Amazon Fire HD 10 (2017) im Test: die Medienmaschine zum Kampfpreis

Beim Fire HD 10 stehen Amazons Dienste im Vordergrund.
Beim Fire HD 10 stehen Amazons Dienste im Vordergrund.(© 2017 CURVED)

In Sachen Tablets ist das iPad das Maß der Dinge. Mit dem überarbeiteten Fire HD 10 zum Kampfreis will Amazon dagegen halten. Ob das klappt? Wir machen den Test.

Wofür braucht man 2017 ein Tablet? Geht es nach Apple, ersetzt die iPad Pro-Reihe mit dem verbesserten Multitasking ab iOS 11 bald zum großen Teil den PC und das Notebook. Für alles andere, also Entertainment und Gaming, gibt es das normale iPad – oder die Fire-Geräte von Amazon. Wie kein anderer Hersteller lädt der Versandhändler mit seinen Tablets die Kundschaft zum Konsumieren ein. Dabei kommt Amazon stark über den Preis. Das günstigste Fire gibt es für Prime-Kunden schon ab 55 Euro zu kaufen.

Ein Gehäuse aus Kunststoff

Auch das neue Fire HD 10 wird für ein Tablet in der Größenordnung zum Kampfpreis, nämlich für knapp 180 Euro, angeboten. Der Deal mit den Käufern: Das Tablet gibt es fast geschenkt, das Geld kommt stattdessen über Inhalte rein. Sei es, weil Ihr Filme bei Prime Video oder eBooks aus dem Kindle Store einkauft, Amazons Cloud-Speicher oder den Musik-Dienst Amazon Music Unlimited benutzt.

Der Kaufpreis macht aber auch klar: So richtig viel Geld kann da nicht in die Design-Abteilung geflossen sein. Folgerichtig kommt das Fire HD 10 nicht im edlen Aluminium- sondern im Kunststoffgehäuse. Im Rahmen eines Presse-Events konnte ich mir das neue Fire HD 10 vorab schon einmal ansehen. Da steckte es in einer Hülle. Die lag unserem Testgerät nicht bei. Das ist schade. Denn in die Hülle ließ das Tablet robuster erscheinen, als es in Wirklichkeit ist. Besonders an den Seiten fühlt sich die Verarbeitung nicht sauber an, das Plastik knarzt und lässt sich etwas eindrücken.

Von vorn macht das Tablet einen ganz soliden Eindruck. Der Bildschirm zeigt Inhalte mit 1920 x 1200 Pixeln an. Das ist auf dem 10,1 Zoll großem Display zwar nicht superscharf, der Preisklasse aber durchaus angemessen. Es reicht zum Lesen von Magazinen, eBooks und Webseiten. Filme und Serien sehen darauf zwar nicht brillant, aber auch nicht übermäßig schlecht aus. Fürs Ansehen der Lieblingsserie unterwegs reicht es allemal. Bildgewaltige Blockbuster sollte man sich aber lieber doch am TV ansehen. Etwas enttäuschend sind die Lautsprecher. Zwar steht Dolby auf der Verpackung, womit Amazon Dolby Atmos meint, entgegen des großen Namens klingen die Speaker aber eher dünn. Greift hier lieber auf Kopfhörer zurück.

Genügend Leistung für wenige Apps

Um Serienfolgen oder Apps für unterwegs herunterzuladen, stehen Euch je nach Ausstattung 32 oder 64 Gigabyte (GB) Speicher zur Verfügung. Zusätzlich könnt Ihr bis zu 256 GB per microSD-Karte nachrüsten. Das reicht für lange Reisen locker. Für eine fixe Bedienung sorgt ein MediaTek-Prozessor mit vier Kernen, von denen je zwei mit 1,4 und 1,8 Gigahertz takten. Dazu gibt es 2 GB Arbeitsspeicher, so viel wie in keinem anderen aktuellen Fire-Tablet. Das reicht, um alle Apps im Amazon App Store ruckelfrei zu starten und zu bedienen.

Von denen gibt es nur leider nicht so viele wie bei Google oder Apple. Denn Amazon installiert auf seinen Tablets eine stark angepasste Android-Version, genannt Fire OS. Die hat auch Vorteile. So könnt Ihr vom Start-Screen aus direkt auf Eure Kindle-Bibliothek, die Prime-Video-Mediathek, Audbible oder den Zeitungskiosk zugreifen oder in Ruhe durch die Kategorien swipen. Der Nachteil an Fire OS: Weil Amazon auf den eigenen App-Store setzt und keinen Zugriff auf den Google Play Store zulässt, bleibt das Angebot an Apps überschaubar.

Chrome, Google Fotos oder "Super Mario Run" gehören zum Beispiel nicht zum Angebot. Auch hier gilt: Amazon first! Ihr sollt Eure Fotos lieber in die Amazon-Cloud laden und nicht in die von Google. Dabei sind immerhin viele Standard-Apps wie Facebook, Instagram oder Spotify. Netflix und diverse Mediatheken lassen sich ebenfalls installieren und im Falle von Netflix auch offline nutzen. So steht dem Serienmarathon unterwegs nichts im Wege.

Warten auf Alexa

Was noch fehlt, ist die allergrößte angekündigte Neuheit. Auf dem Fire HD 10 soll eigentlich auch Alexa als "Handsfree"-Version zum Einsatz kommen. Wie bei einem Echo sollt Ihr die Assistentin über das Hotword "Alexa" wecken und mit Fragen löchern können. Im Prinzip steht das Tablet den smarten Lautsprechern dann in nichts nach. Wie auf dem Echo Show würden Antworten auch visualisiert. Fragt Ihr zum Beispiel nach dem Wetterbericht, würde auf dem Bildschirm die Vorhersage für die nächsten Tage angezeigt.

Mit der Frontkamera ist grundsätzlich Videotelefonie möglich. Nur nicht über Alexa.(© 2017 CURVED)

Die Steuerung von Smart-Home-Geräten wird über das Tablet ebenfalls möglich sein. Was dagegen wohl nicht geht, sind die vom Echo Show bekannten Videoanrufe. Darauf lassen die Tests von US-Medien schließen, bei denen Alexa bereits funktioniert. Hierzulande will Amazon das nötige Update noch 2017 auf die Tablets bringen. Davon sollen auch alle anderen aktuellen Fire-Tablets profitieren. Auf denen funktioniert Alexa dann nicht auf Zuruf, sondern indem Ihr die Home-Taste länger gedrückt haltet.

Fazit: von Amazon für Amazon

Das Amazon Fire HD 10 in der Neuauflage ist kein schlechtes Tablet. Schon gar nicht für den Preis. Die Verarbeitungsqualität könnte besser sein, aber ansonsten hat sich das Gerät als solide Medienmaschine erwiesen. Wenn man sich selbst hauptsächlich im Amazon-Universum bewegt und und wohl fühlt oder einfach ein Gerät für den Nachtschrank sucht, macht man mit dem Fire HD 10 nichts verkehrt. Wollt Ihr dagegen immer die aktuellsten Apps und Spiele und auch abseits vom Entertainment etwas mit dem Tablet machen, investiert lieber ein paar Euro mehr und greift zum iPad (2017).

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