Fitbit Coach im Test: personalisierte Alltags-Workouts für Zuhause

Fitbit Coach ist eine neue personalisierte Trainings-App für zuhause.
Fitbit Coach ist eine neue personalisierte Trainings-App für zuhause.(© 2017 CURVED)

Im September hat Fitbit die neue Trainings-App "Fitbit Coach" vorgestellt. Diese ist eine Weiterentwicklung der App "Fitstar Personal Trainer". Was ist neu? Die Fitness-Workouts sollen absolut alltagstauglich sein und individuell auf die Nutzer und ihre persönlichen Fitness- und Lauf-Ziele eingehen. Hier folgt das Test-Urteil der Abo-App.

0815-Workouts, in denen sich jeder wiederfinden soll, sind nicht mehr besonders beliebt. Denn es geht längst auch individueller: Fitnesstracker wie Trainings-Apps sammeln nicht mehr bloß fleißig Daten, sondern wenden diese zunehmend sinnvoll an, indem sie konkrete Empfehlungen geben und Workouts persönlicher zuschneiden.

Diesen entscheidenden Schritt geht auch Fitbit mit der neuen Coach-App: Die Trainings-App bietet dynamisches Video- oder Audio-Coaching, das sich an den Zielen, Trainingsfortschritten und am Feedback des  Nutzers zu vorangegangen Workouts orientiert und entsprechend anpasst. Dazu zählt auch die persönliche Ansprache der App, denn der Nutzer wählt den Coach, der ihn durch die App führt, selbst aus. Derzeit sind das Lea oder Adrian, die ich direkt im Einstiegstest und später in den Workouts sehe. Beim Fitnesstest geht es darum, so viele Wiederholungen wie möglich in sechs klassische Fitnessübungen wie Ausfallschritte, Stützvariationen, der Superman und eine Bauchübung in acht Minuten zu absolvieren.

Fitbit Coach hält Einzug auf der Smartwatch Ionic

Zur Kalibrierung übernimmt die die Coach-App auch eure Daten (Geschlecht, Alter, Gewicht) aus der Fitbit-App, falls ihr ein Wearable habt.  Andersherum sendet sie eure absolvierten Workouts zur Dokumentation in die Companion-App. Besonders interessant wird die Coach-App in Kombination mit der neuen Fitbit Ionic: Trainingsvideos können über die Smartwatch angeschaut und in Verbindung mit einem Bluetooth-Headset ab dem kommendem Jahr auch angehört werden. Dazu ist allerdings ein Premium-Abo bei Fitbit Coach notwendig. Auch wer keinen Tracker hat, kann Fitbit Coach nutzen. Entweder über die kostenlose App für Android und iOS oder, wer die Übungen lieber über den Monitor nachahmen möchte, ruft sie über den Browser ab. So oder so braucht man allerdings ein Premium-Abo, um die App richtig zu nutzen: Die Preise liegen zwischen 8,99 Euro bis 43,99 Euro im Jahr.

Fitbit Coach funktioniert auch auf der Smartwatch Ionic.(© 2017 CURVED)

Vier Trainingsprogramme und rund hundert Workouts für drin und draußen

Nutzer können aus vier Trainingsprogrammen wählen und bekommen dann künftig passende Workout-Vorschläge auf ihrem Dashboard:

  • "Get Moving" beinhaltet Grundlagen für Anfänger in einem Training pro Woche (10 bis 20 Minuten)
  • "Get Lean" stellt die Fettverbrennung in den Fokus für schnelle Abnehmerfolge mit vier Trainings pro Woche (30 bis 50 Minuten).
  • "Get Strong" verfolgt den Muskelaufbau und kombiniert Kraftübungen mit dem eigenen Körpergewicht und Cardio-Elemente. Hier sind drei Trainings pro Woche vorgesehen (20 bis 40 Minuten).
  • "Daily Dose" verfolgt ein ganz kurzes Alltagstraining (10 bis 15 Minuten) zur Ergänzung eines aktiven Lebensstils, möglichst an sechs tagen die Woche.

Alternativ kann man auch direkt in die riesige Workout-Auswahl gehen. Hier erwarten euch rund hundert unterschiedliche Trainingseinheiten zwischen sieben Minuten bis zu einer Stunde Dauer für drin oder draußen. Diese ordnen sich in folgende Kategorien ein:

  • 54 Workouts mit dem eigenen Körpergewicht im Intervall-Format
  • acht leichte Audio-Walking-Trainings für draußen bis hin zu Treppen-Intervalltraining für Beginner
  • elf Lauf- oder Treppen-Intervalltrainings für ambitionierte Läufer – ebenfalls in Audio-Form, damit man beim Laufen nach vorne schauen kann
  • 24 Laufband-Trainings für Anfänger bis Fortgeschrittene
  • bei den "Favoriten" hat der Nutzer die Möglichkeit, Workouts für den schnellen Zugriff zu speichern

