YouTube Unplugged: Wenn das Live-Fernsehen ins Internet wandert

YouTube auf dem iPhone
YouTube auf dem iPhone(© 2014 Youtube, CURVED Montage)

Verlagert YouTube das Fernsehen komplett ins Internet? 2017 soll die Alphabet-Tochter den Dienst YouTube Unplugged vorstellen, über den Nutzer das TV-Programm streamen können.

Besonders für jüngere Nutzer hat YouTube das Fernsehen längst überholt. Deswegen arbeitet die Alphabet-Tochter laut Bloomberg gerade mit Hochdruck an Deals mit US-TV-Anstalten. Das Ziel ist es, bis 2017 einen Bezahl-Dienst auf die Beine zu stellen, über den Nutzer – ähnlich wie hierzulande bei Sky – Pakete buchen und dann über die Videoplattform streamen können.

Wie Bloomberg berichtet, existieren die Pläne für den "YouTube Unplugged" genannten Service bereits seit 2012. Mittlerweile ist die Umsetzung zu einer der Top-Prioritäten des Unternehmens geworden. Derzeit werden verschiedene Ansätze für das Abo-Modell diskutiert. Denkbar wäre ein Szenario, in dem YouTube ein Paket aus Kanälen der vier größten TV-Anstalten der USA und ein paar beliebten Kabelkanälen anbietet. Der Preis für dieses sogenannte "Skinny Bundle" soll weniger als 35 US-Dollar betragen.

YouTube soll die Kleinen groß machen

Darüber hinaus wäre es möglich, Erweiterungspakete zu Themen wie Comedy oder Lifestyle anzubieten. Damit soll YouTube unbekannteren TV-Kanäle zu einem größeren Publikum verhelfen. Die Theorie: Wer sich ein Paket zum Thema Comedy bestellt, bekommt den bekannten "Comedy Central"-Kanal und darüber hinaus noch drei oder vier weniger bekannte Kanäle. Wenn es YouTube schafft, diese tatsächlich größer zu machen, wären auch die Medienunternehmen zugänglicher für weitere Verhandlungen. Die würden nämlich gern mehr Geld sehen als die im Raum stehenden 35 US-Dollar pro Nutzer, von denen YouTube auch noch einen Teil einstreicht.

Sollten solche Pakete geschnürt werden, sei für die Verhandlungspartner aber von Bedeutung, die Top-Kanäle darin zu platzieren. Bob Iger, CEO von Disney, sei es sehr wichtig, dass der Sportsender ESPN in einem solchen Paket stattfände, egal wie groß die Anzahl der Kunden tatsächlich sei. Ähnlich sieht es CBS-Boss Leslie Moonves: "CBS ist unerlässlich für ein Skinny Bundle." Denn auch den Medienunternehmen ist klar, dass die Neukundenakquise nur über den Weg ins Internet realisierbar ist.

Bundesliga bald bei Amazon?

YouTubes eigene Zahlen belegen das sehr eindrucksvoll. Im Alter von 18 bis 34 Jahren erreicht das Video-Netzwerk mehr Nutzer als jedes US-Kabelnetzwerk. Jeden Tag werden mehre hundert Millionen Stunden Videomaterial abgespielt.

Beim Vorstoß Richtung TV-Programm ist YouTube übrigens kein Pionier. Der Netflix-Konkurrent Hulu hat gerade erst einen ähnlichen Dienst auf die Beine gestellt, der bald an den Start gehen soll. Apple und Amazon wird ebenfalls nachgesagt, an Deals mit TV-Anbietern zu arbeiten. Letzteres könnte sich schon bald in Deutschland bemerkbar machen. Wie die Welt berichtet, will der Versandriese bei der Rechtevergabe für die kommende Bundesligasaison mitbieten.

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