Ubuntu für Smartphones: Alles, was Ihr wissen müsst

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Das BQ Aquaris E4.5 in der Ubuntu-Edition
Das BQ Aquaris E4.5 in der Ubuntu-Edition(© 2015 BQ)

Der Smartphone-Markt ist gesättigt. Neuankömmlinge haben kaum eine Chance, sich durchzusetzen. Selbst Windows Phone mit Microsoft im Rücken macht neben iOS und Android kaum Boden gut. Nun gab Canonical den Start des weltersten Smartphones mit Ubuntu bekannt. Ubuntu? Das ist doch diese Linux-Distribution, oder? Aber wie funktioniert das auf einem Smartphone? Im Folgenden lest Ihr alles, was Ihr über das neue Betriebssystem wissen müsst.

Was kann das erste Ubuntu-Smartphone?

Das Aquaris E4.5 von Canonical und BQ wird in den nächsten Wochen über die Website des Herstellers verkauft. Das erste Smartphone mit dem Ubuntu-Betriebssytem wird 169,90 Euro kosten.

Das Aquaris E4.5 ist ein Mittelklasse-Gerät von BQ, das jetzt als "Ubuntu Edition" in einer neuen Version auf den Markt kommt. Das "erste Ubuntu-Smartphone der Welt" hat einen 4,5 Zoll-Screen mit einer Auflösung von 540x960 Pixel. Zudem ist das Aquaris E4.5 mit einem 1.3 GHz Quad-Core MediaTek Cortex A7-Prozessor sowie 1 GB RAM und 8 GB internem Speicher (erweiterbar um 32 GB) ausgestattet.

Auf der Vorderseite kommt eine 5 Megapixel-Kamera zum Einsatz, acht Megapixel sind es auf der Rückseite. Gefunkt wird mit Bluetooth 4.0 und den WLAN-Standards 805.11 b/g/n. Mobiles Internet funktioniert nur mit HSPA+, LTE wird nicht unterstützt.

Was ist das Besondere an Ubuntu for Smartphones?

So weit, so mittelklassig — und Mittelklasse-Geräte gibt es im Android-Lager zu Genüge. Aber womit kann Ubuntu auf Smartphones punkten? Geht es nach Canonical, dann mit den sogenannten “Scopes”. Der Begriff lässt sich sehr grob gefasst mit “Raum”, “Spielraum” oder “Bereich” übersetzen. Und das trifft ganz gut, worum es bei Ubuntu for Smartphones eigentlich geht.

Denn während sich iOS, Android und auch Windows Phone auf Apps konzentrieren, sollen die “Scopes” unter Ubuntu thematisch organisiert sein. Ein “Nearby”-Scope etwa würde auf einem Screen Yelp-Bewertungen von Restaurants im Umkreis, Konzerte und das Wetter anzeigen. Ein Social-Media-”Scope” könnte alle Kommunikation auf Facebook, Twitter und Co. auf einem Screen vereinen. So spart Ihr Euch den ständigen Wechsel von App zu App, um alles im Blick zu behalten.

Gut gemacht: Ein Launcher mit den wichtigsten Apps, der zudem scrollbar ist, lässt sich mit einem Swipe von links nach rechts hervorholen. Ein Wisch von oben nach unten gibt Android-typisch einen Blick auf eingegangene Anrufe und Nachrichten. Und ein Wisch von rechts nach links bringt Euch zum Dialer und in eine Übersicht der laufenden Programme.

Aber was ist mit meinen Lieblingsapps?

“Wir betreten den Markt mit über 1000 Scopes und Apps, darunter vom ersten Tag an die weltweit führender Marken”, erklärte Canonicals Mobile-Vizepräsident Chris Parrino auf einem Pressevent. Zu den ersten Apps sollen Amazon, Cut the Rope, Ebay, Facebook, Twitter und Yelp zählen. WhatsApp? Nein, nicht zum Start. Als Alternative empfiehlt Canonical Telegram. Darüber hinaus will Canonical auch auf die Entwickler-Community setzen, die weitere Scopes entwickeln soll. So sind bereits Versionen für Dropbox und Spotify in Arbeit.

Wann geht’s los?

"Wir starten auf ganz andere Weise und ich halte das für entscheidend", so Parrino. "Wir können nicht die von anderen Plattformen in den letzten Jahren gemachten Fehler wiederholen, die ab dem ersten Tag auf Volumen gingen, indem sie die Geräte im Handel platzierten und nicht richtig darüber nachdachten, was ein Start in einem reifen und überfüllten Mobilmarkt eigentlich bedeutet." Gemeint ist der kühne Versuch, für das damalige Ubuntu Edge über Crowdfunding 32 Millionen Dollar einzusammeln. Letzten Endes reichte es für rund 12 Millionen Dollar, sodass das Gerät nie in Produktion ging. Beim neuen Ubuntu-Smartphone setzt man hingegen auf die OnePlus-One-Strategie: Eine beschränkte Anzahl wird online an Early Adopter vertrieben.

Wo bekommt Ihr es?

Der erste Flash-Sale startet an diesem Montag über bq.com. Allerdings werden die genauen Zeitpunkte auf den Twitter-Konten von @Ubuntu@bqreaders und auf Ubuntu auf Google+ bekanntgegeben. Wer aus Europa zugreift, kann das Gerät kaufen. In Großbritannien, Portugal, Schweden und Spanien können Nutzer das Smartphone zusammen mit einem Vertrag kaufen.

Wie stehen die Chancen?

Linux war seit jeher der Liebling der Entwickler-Community. Insofern verwundert es nicht, dass Canonical mit den Scopes ein Problem löst bzw. nahezu löst, mit dem App-Developer zu kämpfen haben: Ihre Anwendungen für möglichst viele Systeme am Laufen zu halten. Weil die Ubuntu-Scopes nicht komplette Apps, sondern lediglich Schnittstellen erfordern, soll sich der Aufwand für Developer möglichst gering halten, ihre Systeme Ubuntu-kompatibel zu machen.

Allerdings entscheidet sich in einem gesättigten Markt, wenn eine Marke noch nicht stark genug ist, viel über den Preis. Und da bekommt das Ubuntu-Smartphone in diesen Tagen starke Konkurrenz. Das Lumia 435 von Microsoft verfügt über eine ähnliche Hardware und soll gerade einmal 89 Euro kosten.


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