"God of War" für PS4 im Test: Wenn der Vater mit dem Sohne...

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Kratos erfindet sich neu und kann trotzdem vollends überzeugen.
Kratos erfindet sich neu und kann trotzdem vollends überzeugen.(© 2018 SCIEE)

Seit nunmehr 13 Jahren verbreitet der wütende Halbgott Kratos Chaos und Zerstörung auf den Sony-Konsolen. Mit dem neuen Teil der "God of War"-Serie will der Entwickler nun ein völlig neues Kapitel der Saga aufschlagen. Ist die Neuinterpretation des beliebten Actionspiels gelungen? Unser Test von "God of War" für die PS4 verrät es euch.

Schon im Vorfeld sorgte das neue "God of War" für dezente Unruhe bei den Fans. Denn Serienschöpfer Cory Barlog und das Sony Santa Monica Studio hinter ihm wollen der Reihe mit dem neuen vierten Teil eine Frischzellenkur erster Güte verpassen. Schon die ersten Trailer zeigten einen deutlich milder gestimmten Kratos, der auf seiner abenteuerlichen Reise durch die nordische Mythologie jetzt von seinem Sohn Atreus begleitet wird. Müssen bei der serientypischen Brachialität, dem gewohnten Grafik-Overkill und dem Spielspaß ob der völlig neuen Ausrichtung nun Abstriche gemacht werden? Mitnichten, denn das genaue Gegenteil ist der Fall! Wie und warum sich das neue "God of War" zur absoluten Referenz im hartumkämpften Genre der Action-Adventures mausert, entnehmt ihr den folgenden Zeilen:

Der geschundene Halbgott Kratos sieht sich erneut schier unlösbaren Aufgaben gegenüber.(© 2018 SCIEE)

Die Reise beginnt

Nachdem der rachsüchtige Halbgott Kratos in "God of War 3" im Blut der griechischen Götter gebadet und sich ihrer entledigt hat, bricht für den zornigen Haudegen ein neues Leben an. Mit seiner Frau und seinem Sohn Atreus lebt er in der eisigen Ödnis des tiefsten Nordens. Doch das beschauliche Leben ist – natürlich – nur von kurzer Dauer. Als seine Frau stirbt, folgen Kratos und Atreus ihrem letzten Wunsch. Ihre Asche soll auf dem höchsten Berg von Midgard ihre letzte Ruhe finden. So machen sich die beiden nun auf den langen und beschwerlichen Weg und euch werden die wohl besten 40 - 50 Stunden zuteil, die ihr in jüngster Zeit mit einem Action-Adventure zugebracht habt. Ja, richtig gelesen: Neben zahlreichen brandneuen Spielmechaniken erwartet euch im neuen "God of War" ein deutlich erweiterter Spielumfang, was nicht zuletzt dem deutlich gemächlicheren Tempo geschuldet ist. Doch dazu später mehr.

Atreus nimmt Abschied von seiner geliebten Mutter.(© 2018 SCIEE)

Der junge Atreus

Kratos weiß, dass sein Sohn für die bevorstehende Reise noch nicht bereit ist: Nach langer Krankheit hat sich der Filius zurück ins Leben gekämpft und versucht nun mit aller Macht seinem Vater nachzueifern – auch wenn er keinen blassen Schimmer davon hat, was Kratos in seiner Vergangenheit umgetrieben hat, ganz zu schweigen von der Tatsache, dass sein Vater – Sohn des Zeus  – ein waschechter Halbgott ist. Schon der Beginn ihres gemeinsamen Abenteuers steht auf wackligen Füßen: Atreus ist mit seinem Bogen noch lange nicht dort, wo Kratos ihn gerne sehen würde. Doch Atreus lässt sich nicht beirren und gibt sich alle Mühe, seinem Vater zu gefallen.

