Apple Watch 5 im Test: Die riesige App-Auswahl hat ihren Preis

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Die neue Apple Watch 5 macht auch optisch einiges her.
Die neue Apple Watch 5 macht auch optisch einiges her. (© 2019 CURVED)

Auf der Keynote im September stellte Apple seine heißbegehrten neue Produkte vor. Neben der neuen iPhone-Generation wurde auch das neue Wearable präsentiert: die Apple Watch 5. Die will vor allem durch ihre Vielseitigkeit und ihre Features überzeugen. Ob ihr das gelingt und für wen sich die Smartwatch lohnt, erfahrt ihr im Test. 

Wie bei Apple-Produkten üblich war auch bei der Apple Watch 5 schon das Auspacken Teil der Erfahrung. Jeder Millimeter Karton wirkt speziell auf die Formen von Watch und Band angepasst und passen perfekt ineinander – fragt nicht warum, aber mit diesen Kleinigkeiten weiß Apple bei mir zu gefallen.

Danach noch das Armband in die vorgesehenen Aussparungen am Rand der Apple Watch eingefügt – und schon ist der Aufbau abgeschlossen. Soweit, so smart.

Das Design der Apple Watch 5: Weniger ist mehr

Das Anlegen gestaltet sich meiner Ansicht nach aufgrund des unkonventionellen Verschlusses etwas umständlich: Denn ist das passende Loch gefunden und auf den Stift gedrückt, soll das noch abstehende Ende zwischen Band und Arm gesteckt werden. Dabei habe ich mir dann doch mal die Haut eingeklemmt.

Doch darüber kann man hinwegsehen – Apples Slogan "Think Different" wird eben auch im Produktdesign aktiv gelebt. Auch das Aussehen der Uhr ist definitiv einzigartig und wird gern als, nennen wir es Inspirationsquelle genutzt.

Rein optisch finde ich: Die neue Apple Watch macht wirklich einiges her. Das minimalistische Design der Series 5 gefiel mir auf den ersten Blick. Das Displayglas und das matt-graue Aluminiumgehäuse sind wertig, schlicht und machen einfach einen edlen Eindruck. Alternativ ist die Watch auch mit Edelstahl-, Titan- oder Keramik-Gehäuse erhältlich (Keramik kehrt als Material zurück, Titan ist bei der Series 5 neu). Auch bei den Armbändern steht dem Käufer eine breite Palette an Farben, Materialien und Formen zur Auswahl.

Wer wie ich kein Fan von überladenen Uhrendesigns ist, dem wird die Apple Watch 5 gefallen. Wie schon bei den Vorgängern befindet sich an der Außenseite außer einer Krone, mit der ihr geschmeidig durch die Menüs steuert, nur ein eingelassener Knopf, der perfekt mit dem Gehäuse abschließt. Schlicht und simpel – der Look ist schon mal ziemlich smart.

Einrichtung: Reibungslos – solange ihr ein iPhone besitzt

In meinen Augen nicht so smart und mit mein größter Kritikpunkt ist die Tatsache, dass sich die Apple Watch Series 5 wie schon alle Vorgänger nur mit iPhones koppeln lässt – und selbst da gibt es Abstriche. Nur iPhones mit mindestens Softwareversion iOS 13 können sich mit der Apple Watch verbinden.

Da ich Besitzer eines Redmis bin, hieß das für mich: Fehlanzeige. Kein iPhone – keine (vollwertige) Apple Watch. Eigentlich schade, aber es ist ja weitestgehend bekannt, dass Apple auf das geschlossene System setzt. Also in Sachen markenfremde Anschlüsse, Stecker und Geräte eine sehr restriktive Politik fährt.

Das soll aber nicht heißen, dass man die Apple Watch 5 ohne iPhone überhaupt nicht nutzen kann – die Nutzung ist aber nur eingeschränkt möglich: Um Apps zu downloaden, müsst ihr schließlich einen Apple Account besitzen, ohne Kopplung könnt ihr über die Uhr nicht telefonieren, chatten und so weiter.

Habt ihr allerdings ein iPhone - übrigens muss es mindestens ein iPhone 6s oder neuer sein –, ist die Apple-Uhr schnell verbunden. Einfach die vorinstallierte Watch App öffnen und die Series 5 anvisieren – fertig ist die Kopplung.

Die Funktionen: Viele Optionen, vor allem für Fitnessfreaks

Übrigens könnt ihr die Watch auch nutzen, wenn ihr euer iPhone mal nicht dabeihabt. Aber nur, sofern ihr zuvor über euer iPhone eine eSIM installiert habt. So könnt ihr mit der Apple Watch 5 wie schon mit dem Vorgänger, der Series 4, auch ohne Smartphone telefonieren und schreiben.

Das dürfte vor allem für die unter euch interessant sein, die gerne mal Sport treiben ohne das Smartphone in der Hosentasche zu tragen – und trotzdem erreichbar bleiben wollen. Für die richtige musikalische Untermalung könnt ihr für euer Workout außerdem Songs auf dem 32 Gigabyte umfassenden internen Speicher sichern.