Die Trainings-Performance mit dem Fitbit Coach

Im Test waren die Workouts schnell geladen und liefen ruckelfrei durch, allerdings braucht man dafür immer eine Internetverbindung und kann die Workouts nicht vorher laden. Die Übungen sind sehr gut erklärt und die Videos dazu professionell umgesetzt. Auch die Zusammenstellung der Übungen ist clever und abwechslungsreich. Leider ist es Nutzern bisher allerdings nicht möglich, eigene Workouts zu erstellen. Verschiedene Aufwärmprogramme gibt es separat als einzelnes Mini-Workout: Besser wäre es, jedes Training automatisch mit ein paar Aufwärmübungen zu starten. Auch ein Faszien-Training als Cooldown wäre eine schöne Ergänzung, die mir hier noch fehlt. Die Coach-Empfehlungen finde ich sehr praktisch: Nach meinem Lauftraining riet mir die App zu einem Rumpf-Workout. Auch das Trainingsniveau passt sich an.

Für Anfänger ist das Audio-Coaching zu den Übungsvideos sehr hilfreich, um Ausdauer, Schnelligkeit und Ausführung zu verbessern. Fortgeschrittene Sportler werden die Übungserklärung jeweils überspringen, weil der Trainer sehr ins Detail geht. Was nervt, wenn man die Übungsklassiker bereits beherrscht. Musik ist da fast überflüssig, wird aber auf Wunsch auch von Fitbit zur Verfügung gestellt in Form von seichten Elektronik-Klängen. Ihr könnt aber auch eure eigene Musik abspielen.

Bisher bietet die App ausschließlich Bodyweight-Training und keine Workouts speziell für das Fitnessstudio. Die einzige Geräte-Übung, die in einem fortgeschrittenen Workout vorkommt, sind Klimmzüge. Dadurch sind Weiterentwicklungen im Training, etwa mit Gewichten, auch irgendwann Grenzen gesetzt und die meisten Übungen wiederholen sich irgendwann. Allerdings will Fitbit hier 2018 nachrüsten und  Crosstraining und Gewichtheben etablieren. Ebenso möchte Fitbit im kommenden Jahr Programme zu Schlaf und Wellness anbieten. Wie man in den Bewertungen im Play-Store lesen kann, sind vor allem Ionic-Nutzer enttäuscht darüber, dass sie für die Nutzung der Fitness-App auf der Ionic, die Fitbit schließlich als Fitnessuhr verkauft, noch extra zahlen müssen.

Fazit: Detailliertes Coaching für Einsteiger, die zuhause trainieren wollen

Viele Nutzer finden den Fitbit Coach insgesamt zu teuer. Das kann ich nachvollziehen. Da gibt es andere Apps, die gutes Training für kleineres Geld bieten: Im Bereich Bodyweight-Training wäre die App "Gettoworkout" zu nennen, bei der man die HIIT-Workouts einzeln kauft. Für das Personal Training mit Equipment empfehle ich die App "Kernkraft", bei der man schon ab fünf Euro im Monat dabei ist und noch umfangreicheres individuelles Training bekommt. Allerdings richten sich beide Apps tendenziell eher an ambitionierte Sportler. Fitbit Coach hingegen ist eine klasse App für Einsteiger, dank detailliertem Coaching und professioneller Videos. Die Workout-Auswahl ist ebenfalls beachtlich, die Personalisierung der Trainings überzeugend: So kann man sich Stück für Stück steigern oder auch laufend neue Meilensteine erreichen, mit passenden Audio-Workouts für draußen oder das Laufband. In Kombination mit einem Fitbit-Wearable motiviert die App natürlich nochmal mehr.


Weitere Artikel zum Thema
Fitbit Versa im Fitness-Test: Smar­tes Schmuck­stück und sport­taug­lich?
Tina Klostermeier
Schlank und stylisch wirkt die Fitbit Versa vor allem an Frauenhandgelenken. Ob sie auch beim Training hält, was sie verspricht?
Fitbit Versa richtet sich zwar nicht explizit nur an Frauen, macht aber als schlanke Fitness-Smartwatch einiges her. Ob sie auch beim Sport überzeugt?
Face­book: Gesichts­er­ken­nung rollt nun auch in Deutsch­land aus
Francis Lido1
Facebook-Gründer Mark Zuckerberg
Ausgerechnet jetzt: Dem Datenskandal zum Trotz führt Facebook seine Gesichtserkennung in Deutschland ein. Wir verraten euch, wie ihr sie ausschaltet.
UE Blast und Megab­last erhal­ten Spotify Connect und großes App-Update
Christoph Lübben
Ultimate Ears Blast und Megablast bieten euch künftig mehr Funktionen
UE Blast und UE Megablast erhalten viele neue Features: Spotify Connect, neue Alexa-Befehle, Multiroom und personalisierte Equalizer kommen noch 2018.