HTC One M8 im Test: Riesen-Smartphone mit Mini-Manko

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Richtig gute Arbeit, HTC: Das One M8 kann sich sehen lassen
Richtig gute Arbeit, HTC: Das One M8 kann sich sehen lassen(© 2014 CURVED)

Das Galaxy S5 kann sich verdammt warm anziehen. HTC hat mit dem HTC One M8 einen ernsthaften Konkurrenten auf den Markt gebracht. Wir haben es für Euch getestet - und sind ein bisschen verliebt.

Gut schaut es aus. Das fällt sofort auf. Während sich der Vorgänger noch im eigentlich Apple-typischen Matt-Aluminium-Look präsentierte, kommt das M8 rauer daher. Gunmetal Grey heißt der Anstrich und wirkt ein wenig wie angeschliffenes Metall. Für Frauen vielleicht etwas zu radikal, ist es für Männer genau das Richtige. Außerdem sind noch die Farben Gold und Silber verfügbar.

Aber gerade beim Grau werden die feinen Haarlinien in der Oberfläche deutlich - das sieht einfach hochwertig und edel aus. Das Gewicht von 160 Gramm passt zum Look. Mit seinen fünf Zoll liegt das neue HTC One schwer, aber nicht zu schwer in der Hand. Wem das iPhone 5s zu leicht zwischen den Fingern war, der wird sich mit dem M8 gut bedient fühlen.

Nachschärfen bei Fotos funktioniert richtig gut

Auffälligstes Merkmal neben der neuen Oberfläche ist die Kamera auf der Rückseite, vielmehr die zwei Kameras. Das neue Smartphone verfügt auf der Rückseite über zwei Linsen. Die beiden nehmen zwar zwei unterschiedliche Bilder auf, am Ende bleibt seht Ihr aber nur ein Foto mit einer nominellen Auflösung von vier Megapixeln.

Mit Hilfe der zwei Ausgangsbilder erstellt das HTC One M8 aber auch 3D-ähnliche Effekte. Mit der "UFocus"-Funktion verändert Ihr nachträglich den Bildfokus und stellt je nach Bedarf Objekte im Vordergrund, einzelne Personen oder den Hintergrund scharf - ähnlich wie bei der Lichtfeldkamera Lytro. Zusätzlich stehen Euch verschiedene Tiefenschärfe-Effekte zur Auswahl.

Immer noch zu wenig Megapixel

Das funktioniert im Test richtig gut. Einfach den Punkt im Bild auswählen, der scharf erscheinen soll - schon erledigt das HTC den Rest. Noch nicht überzeugt hat uns die generelle Foto-Qualität des M8. Hier setzt HTC weiterhin auf sogenannte Ultrapixel, behält aber die geringe Auflösung von vier Megapixeln bei. Kurios: Die Vorderkamera für Selfies hat mit fünf Megapixeln mehr Auflösung als die Kamera auf der Rückseite. Warum, HTC?! Im Vergleich zum iPhone 5s etwa mit seinen acht Megapixeln wirken Fotos des One weniger farbecht - vor allem helle Bildbereiche überstrahlen schnell.

Das ist wirklich ärgerlich. Acht Megapixel würden ausreichen, um das HTC One M8 mit seinen zwei Kameras zu einem absoluten Killer-Gerät in Sachen Fotos zu machen. Und Platz ist bei der Größe schließlich genug vorhanden. Eine Anmerkung noch zu der übergroßen Linse auf der Rückseite: Die verschmiert permanent! Als wär das nicht schon schlimm genug, verschlimmert sich damit die Bildqualität drastisch. Aufnahmen sehen plötzlich aus wie eine Szene aus "Bilitis" oder eine Traumsequenz einer spanischen Telenovela.

Der Akku ist ausreichend, aber kein Dauerläufer

Was hingegen - wieder - vollends überzeugt, ist der Sound. HTC setzt, wie beim Vorgänger, auf Boom-Boxen mit Beats-Techologie. Die liefern dank der Anordnung über und unter dem Display im Querformat tatsächlich satten Stereosound. Wer mag, kann den Boom-Sound auch abstellen. Das spart Akkulaufzeit.