Apropos Sport: Die diversen Fitnessprogramme machen die Series 5 selbstverständlich zu einem idealen Begleiter, geht es um körperlich Ertüchtigung. Egal ob Gehen, Wandern, Crosstrainer, Rudern, Beckenschwimmen, Yoga, Freiwasserschwimmen oder Outdoor-Rollstuhl-Training im Gehtempo: Die Apple Watch 5 bietet dir für unzählige Trainings das passende Programm. Deine Rekorde werden natürlich gespeichert, um dich auch weiterhin zu Bestleistungen anzuspornen. Dabei wird eure Herzfrequenz dauerhaft gemessen und für spätere Analysen gespeichert.

Ist man eher der gemütliche Typ, weist die Series 5 über die Aktivitätsringe freundlich darauf hin, dass man nach einer längeren Ruhephase wieder aufstehen und sich bewegen sollte – vor allem im Büro ein nettes Feature, denn wie oft ertappt man sich selbst dabei, in einer nicht gerade rückenfreundlichen Pose auf dem Stuhl zu "sitzen". Teilt man seine Aktivitäten mit Freunden, könnt ihr in Wettstreit treten und versuchen, sich gegenseitig zu überbieten – gut für die Motivation!

Der Alltagstest: Herzschlagsensor, Kompass und Aktivitätsringe

Im Alltagstest schlägt sich die Uhr gut – lässt aber auch Raum für Kritik. Prinzipiell kann man mit der Uhr im Alltag so einiges anstellen: Ich konnte über das eingebaute Mikrofon Memos aufnehmen, Notizen machen (über das eingebaute Touchpad könnt ihr mit den Fingern schreiben – zwar ziemlich langsam, aber es geht) oder einsprechen (das geht um einiges schneller und funktioniert nahezu fehlerfrei) und bezahlen.

Vor allem die Bezahlfunktion über Apple Pay ist sehr praktisch. Zweimal die Seitentase gedrückt, Karte ausgewählt und ans Lesegerät gehalten – schon habt ihr karten- und bargeldlos bezahlt. Ziemlich einfach - ziemlich smart.

Für wiederum nicht so smart halte ich persönlich das Always-On-Display. Warum? Weil dadurch die eklatant geringe Akkulaufzeit noch weiter heruntergezogen wird. Ihr müsst die Watch bei normaler Nutzung jeden Tag laden – bei intensiver Nutzung hält sie nicht mal 24 Stunden durch. Klar, dass es da keine Schlafanalyse gibt.

Dazu sei gesagt: Ich habe für meinen Test die größere 44-Millimeter-Version genutzt. Zwar hält Apple konkrete Daten oft gern geheim, doch bei der 40-Millimeter-Variante scheint eine neuartige Akkutechnik zum Einsatz zu kommen. Vielleicht hält die kleinere Uhr ja länger. Ganz entgegen der Regel: "Je größer das Gehäuse, desto größer der Akku, desto länger die Laufzeit."

Damit schneidet die Apple Watch Series 5 im Vergleich zur Konkurrenz relativ kläglich ab - teilweise sind dort Laufzeiten von locker einer Woche wie bei der Huawei Watch GT 2 möglich. Die vielen Features haben eben nicht nur ihren finanziellen Preis und der heißt: Laufzeit.

Falls ihr ins Kino oder auf ein Konzert geht, könnt ihr immerhin den "Theatermodus" einschalten, der das Licht des Bildschirms dimmt. Das macht die Konkurrenz besser und gibt wie bei der Galaxy Watch Active 2 zum Beispiel die Möglichkeit, das Always-On-Display auch auszuschalten.

Fazit: Die Features haben ihren Preis

Die Apple Watch 5 ist eine hochmoderne Smartwatch mit vielen Features. Der satte Preis von mindestens 449 Euro (mit Keramikgehäuse und Gliederarmband könnt ihr auch gut 1.850 Euro ausgeben) ist nichts für jedermanns Geldbeutel. Die Funktionen sind äußerst vielfältig, vom Kompass bis zum bargeldlosen Bezahlen ist die Watch mit so ziemlich allem ausgestattet, was man braucht. Die Akkulaufzeit ist allerdings dürftig.

Die Specs (44mm-Version)

  • Länge: 44 mm
  • Breite: 38 mm
  • Gewicht: 36,7 g
  • Betriebssystem: watchOS 6
  • Speicherplatz: 32 GB
  • Herzschlagsensor
  • Gyroskop
  • Beschleunigungsmesser
  • barometrischer Höhenmesser
  • GPS
  • Lautsprecher
  • SoC: 64-bit dual-core S5 Prozessor
  • Bluetooth 5.0
  • Lithium-Ionen-Akku
  • Wasserresistenz bis 50 Meter
  • GPS/ GNNS
  • Wi-Fi (802.11b/g/n 2.4GHz)
  • Always-On-Retina-Display

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