Alcatel Idol 4 und Acaltel Idol 4s im Test: zwei ungleiche Brüder

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Das Alcatel Idol 4s (links) und das Idol 4 (rechts).
Das Alcatel Idol 4s (links) und das Idol 4 (rechts).(© 2016 CURVED)

Das Alcatel Idol 4 und das Alcatel Idol 4s trennt weit mehr als nur ein Buchstabe im Namen. Wo genau die Unterschiede liegen, zeigt der Test.

VR ist das Thema der Stunde. Alle machen mit. Auf dem MWC hat Facebook-Chef Mark Zuckerberg vorgelegt: Das soziale Netzwerke setzt zukünftig verstärkt auf 360-Grad-Inhalte setzen, Samsung hat bei der Gelegenheit gleich eine passende Kamera vorgestellt. Google präsentierte wiederum auf der Google I/O Daydream, die VR-Plattform für Android N. Auch Alcatel setzt mit seinen beiden Smartphones Idol 4 und Idol 4s auf die virtuelle Realität.

Das soll dem Kunden schon in der Verkaufsvitrine auffallen. Denn bei beiden Geräten ersetzt eine VR-Brille aus Kunststoff den sonst obligatorischen Karton. Coole Idee! Optisch erinnern beide Smartphones an eine Mischung aus dem Nexus 4 von LG und dem Samsung Galaxy S6. Ansonsten sind die Geräte, bis auf die Display-Größe und die Position der Kamera, optisch identisch. Links sitzt der Einschalter, oben der Kopfhörer- und unten der Micro-USB-Anschluss. Auf der rechten Seite gibt es unterhalb der Lautstärkewippe noch eine Sondertaste, genannt Boomkey. Der dient als Shortcut, um eine App zu öffnen, als Kameraauslöser und als Sondertaste in ausgewählten Spielen. Fingerabdrucksensor? Fehlanzeige!

Einmal top, einmal Flop

Obwohl beide Idols namenstechnisch und optisch offensichtlich zusammengehören, gibt es ein, zwei Unterschiede, die Euch sehr wahrscheinlich eher zum Idol 4s greifen lassen. Das hat ein 5,5 Zoll großes Display und ist damit nur unwesentlich größer als das Idol 4 (5,2 Zoll). Die Auflösung ist mit 2560 x 1440 Pixeln aber deutlich höher als beim kleinen Bruder, der "nur" Full-HD schafft. Gerade für VR-Inhalte ist das ein Faktor, den man nicht unterschätzen sollte. Die Farben wirken auf dem großen Display deutlich lebendiger, das Schwarz satter. Das Idol 4 sieht dagegen sprichwörtlich blass aus. Kein Wunder: Das Idol 4s hat ein AMOLED-Display, die kleine Version ein LC-Display.

Bei den Kameras hat das Idol 4s nicht nur den Zahlen nach die Nase vorn. Die 16-Megapixel-Knipse produziert tatsächlich bessere Ergebnisse als das 13-Megapixel-Modell im Idol 4. Fotos wirken lebensechter. Zumindest draußen bei gutem Wetter. Drinnen haben beide ihre Schwächen. Stimmen die Lichtverhältnisse nicht, kommt es zu deutlichem Bildrauschen. Dagegen hilft auch der Blitz nicht.

Beim großen Idol 4s ragt die mittig liegende Kamera deutlich heraus. Das Idol 4 ist bescheidener.(© 2016 CURVED)

Zwar kommen beide Geräte mit drei Gigabyte Arbeitsspeicher. Im Alcatel Idol 4s taktet allerdings ein Snapdragon 652, während das kleinere Modell mit dem langsameren Snapdragon 617 auskommen muss. Der daraus resultierende Leistungunterschied spiegelt sich auch in Benchmarks wider: Das Idol 4s erreichte im AnTuTu rund 81.000 Punkte, das Idol 4 dagegen nur 43.000. Dazwischen liegen Welten. Auch beim Speicher behandelt Alcatel das kleinere Smartphone stiefmütterlich: Dem Idol 4s spendiert der Hersteller 32 Gigabyte, dem Idol 4 nur die Hälfte. Beide Geräte könnt Ihr per microSD-Karte in der Theorie um 512 Gigabyte Speicher erweitern. In der Praxis ist bei 256 Gigabyte Schluss. Größere Karten gibt es noch nicht zu kaufen.

Keine Tagträume für Idol-Käufer

Wie gut die beiden im VR-Vergleich abschneiden, konnten wir leider nicht herausfinden: Für unseren Test stand uns nur das Headset fürs kleine Idol zur Verfügung. Mit dem haben die Ausflüge in andere Welten aber wenig Spaß gemacht. Pixel waren durch die Linsen deutlich zu erkennen, die Latenzen so hoch, dass nicht nur mir davon etwas mulmig im Bauch war. Hier rächt es sich, dass man nicht auch dem kleinen Smartphone ein höher aufgelöstes Display und mehr Rechenpower spendiert hat. Bei der Berechnung der Inhalte kommt der "Zwerg" nämlich ganz schön ins Schwitzen. Zudem saugen Ausflüge in andere Welten ganz schön am Akku.

Smartphone in die Brille und abtauchen. Leider macht's mit dem kleineren Idol nicht so viel Spaß.(© 2016 CURVED)

Dass ist aber nicht der größte Nachteil beider Alcatel-Geräte. Stattdessen wird dem Unternehmen zum Verhängnis, dass es dem VR-Trend zu früh gerecht werden will. Denn beide Smartphones sind nicht "Daydream ready" - also nicht kompatibel zur VR-Plattform, die Google mit Android N auf die Smartphones bringen wird.

Immerhin stimmt die Software. Das System ist ein leicht verändertes Android 6.0.1 Marshmallow. Auch bei der Software liegt der Fokus auf VR. Ab Werk sind gleich zwei Apps dabei: Der "VR Desktop" und der "VR Store". Letzterer ist praktisch nicht mehr als die VR-Abteilung im Play Store in einer eigenständigen Anwendung. Passende Anwendungen findet Ihr so blitzschnell. Auch praktisch: Alle installierten VR-Apps landen sowohl im App-Drawer als auch auf dem VR-Desktop. So könnt Ihr zwischen den Anwendungen wechseln, ohne das Telefon ständig aus der Brille fummeln zu müssen. Bei den restlichen vorinstallierten Anwendungen übertreibt es Alcatel. Gerade beim Idol 4 sind von 16 Gigabyte ab Werk nur 6,85 Gigabyte frei.

Im VR-Store auf den Idols findet Ihr viele passende Apps(© 2016 CURVED)

Fazit: Größer ist besser

Was die Leistung angeht, erinnern mich die beiden Alcatel-Geräte erinnern an "Twins". Nicht die Olsen-Twins Mary-Kate und Ashley, sondern den Film "Twins" mit Danny DeVito und Arnold Schwarzenegger. Wenn Ihr Euch für die Smartphones interessiert, solltet Ihr also unbedingt das größere, leistungsstärkere Idol 4s ins Auge fassen. Das ist mit 499 Euro zwar auch nicht gerade günstig, immerhin aber auf der Höhe der Zeit.

Auch wenn es mit Brille als Verpackung kommt, taugt das Idol 4 kaum als VR-Smartphone. Dafür ist die Display-Auflösung zu gering. Wer sich ernsthaft für Virtual Reality auf Smartphones interessiert, sollte über den Sommer ohnehin kein Gerät kaufen und abwarten, bis die ersten Daydream-ready-Geräte auf den Markt kommen.


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