HTC 10 Evo im Test: Der Ableger, der kein Ableger sein will [mit Video]

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Das HTC 10 Evo
Das HTC 10 Evo(© 2016 CURVED)

Größeres Display, mehr Megapixel, aber ein langsamerer Prozessor: Das HTC 10 Evo wirkt wie ein Ableger vom HTC 10 – will es aber nicht sein. Der Test.

Das HTC 10 Evo trägt das HTC 10 zwar im Namen, soll aber kein Nachfolger sein, wie der Hersteller betont. Doch kann man angesichts der Technik nicht anders, als die beiden Smartphones miteinander zu vergleichen. Und das nicht nur aufgrund des Namens.

Metallgehäuse mit großen Kanten und ein großes Display

Denn auch optisch nimmt das HTC 10 Evo Anleihen beim Flaggschiff aus dem Frühjahr. Das Metallgehäuse weist auf der Rückseite die gleichen markanten großen Schrägen an den Kanten auf, ist aber anders als beim HTC 10 wasserdicht. Das Evo hat eine IP57-Zertifizierung erhalten und soll 30 Minuten in bis zu einem Meter Wassertiefe überstehen. Hier hat das neue Smartphone also die Nase vorn. Die Rückseite ist anders als die Kanten nicht glatt, sondern mit Sand abgeschliffen und deswegen nicht anfällig für Fingerabdrücke wie eine glatte oder gar glänzende Rückseite.

Das Display ist mit 5,5 Zoll größer als beim HTC 10. Dafür ist das HTC 10 Evo etwas flacher als das Frühjahrs-Flaggschiff. Der Bildschirm hat aber weiterhin eine hohe Auflösung von 2560 x 1400 Pixeln und bietet nicht nur ein scharfes Bild, sondern gibt keinen Anlass für Kritik. Im direkten Vergleich mit dem HTC 10 wirkt es zwar etwas blasser. Das könnte daran liegen, dass im 10 Evo als Display nur LCD 3 und nicht wie im Topmodell LCD 5 zum Einsatz kommt – oder an unterschiedlichen Einstellungen. Schaut Ihr nur auf einen der Touchscreens, gibt es keinen Grund für Beschwerden.

Snapdragon 810 und Android Nougat

Unter der Haube überrascht HTC mit dem Snapdragon 810, Qualcomms Top-Chipsatz von 2015 und Vor-Vorgänger des gerade angekündigten Snapdragon 835. Leistungsmäßig bewegt dieser sich mit aktuellen Mittelklasse-Chipsätzen auf einem Niveau bzw. sogar noch etwas darüber. HTC zufolge hat er zudem noch einen besseren Adreno 430-Grafikchip mit an Bord. Drei Gigabyte Arbeitsspeicher stehen ihm zur Seite. Egal ob ich gespielt, Apps gestartet oder mich nur auf der Nutzeroberfläche bewegt habe: Das 10 Evo war immer schnell genug.

Der interne Speicher ist mit 32 Gigabyte nicht üppig bemessen, aber auch nicht zu klein. Sollte er Euch nicht ausreichen, könnt Ihr ihn mit einer microSD-Karte erweitern. Wobei HTC Euch seit Android Marshmallow die Möglichkeit gibt, den internen und externen zu einem Gesamtspeicher zu verschmelzen – wenn die Speicherkarte schnell genug ist.

Auf dem HTC 10 Evo ist ab Werk Android Nougat installiert. Damit ist es das erste Smartphone des Herstellers mit der Version 7.0 des Betriebssystems. Ihr findet auf dem Smartphone unter anderem den neuen Nachtmodus und könnt die Schnelleinstellungen frei anordnen. Die Launcher Shortcuts würden erst mit Android 7.1 kommen, die runden Ordner gehören zur Pixel UI von Googles eigenen Smartphones. HTC setzt hier weiter auf die eigene Sense-Oberfläche mit einem Mix aus eigenen Apps und Anwendungen von Google.

