Actioncam-Test: GoPro Hero 3+, Camileo X-Sports, Rollei

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Toshiba Camileo X-Sports, GoPro Hero 3plus, Rollei Actioncam
Toshiba Camileo X-Sports, GoPro Hero 3plus, Rollei Actioncam(© 2014 CURVED)

Wer Outdoor-Videos dreht, greift zur GoPro – oder? Auch andere Hersteller haben Actionkameras im Sortiment, die sich leistungstechnisch nicht hinter dem Marktführer verstecken müssen. Im Gegenteil: Einige deutlich günstigere Kameras bieten inzwischen sogar deutlich mehr. Wir haben die GoPro Hero 3+ mit zwei Kontrahenten verglichen. Ring frei, Kamera läuft!

Es ist schon erstaunlich, in welch kurzer Zeit sich die GoPro zum Synonym für Outdoorkameras gemausert hat, sie ist quasi das Tempo-Taschentuch der Actioncams. Ob in TV-Shows wie „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“, bei Formel-1-Rennen oder bei Extremsportlern: Überall sieht man die kleine Kamera. Fast so, als gäbe es keine Alternativen. Doch davon gibt es reichlich, schließlich lässt sich sogar ein Smartphone mit dem richtigen Zubehör in eine Actioncam verwandeln.

Doch kein Wunder, dass das GoPro-System so erfolgreich ist: Es ist eine auf das wesentlich reduzierte Kamera – wenige Knöpfe, eine einfache Bedienung und winzige Bauweise mit einem schier unerschöpflichen Angebot an Zubehör. Das ist allerdings auch der Knackpunkt am System.

Kostet bereits die Kamera mehrere hundert Euro – das Flaggschiff Hero 3+ sogar rund 450 Euro –, zahlt Ihr für spezielle Halterungen, Taschen und Akkus nochmal kräftig drauf. Da drängt sich der Vergleich zu Apple förmlich auf, denn auch hier kostet Originalzubehör schnell 30 Euro, ein Vielfaches von dem, was Käufer von Konkurrenzprodukten zahlen müssen.

Klar: Die GoPro ist ein tolles Produkt, aber dennoch bietet es sich preislich einfach an, dass Ihr Euch auch nach Alternativen umschaut. Besonders wenn die Features der Konkurrenz-Kameras fast identisch sind – zumindest auf dem Papier. Wir haben uns beim Vergleich für die neue Camileo X-Sports von Toshiba und die Rollei Actioncam entschieden. Beide Kameras sind deutlich günstiger als die GoPro, obwohl sie im Gegensatz zum Platzhirsch sogar standardmäßig über ein Display verfügen.

Die Kontrahenten im Überblick

Die Camileo X-Sports ist einen Tick größer als die GoPro und wirkt, nicht zuletzt dank des großen Displays auf der Rückseite, wie eine vollwertige Kamera. Fotos nimmt die Camileo mit 12 Megapixeln auf, Videos in Full-HD-Qualität. Sehr praktisch ist der manuelle Zoom, den Ihr über zwei Tasten bedient. Ein eingebauter Bildstabilisator sorgt zudem für ruhigere Bilder. Außerdem ist wie bei der GoPro "Wiki" eingebaut, um die Kamera mit einem Smartphone steuern zu können. Das Zubehör ist ziemlich umfangreich: Neben verschiedenen Halterungen und dem wasserdichtem Schutzcase liegt auch eine Fernbedienung in dem Set für deutlich unter 300 Euro.

Zum fast identischen Preis bietet Rollei seine kleine Actioncam an. Die Kamera sieht aus wie eine übergewichtige GoPro. Die Front, hinter der sich der Akku befindet, lässt sich austauschen – dafür liegen vier verschiedenfarbige Abdeckungen dem Paket bei. Fotos werden sogar mit 14 Megapixeln aufgenommen, Videos ebenfalls in Full-HD-Qualität. Neben verschiedenen Halterungen und einem wasserdichtem Case könnt Ihr Euch bei der Rollei über einen zusätzlichen Akku freuen. Außerdem gibt es auch hier noch eine Fernbedienung dazu, falls man die Kamera nicht per Smartphone aus der Ferne steuern möchte.

Erster Eindruck: die GoPro und ihre Kinder

Wo die eine Kamera dank gummierter Oberfläche mehr Grip bietet, punktet die andere mit einer edlen schwarzen Oberfläche. Aber insgesamt sind die äußerlichen Unterschiede der kleinen Kameras marginal, vor allem wenn sie in der Schutzhülle stecken. Und schaut man auf das umfangreiche Zubehör-Angebot, fallen die Unterschiede noch geringer aus.  Wir mussten aufpassen, die verschiedenen Halterungen nicht zu verwechseln. Es wirkt fast so, als wollten die anderen Hersteller unbedingt, dass ihre Kameras aussehen wie eine GoPro. Das hat aber den Vorteil, dass man sich Zubehör von unterschiedlichen Anbieter kaufen kann.

