HTC U12 Plus im Test: Drück mich noch mehr!

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Das HTC U12 Plus hat ein sechs Zoll großes Display ohne Notch.
Das HTC U12 Plus hat ein sechs Zoll großes Display ohne Notch.(© 2018 CURVED)

Beim HTC U12 Plus macht der Hersteller aktuelle Trends nicht mit und setzt stattdessen weiterhin auf Alleinstellungsmerkmale. Im Test überzeugt das "drückbare" Top-Smartphone nicht nur mit zwei Dualkameras unter sattem Sound.

Optisch setzt HTC auch beim U12 Plus auf Liquid Surface. Die Spiegelungen auf der Glas-Rückseite sind dabei gewollt. Je nach Betrachtungswinkel verändern sich die drei zur Auswahl stehenden Farben. Die blaue Variante ist sogar teilweise transparent und gibt den Blick auf Teile der verbauten Hardware frei.

Großes Display ohne Notch

Das HTC U12 Plus ist zwar groß, liegt aber angenehm in der Hand. Die Tasten auf der rechten Seite erreicht man problemlos. Allerdings bewegen sich die Tasten nicht, wenn man sie drückt. Stattdessen vibriert das Smartphone, um Eingaben zu bestätigen. Das funktionierte im Test zwar gut, allerdings finde es auch nach ein paar Tagen immer noch ungewohnt – vor allem, weil das U12 Plus in der ganzen Hand vibriert und nicht nur am Finger. HTC erhofft sich von dieser neuen Bauweise, dass die Tasten länger halten. Zudem sei es so einfacher, das Gehäuse wasserdicht zu fertigen. Für eine IP68-Zertifizierung – für 30 Minuten unbeschadet in 1,5 Meter tiefen Wasser überstehen – hat es auf jeden Fall gereicht.

Das sechs Zoll große Display des HTC U12 Plus hat an den Seiten schmale Ränder, oben und unten wird der Rahmen deutlich breiter. Auf eine Notch – die momentan bei vielen Herstellern beliebte Einkerbung für die Frontkamera und weitere Bauteile – verzichtet HTC. Die Auflösung von 2880 x 1440 Pixeln sorgt für eine scharfe und detaillierte Darstellung der Inhalte. Farblich gibt es an dem verbauten Super-LCD-Panel nichts auszusetzen. Allerdings erstrahlt es nicht so hell wie OLED-Displays anderer Geräte. Für Tageslicht und Sonnenschein reicht die maximale Helligkeit trotzdem aus.

Trotz der breiten Fläche unterhalb des Displays erfolgt die Bedienung des HTC U12 Plus über Onscreen-Tasten. Eine Gestensteuerung wie beim iPhone X oder OnePlus 6 gibt es nicht. Edge Sense 2 mit seinen neuen Funktionen schafft es nicht, die Onscreen-Tasten komplett überflüssig zu machen.

Edge Sense 2: Drück das Smartphone

Hinter Edge Sense verbirgt sich eine Technologie, die erkennt, ob und wie stark man das Smartphone drückt. Sie wird bisher nur von HTC in eigenen Geräten verwendet – und mit deutlich weniger Funktionen beim Google Pixel 2 (XL), das ebenfalls HTC baut. Bei Edge Sense 2 ist im Vergleich zur ersten Generation eine dritte Geste hinzugekommen. Neben kurzem und langem Drücken erkennt das Smartphone jetzt auch Fingertippen am Gehäuserand. Standardmäßig verkleinert sich dann der Inhalt auf dem Touchscreen für die Bedienung mit einer Hand. Man kann aber die von HTC vorgeschlagenen Funktionen für diese drei Gesten ändern und etwa als Zurück-Taste nutzen. Nur der direkte Weg auf den Startbildschirm und die App-Übersicht fehlen noch zum kompletten Ersatz der Onscreen-Tasten.

Ebenfalls die Bedienung mit einer Hand erleichtern soll der sogenannte Edge Launcher. Er lässt sich ebenfalls über Edge Sense aufrufen und sortiert die zuletzt oder häufig genutzten Apps und Kontakte in einem drehbaren Kreis am Displayrand.

Durch Edge Sense 2 erkennt das HTC U12 Plus zudem, ob es gerade in der Hand gehalten wird oder nicht. Das nutzt HTC für eine neue Funktion namens "Intelligent Drehen". Aktiviert man sie, bleibt das Display nicht mehr fest im Hochformat oder dreht sich bei einer bestimmten Neigung ins Querformat. Stattdessen behält es die Ausrichtung bei, solange man es in der Hand hält. Das ist in einigen Situationen praktisch, aber irgendwie immer noch nicht perfekt. Genau wie beim automatischen Drehen gab es immer wieder Situationen, in denen das "intelligente Drehen" eine andere Entscheidung traf, als ich es getan hätte.