Apropos Akku: Der ist mit 2600 mAh gut bestückt, muss allerdings auch einen hungrigen mit 2,6 GHz getakteten Snapdragon 801 und zwei Gigabyte Arbeitsspeicher mit Strom versorgen. Im Test musste das Smartphone bei normaler Benutzung alle anderthalb Tage an die Steckdose. Das ist etwas überm Durchschnitt, aber keine Glanzleistung. Hier hat HTC einfach auf viele Features gesetzt, die auch viel Strom verbrauchen. Allerdings lässt sich der Verbrauch ordentlich einschränken, wenn Ihr in den Einstellungen den "Extremen Energiesparmodus" aktiviert. Damit kann das HTC nur noch Mails empfangen, Nachrichten schreiben, telefonieren, den Kalender verwalten und den Rechner nutzen. Reicht doch, oder? Und in der Praxis hält das One M8 damit noch einen halben Tag länger durch. Allerdings bekommt Ihr dann auch nicht mehr alle Benachrichtungen angezeigt.

Ohne hier die Genauigkeit von Benchmarks in Frage zu stellen: Das HTC One M8 ist richtig schnell. Weder bei der Kamera noch an anderer Stelle müsst Ihr warten. Das Smartphone ist ganz klar in der aktuellen Oberklasse, was die Leistung angeht. Genau wie das Display: Das ist noch einmal ein Stückchen größer geworden im Vergleich zum Vorgänger: 5,1 Zoll - mehr braucht es dann aber auch wirklich nicht. Es wäre wirklich schön, wenn HTC den Trend zu immer größeren Geräte künftig nicht mehr mitgeht. Ansonsten überzeugt der verbaute Full-HD-Bildschirm auf voller Länge. Sind Video-Streams oder gespeicherte Clips für 1080p optimiert, macht das One M8 richtig viel Spaß. Dagegen verliert das iPhone 5s um Längen. Das ist Mäusekino gegen Großleinwand. Sorry, Apple! Aber da musst Du unbedingt nachbessern.

Die Dot-View-Hülle ist einzigartig

Genug von der Hardware. Was kann die Software? HTC setzt beim One auf die Bedienoberfläche Sense 6, die auf Android 4.4.2 aufsetzt.  Version 6.0 versieht das M8 mit einigen praktischen Möglichkeiten zur schnelleren Bedienung. Hierzu gehören die cloudbasierte Sharing-Plattform Zoe sowie praktische Shortcuts und eine Gestensteuerung, die HTC unter dem Namen Motion Launch zusammen fasst. Für einige Aktionen müsst Ihr das Display gar nicht mehr berühren, wie Ihr auch im Video sehen könnt.

Womit wir auch schon zum kuriosesten Zubehör kommen: der Hülle. Ob wir die nun richtig cool oder richtig daneben finden, wissen wir noch nicht. Tatsächlich schützt diese das Smartphone nicht nur im Ruhezustand, sondern sogar bei Benutzung - und zeigt das Wetter, die Uhrzeit oder eingehende Anrufe im retromäßigen Pixelmodus an. Aber mal ehrlich, HTC: Warum baut Ihr so ein schmuckes Ding und verpackt es dann in Gummi? Das muss doch nicht sein! Zumal das Fotoschießen damit reichlich gewöhnungsbedürftig ausschaut. Wer will sein Smartphone schon wie ein aufgeklapptes Buch halten?

Fazit: Gut gemacht, HTC

Im Langtest hat sich das One M8 bewährt: Genau so soll ein Android-Smartphone im Jahr 2014 sein: hübsch anzusehen, hochwertig, mit ausgefallen Features und gelungenem Zubehör. Da wirkt Samsungs Galaxy S5 fast schon wie Schnee von gestern. Besonders gut gefällt mir das Foto-Feature "UFocus". Ich wollte mir schon immer eine Lytro-Cam zulegen, schreckte aber vor der niedrigen Auflösung zurück. Jetzt habe ich die Möglichkeit, jederzeit bei fertigen Fotos den Schärfepunkt auszuwählen. Aber mal ganz ehrlich: Vier Megapixel haben im Jahr 2014 nichts mehr verloren. Acht Megapixel müssen es mindestens sein. Also, HTC: Beim M9 bitte der Kamera endlich mehr Auflösung verpassen. Dann gibt es wirklich keinen Grund mehr, das Galaxy S5 zu favorisieren.


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