Beats Studio3 Wireless im Test: gutes Noise-Cancelling fürs iPhone

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Die neue Beats Studio3 Wireless in Rot
Die neue Beats Studio3 Wireless in Rot(© 2017 CURVED)

Kopfhörer mit aktivem Noise-Cancelling (ANC) sind der große Trend im Kopfhörer-Segment. Nach Jahren der Alleinherrschaft durch Bose will nun auch Beats mitmischen. Wir haben die Studio3 Wireless getestet.

Look und Feel

Der Beats-Kopfhörer Studio3 hat im Vergleich zu anderen aktuellen Noise-Cancelling-Kopfhörern kleinere Ohrpolster, der Bügel kein Kissen. Insgesamt sitzt er straffer als die Modelle von Bose und Sennheiser. Dadurch kann er mit der Zeit unbequem am Kopf werden. Die Ohrpolster lassen sich beim Studio3 übrigens nicht drehen. Seid ihr Brillenträger, wird der straffe Sitz des Beats Studio3 nochmal verstärkt, da die Ohrposter auf die Brillenbügel drücken.

Abgesehen von der knallroten Signalfarbe kommt Beats' Studio3 optisch eher schlicht daher. Auf der linken Ohrmuschel ist das "b"-Logo gleichzeitig die Taste zum Starten und Stoppen der Musik, der Ring darum verändert durch Klicken die Lautstärke. An der rechten Ohrmuschel befindet sich ein kleiner Knopf zum Ein- und Ausschalten des Kopfhörers. Drückt man diesen zweimal kurz hintereinander, schaltet man das sogenannte "Pure ANC" ein.

Die Kopplung etwa mit einem iPhone oder iPad ist denkbar einfach. Möglich macht das der verbaute Apple-Chipsatz. Das kennt man auch schon von den In-Ears mit dem W1-Chipsatz, den BeatsX. So muss das Gadget lediglich neben dem iPhone oder iPad eingeschaltet werden. Schon fragt das Gerät, ob wir den Kopfhörer verbinden wollen. Eine kurze Bestätigung, fertig!

So gut funktioniert die Geräuschunterdrückung

Ob man die Umgebungsgeräusche rausfiltern will, um einfach seine Ruhe zu haben oder sich besser auf die Musik konzentrieren zu können: Noise Cancelling funktioniert über Antischallwellen. Das meint künstlich erzeugten Schall, dessen Wellen entgegengesetzt der Wellen der Umgebungsgeräusche polarisieren. Und wie wir das noch aus der Mathematik kennen, wird +1 addiert mit -1 am Ende Null - der Schall wird ausgelöscht. Das nennt man dann: Active Noise Cancelling (ANC).

Der kleine Haken: Das Signal, das die Kopfhörer durch ihre Außenmikrofone bei dieser Technik messen, ist nicht identisch mit dem, was am Ohr ankommt. Der Schall klingt logischerweise außen am Kopfhörer anders als darunter. Das führt dazu, dass am Ende die entgegen der Umgebung berechnete Schallwelle nie perfekt ist und somit das Ergebnis nicht Null wird. Hohe Frequenzen haben außerdem eine kürzere Wellenlänge und sind dadurch schwieriger in Echtzeit zu berechnen als lange Wellen, also tiefe Frequenzen. Das heißt für die Musik unterm Kopfhörer, dass auch bei der besten Technik Interferenzen entstehen und sie somit klanglich verändert wird.

Um das Klangbild und die Geräuschunterdrückung zu verbessern, hat Beats jetzt auch im Kopfhörer – nicht nur außen – Mikrofone verbaut und fügt das dort aufgenommene Signal mit dem ANC-Ergebnis zusammen. Beats nennt das "Pure ANC". Im Gespräch mit CURVED erklärte Beats-CEO Luke Wood, dass man bei der Entwicklung sehr durch die Übernahme von Apple profitiere habe mit Blick auf das Know-How der Apple-Ingenieure: "Das begann beim W1-Chip für die Verbindung und auch die neue Geräuschunterdrückung hätten wir in der Form ohne das Wissen und die Möglichkeiten von Apple so nicht umsetzen können."

Der Beats Studio3 verfügt über einen Knopf für das Aktivieren und Deaktivieren von Pure ANC. Ist es aktiviert, passt sich der Kopfhörer ständig an wechselnde Umgebungsgeräusche an. Das funktionierte im Test beeindruckend gut. Bei Straßenlärm und im Café eliminierte der Kopfhörer das Grundrauschen nahezu komplett. Dass das Noise-Cancelling aber tatsächlich dynamisch vonstatten geht, merkte man spätestens beim Ventilatortest, der starken Wind simulieren soll. So war das Rauschen für ein paar Sekunden zu hören, dann stellte sich der Kopfhörer automatisch darauf ein, und das Rauschen verschwand.

So klingt der Beats Studio3 Wireless

Der Beats Studio3 übertreibt die Tiefmitten bei der Klassik, sodass die Streicher nicht so brillant rüberkommen. In der Filmmusik kreiert zum Beispiel Hans Zimmer schon dunkle Mixes, aber dieser Kopfhörer drückt nochmal so drauf, dass es fast schon entstellend tönt. Am Anfang von "160 bpm", einem Titel aus "Angels & Demons", klingt eine Hi-Hat. Unter diesem Kopfhörer ist sie gefärbt, die folgenden Drums klingen sehr dumpf. Bei Electromusik mach Beats alles dicht. Wenn man sich zudröhnen möchte, kommt das sehr gut, doch klanglich werden die Höhen abgeschnitten. Bassliebhaber kommen vor allem bei den Rap/Pop/Dance-Titeln auf ihre Kosten. Der Bass drängt sich in den Vordergrund, bleibt aber dennoch immer hinter den Vocals. Typisch Beats!

Laufzeit

Die Beats Studio3 Wireless schafft 22 Stunden Wiedergabezeit bei eingeschaltetem Pure ANC. Deaktiviert ihr die Geräuschunterdrückung, sind es sogar bis zu 40 Stunden. Aufgeladen wird der Kopfhörer per Micro-USB. Zehn Minuten am Strom liefern bis zu drei Stunden zusätzliche Wiedergabezeit.

Preis und Lieferumfang

Der Beats Studio3 kostet aktuell 299 Euro (Preis zum Start: 350 Euro) und ist in den Farben Rot, Blau, Schwarz, Weiß sowie Grau und Porzellan erhältlich. Im Lieferumfang sind ein USB-Ladekabel, ein Audioklinkenkabel und ein stabiles Transportcase enthalten.

Fazit

Der Studio3 Wireless ist ein Beats-Kopfhörer durch und durch: knallige Farben und basslastiger Sound. Doch für Fans der Marke ist das kein Manko, sondern ein Kaufgrund. Auch wenn uns der Klang nicht wirklich überzeugen kann, so funktionierte das Noise-Cancelling im Test überraschend gut.

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