wartezeiten sind Geschichte, die Kamera nimmt schnelle Situation in Slow-Mo auf oder lässt mich zum Paparazzo mutieren, der bei schlechten Lichtverhältnissen bessere Bilder produziert.

Was will man mehr? Nur eines: ein größeres Display. Jahrelang hielt Apple an dem Credo fest, dass sich ein Smartphone mit einer Hand bedienen lassen muss. Doch nachdem ich das HTC One, das Nexus 5 und ein Phablet à la Nokia Lumia 1520 in der Hand hatte, sind vier Zoll einfach zu klein. Think big, Apple!


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