Des Öfteren weist Kratos seinen noch sehr unerfahrenen Sohn forsch zurecht.(© 2018 SCIEE)

Bei der Jagd verbucht Atreus zwar erste Erfolge, als er einen mystischen Hirschen zu Fall bringt, doch schon kurz darauf sehen sich die beiden der ersten ernsthaften Bedrohung gegenüber: Ein riesiger Troll beansprucht das Wild für sich und ihr erlebt das erste Mal das völlig neue und überarbeitete Kampfsystem in "God of War". Denn anders, als in den Vorgängern, seht ihr Kratos nun direkt über die Schulter, die Kamera ist viel näher dran am Geschehen und lässt euch so deutlich besser und viel intensiver an der Action auf dem Bildschirm teilhaben.

Der erste große Gegner macht euch unsanft mit dem neuen Kampfsystem vertraut.(© 2018 SCIEE)

Genial und brachial

Vorrangig arbeitet ihr mit eurer magischen Frost-Axt, die den klangvollen Namen "Leviathan" trägt. Mit einem leichten oder schweren Schlag setzt ihr den Gegnern zu oder aktiviert per Tastenkombination einen durchschlagskräftigen Zauber. Natürlich lässt sich Leviathan auch ganz vortrefflich zum Werfen einsetzen. Der Clou dabei: Wie der berühmte Hammer "Mjölnir" des Donnergottes Thor, kehrt eure Axt nach einem Wurf per Tastendruck wuchtig in eure offene Hand zurück. Auch die vielen, teilweise recht knackigen aber immer unterhaltsamen Rätsel in der weitläufigen Spielumgebung fordern euch behände Wurfkünste mit der Axt ab. Natürlich lassen sich die Effekte, die die Axt beim Werfen hervorruft nach und nach mit Runen und Fähigkeitspunkten verbessern oder verändern. Sind einige der turmhohen Unholde zu Beginn des Spiels noch eine Herausforderung, braucht es später schon gewaltigere Kaliber, um euch den Schweiß auf die Stirn zu treiben.

Atreus unterstützt euch im Kampf mit seinem – ebenfalls aufrüstbaren – Bogen. Per Tastendruck gebt ihr den Befehl, Pfeile zu verschießen, mit denen Atreus die Aufmerksamkeit auf sich lenkt, und euch die Möglichkeit gibt einen neuen Angriff in den Rücken des Monsters zu starten.

Habt ihr lange genug auf die großen und kleinen Gegner eingedroschen, macht Kratos seinem Namen und seiner Vergangenheit alle Ehre: Dann wird ein Tastensymbol über dem Kopf des Gegners angezeigt und ihr holt zum finalen Schlag aus. Das ist nicht selten ein sehr blutiges aber höchst beeindruckend anzuschauendes Spektakel: Gegner werden in zwei Hälften gerissen, es erfolgt ein kieferorthopädischer Eingriff per Axt oder Kratos trennt gleich den ganzen Kopf vom Körper. Anders als früher sind diese "Finishing-Moves" aber keine Quick-Time-Events mehr, es wird lediglich eine kurze Sequenz abgespult und der Unhold segnet das Zeitliche. Hier gilt die Faustregel: Je größer und gewaltiger ein Gegner daherkommt, umso brachialer wird auch sein Bildschirmtod sein.

Auch ein gewaltiger Drache kann Kratos und Atreus nicht aufhalten – oder doch?(© 2018 SCIEE)

Was gibt es noch?

Neben dem runderneuerten Kampfsystem hat "God of War" auch bei der Gestaltung und Größe der Spielwelt massiv zugelegt. Wir verraten euch hier sicher keine Details, die ihr selber erleben wollt, aber die verschiedenen Welten, die ihr im Spielverlauf besucht sind vollgestopft mit alternativen Wegen, zahlreichen Geheimnissen, Schätzen und Rohstoffen, die ihr spätestens dann dringend benötigt, wenn euch einer der beiden verfeindeten Zwergen-Brüder begegnet, die sich für die Verbesserung eurer Ausrüstung verantwortlich zeigen. Die beiden Streithähne haben neben witzigen Anekdoten ab und zu auch einige Nebenaufgaben in petto, die ihr tunlichst abhaken solltet um zusätzliche Erfahrungspunkte, Währung und seltene Items zu erhalten.