Praktisch ist bei allen drei Kameras, dass sowohl die Montage, als auch die Einrichtung via Smartphone leicht von der Hand geht. Die entsprechenden Apps bieten die Hersteller für iOS-Geräte und Android-Smartphones an, GoPro hat zusätzlich noch eine App für Windows Phones entwickelt. Ein Tipp: Da das Livebild der Kameras per WLAN leicht verzögert auf das Smartphone übertragen wird, solltet Ihr bei der Einrichtung des Blickwinkels immer ein wenig warten, bevor ihr die Befestigung stabilisiert.

Rollei mit großen Kinderkrankheiten

Bei einer Testfahrt mit dem Motorroller haben wir die Bildqualität der Videoaufnahmen überprüft. Bei allen drei Kameras haben wir zuvor das Format auf Weitwinkel gestellt, also den typischen Look der GoPro-Aufnahmen. Und hier zeigen sich die ersten gravierenden Unterschiede der drei Systeme. GoPro setzt auf spartanische Bedienung, alle Einstellungen müssen mit zwei Buttons ausgewählt und aktiviert werden.

Das monochrome Mini-Display auf der Vorderseite zeigt lediglich jeweils einen Menüpunkt an. Was umständlich klingt, entpuppt sich aber als gute Lösung. Denn dass ein großes Display für eine einfachere Bedienung sorgt, widerlegen sowohl die Kamera von Toshiba als auch die Actioncam von Rollei. Und mehr Knöpfe und Schalter an der Kamera helfen auch nicht bei der intuitiven Bedienung.

Leider streckte schon vor der ersten Testfahrt einer der Kontrahenten die Waffen. Die Rollei Actioncam will sich einfach nicht überreden lassen, die Aufnahme zu starten. Obwohl wir die Kamera mehrfach über das umständliche Menü auf den Werkszustand gesetzt und auch die eingelegte Speicherkarte wiederholt formatiert haben, funktionierte die Kamera nicht. Mehr noch: Häufig ließ sich die Kamera nicht ausstellen. Hier half nur, den Akku aus dem Gerät zu nehmen. Natürlich kann es mal passieren, dass ein Testgerät Fehler hat, besonders wenn es sich um ein Vorserienmodell handelt. Doch in diesem Fall wurde uns ein Verkaufsprodukt zur Verfügung gestellt.

Die Aufnahmen der anderen beiden Kameras sorgten bei uns aber für Freude. Die Qualität der Videos ist bei GoPro und Toshiba sehr ähnlich, wobei die Camileo die Farben ein wenig intensiver ausspielt. Und bei beiden Aufnahmen sieht man jede Erschütterung der Fahrt, das Bild wackelt bei beiden Videos an einigen Stellen heftig. Hier hätten wir eigentlich damit gerechnet, dass der Bildstabilisator der Camileo mehr Ruhe bringt. Insgesamt ist es kaum möglich, eine Aufnahme einer Kamera zuzuordnen – und das ist sicher kein Nachteil.

Fazit: Es muss nicht immer der Marktführer sein

Gerne hätten wir ein positives Urteil zur Rollei ausgesprochen: Die Actioncam sieht prima aus und lässt sich individualisieren. Das umfangreiche Zubehör und vor allem der Extra-Akku haben uns überzeugt - ganz im Gegenteil zu der komplizierten Bedienung der Software. Durch den Totalausfall können wir aber keine Wertung abgeben. Dennoch hätte es einem langjährigen Kameraspezialisten wie Rollei sicher geholfen, wenn man bei der Actioncam nicht nur auf Optik und Leistungswerte geachtet hätte, sondern auch mehr Zeit und Geld in die Software investiert hätte.

Schaut man nur auf Bildqualität, Funktionen und mitgeliefertes Zubehör, ist es fast unmöglich, unter den verbliebenen beiden Kameras einen Sieger zu küren. Die GoPro kann zwar sogar Videos im trendigen hochauflösenden 4K-Format aufnehmen, aber das handelt sich wohl eher um ein Marketing–Gag. Denn diese Videos werden lediglich mit 12,5 Bildern pro Sekunde aufgezeichnet. Und wo die GoPro mit Schlichtheit punktet, überzeugt die Camileo mit der Möglichkeit, sie auch als normale Kamera zu nutzen.

Also bleibt nur der Preis. Die GoPro Hero 3+ kostet etwa 450 Euro, die Camileo von Toshiba dagegen rund 280 Euro. Und wollt Ihr bei der GoPro auch die Vorzüge eines Display nutzen, müsst Ihr das dazukaufen. Es hat natürlich immer Vorteile, Geräte von einem Marktführer zu kaufen, schließlich lässt sich dadurch weltweit Zubehör erwerben. Doch die Camileo zeigt, dass Ihr für eine geringere Investition keine Abstriche in Bild, Ton und Handhabung machen müsst – und darauf kommt es schließlich an.


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