Kamera und kein Klinkenanschluss

Bei den Kameras hat das HTC 10 Evo jeweils mehr Megapixel zu bieten als das HTC 10. Die Rückkamera liefert Fotos mit 16 Megapixeln, Selfies mit der Frontkamera sind jetzt acht Megapixel groß. Die Bilder können sich mit vielen Details und kräftigen Farben schon sehen lassen. HTC geht nach den Kamera-Debakeln beim One M8 und One M9 seit dem HTC 10 endlich den richtigen Weg bei den Fotos. Verbesserungswürdig ist der automatische Ausgleich von starken Kontrasten. Das klappt nur gut, wenn Ihr den HDR-Modus aktiviert. Den solltet Ihr, geht es nach HTC, sowieso die ganze Zeit aktiv haben. Er würde nicht nur oft die Nachbearbeitung ersparen, sondern durch die fünf Aufnahmen für ein HDR-Bild zusammengesetzt werden einzelne Pixelfehler eliminieren.

Nachts nimmt die Bildqualität wie bei allen Kameras ab, aber die Aufnahmen bleiben trotzdem noch erkenn- und brauchbar. Gehören aber auch nicht zu den besten Nachtaufnahmen, die Smartphones liefern. Panoramen setzt die Software gut zusammen. In der Kamera-App findet Ihr zahlreiche Modi, viele Filter und Einstellungen und könnt auch manuell die Belichtungseinstellungen anpassen. Bei den Selfies ist ein deutlicher Qualitätssprung gegenüber dem HTC 10 zu erkennen. Diese Bilder schickt man gerne weiter.

HTC verzichtet nach eigenen Angaben aus Designgründen auf den Klinkenanschluss für Kopfhörer. USB-C sei der Anschluss der Zukunft. Deswegen nutze man ihn beim 10 Evo auch für den Sound. Die Kopfhörer, die dem Smartphone beiliegen, haben dann auch einen USB-C-Stecker. Die digitale Übertragung nutzt HTC für etwas aus, das mit einem analogen Anschluss nicht gehen würde. Beim HTC 10 konnte man sich die Soundeinstellungen noch mit verschiedenen Hörproben selbst anpassen, beim HTC 10 Evo übernehmen das die Kopfhörer. Auf Knopfdruck soll eine Art Sonar das Ohr ausmessen und Mikrofone in den Ohrsteckern die Umgebungsgeräusche aufnehmen. Daraus würden sich dann optimale Einstellungen ergeben. Unserem Testgerät lagen diese Kopfhörer allerdings nicht bei, sodass ich den Ersatz für die fehlenden Boomsound-Lautsprecher nicht ausprobieren konnte.

Der Akku des HTC 10 Evo hat eine Kapazität von 3200 mAh und hält einen Tag lang durch, wenn Ihr das Smartphone normal benutzt. Die Aufladung der Batterie erfolgt über den USB-C-Anschluss und dauert dank Quick Charge 2.0 nicht so lange. Sprich: Stöpselt Ihr das Handy erst nach dem Aufstehen ein, sollte es nach Duschen, Anziehen, Frühstücken und Zähneputzen schon ziemlich gut geladen sein. Zur Not legt Ihr tagsüber einfach einen weiteren kurzen Tank-Zwischenstopp ein.

Fazit: HTC 10 in besser, schlechter und sowieso

Das HTC 10 Evo ist kein schlechtes Smartphone, wird sich aber wegen seines Namens und seines Aussehens immer mit dem HTC 10 messen müssen. Und in diesem Vergleich liegt es teils mit Android Nougat, seinem wasserdichten Gehäuse und mehr Megapixeln vorne, allerdings mit seinem Prozessor und Arbeitsspeicher hinten. Zumindest auf dem Papier. In der Realität wird man den Unterschied ohne den direkten Vergleich nicht spüren. Je nach persönlichem Geschmack können sich die kleineren Abmessungen als Vorteil für das HTC 10 erweisen – und das HTC 10 Evo aufgrund des fehlenden 3,5mm-Anschluss für Kopfhörer bei Euch in Missgunst fallen.

Das HTC 10 Evo soll ab Anfang Dezember 2016 in Deutschland erhältlich sein. Anfangs exklusiv bei Media Markt und Saturn. Die unverbindliche Preisempfehlung von HTC liegt bei 579 Euro.


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