Hygiene-Freak Sindri kann seinen Bruder nicht ausstehen, verbessert aber bereitwillig eure Ausrüstung.(© 2018 SCIEE)

Die neuen Rollenspiel-Elemente in "God of War" bieten eine willkommene Abwechslung und werten das spannende und wendungsreiche Abenteuer von Kratos und Atreus noch einmal zusätzlich auf. So gilt es hier nicht – wie in den Vorgängerspielen – wie von der Tarantel gestochen von einem Scharmützel zum nächsten zu hetzen, ihr könnt die Welten ganz nach eurem Gusto genießen und euch in eurem gewünschten Tempo durch das Spiel bewegen. Wobei wir schon bei einem der größten und für viele Spieler auch sicher wichtigsten Punkte wären: der Grafik.

Augen- und ohrenbetäubend

Bildeten "Uncharted 4" und "Horizon Zero Dawn" bis jetzt die Speerspitze was Optik und Inszenierung auf der Playstation 4 angeht, müssen diese alten Könige mit dem Erscheinen von "God of War" wohl endgültig abdanken. Was hier auf dem Bildschirm abgefeiert wird, ist schon fast nicht zu glauben: Ein unwirklich hoher Detailgrad bei Figuren und Umgebung wird durch famose Lichtspielereien und knackscharfe und damit äußerst glaubhafte Oberflächenstrukturen komplettiert. Kurzum: "God of War" ist bis jetzt mit Abstand das grafisch beeindruckendste Spiel auf der Playstation 4. Wie die Entwickler es geschafft haben, diese Pracht und die krachenden Spezialeffekte auch auf der normalen PS4 zum Laufen zu bringen, bleibt wohl ihr Geheimnis. Und wer von euch eine PS4 Pro sein Eigen nennt, freut sich über eine wahlweise noch höhere Auflösung oder eine verbesserte Bildwiederholrate. Auch die Begleitmusik ist perfekt auf "episches Abenteuer" getrimmt und verwöhnt eure Lauscher mit unaufdringlichen aber sehr stimmungsvollen Melodien, die stellenweise entfernt an Howard Shores Soundtrack zu "Herr der Ringe" oder Hans Zimmers "Gladiator"-Begleitmusik erinnern.

Nicht nur die Spuren im tiefen Schnee sind ein absoluter Augenschmaus.(© 2018 SCIEE)

Fazit: Das nächste große Ding

Die Sorgen der Fans im Vorfeld waren glücklicherweise komplett unbegründet. Denn die Neuerungen in "God of War" werten die einstmals eher eindimensionale Action gehörig auf. Das tolle und perfekt inszenierte Zusammenspiel der Figuren, das sogar den ein oder anderen Schenkelklopfer bereithält, die zahlreichen unterschiedlichen kleinen, größeren und gigantischen Gegner und die nun deutlich weitläufigere Spielwelt katapultieren den Spielspaß in schier ungeahnte Sphären. Die Entwickler – allem Augenschein nach selber riesige Spielefans – haben sich im Genre der Action-Abenteuer während der fast fünf Jahre andauernden Entwicklungszeit ganz genau umgesehen und die interessantesten und besten Features der Vorzeigetitel wie "Darksiders", "Castlevania: Lords of Shadow", "Dark Souls" oder der Neuauflage von "Tomb Raider" geschnappt, angepasst und geschickt in das neue "God of War" implementiert. Die alten Tugenden der Serie wurden dabei aber zum Glück nicht vergessen. Knackige Rätsel, nervenaufreibende, abwechsungsreiche Kämpfe und eine absolut epische Story ziehen euch von der ersten Sekunde an in ihren Bann und lassen euch nicht mehr los, bis ihr nach ca. 40 - 50 Spielstunden das Ende der Geschichte sacken lasst. Dazu dann noch eine Optik, wie von einem anderen Stern, und fertig ist das bis jetzt wohl beste Action-Abenteuerspiel, das Playstation 4-Spieler jemals zu Gesicht bekommen haben. Eine klare Kaufempfehlung!

"God of War" ist ab dem 20.04.18 exklusiv für die Playstation 4 erhältlich und hat die Altersfreigabe "Ab 18 Jahren".

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