Mit der zweiten Dualkamera sieht man besser

Das HTC U12 Plus nimmt alle Fotos mit Dualkameras auf. Das gilt für die Bilder der Hauptkamera sowie für die Selfies der Frontkamera. Einen Bokeh-, bzw. Porträt-Modus, bei dem der Hintergrund extra unscharf wird, bieten beide an. Doch nur die Hauptkamera verfügt über einen zweifachen Zoom – der bei Selfies nicht hilfreich wäre.

Die Hauptkamera des U12 Plus liefert Aufnahmen mit einer Auflösung von zwölf Megapixeln und einer sehr hohen Detailgenauigkeit sowie kräftigen und trotzdem natürlich wirkenden Farben. Sie kommt sehr gut mit starken Kontrasten zurecht, der HDR-Modus gleicht die Belichtung noch stärker aus. Bei Dunkelheit fängt die Linse viel Licht ein, und auf den ersten Blick sehen die Nacht-Aufnahmen auf dem Smartphone auch gut aus. Schaut man sie sich allerdings in Originalgröße auf dem Computer an, stören mehr Artefakte als bei anderen Top-Smartphones das Bild.

Der Zoom durch die Dualkamera holt nicht nur ein Motiv näher heran, sondern schafft das sogar ohne nennenswerten Qualitätsverlust. Und egal, ob man einen Gegenstand oder eine Person im Portrait-Modus fotografiert: Die extra Unschärfe im Hintergrund wirkt recht natürlich, solange man sich an die Vorgaben für den Abstand zum Motiv hält. Zur Auswahl stehen eine Automatik, die die Stärke des Bokeh festlegt, und ein manueller Modus, in dem man selbst auswählt, wie gut der Hintergrund zu erkennen ist. Im Bokeh-Modus-Editor kann man die Intensität der Unschärfe und den Fokuspunkt nachträglich verändern.

Die Selfies der Dualkamera auf der Vorderseite haben eine Auflösung von acht Megapixeln und für Selfies eine ordentliche Detailgenauigkeit. Vor allem bei stärkeren Kontrasten lohnt es sich, für kräftigere Farben den HDR-Modus zu aktivieren. Durch die zwei Linsen kann man auch Selfies mit Tiefenschärfe-Effekt aufnehmen, der durch die Kameras und nicht wie bei anderen Smartphones durch Software-Tricks zustande kommt. Der Bokeh-Effekt bietet wie bei der Hauptkamera eine Automatik und einen manuellen Modus sowie nachträgliche Bearbeitungsmöglichkeiten. Was die Trennschärfe zwischen Motiv und Hintergrund angeht, scheint mir die Hauptkamera aber eine bessere Arbeit als die Frontkamera zu leisten.

Die Dualkamera auf der Vorderseite des U12 Plus nutzt HTC nicht nur für Selfies, sondern auch für eine Gesichtserkennung. Mit dieser lässt sich das Smartphone schnell und bequem entsperren. Durch die zwei Linsen soll sich die Technik nicht so leicht wie bei anderen Android-Smartphones mit nur einer Frontkamera austricksen lassen. Bei diesen genügte mitunter ein simples Foto, um sich Zugang zum Gerät zu verschaffen. Das habe ich beim HTC U12 Plus nicht geschafft. Man muss aber nicht auf die Gesichtserkennung vertrauen. Auch mit dem Fingerabdrucksensor auf seiner Rückseite lässt sich das U12 Plus entsperren.

Mit dem zweiten Lautsprecher hört man besser

Schon das U11 hob sich von anderen Smartphones durch seinen Sound ab. Hier hat HTC zwar wenig verändert, aber trotzdem klingt das U12 Plus immer noch besser als die meisten anderen Smartphones. Der Grund dafür sind die zwei verbauten Lautsprecher. In vielen anderen Smartphones kommt die Musik oder der Videoton dagegen nur aus einem Lautsprecher. HTC nutzt dafür bei U12 Plus neben dem Lautsprecher an der Unterkante auch den Ohr-Lautsprecher, der sonst oft nur für Telefonate genutzt wird. Dadurch kommt ein Stereosound zustande, den nur wenige Smartphones bieten.

Auf einen Kopfhöreranschluss verzichtet HTC zwar beim U12 Plus, legt dem Smartphone aber einen In-Ear-Kopfhörer mit USB-C-Anschluss bei. Und dieser sitzt nicht nur bequem, sondern verfügt auch über eine funktionierende aktive Geräuschunterdrückung und beherrscht USonic. Hinter diesem Namen verbirgt sich eine Technologie mit der der Kopfhörer das Ohr ausmisst und den Klang automatisch anpasst. Der Vorher-Nachher-Effekt ist wirklich beeindruckend.

Ebenfalls wichtig: Top-Hardware und aktuelle Software

In Sachen Hardware lässt das HTC U12 Plus keine Wünsche offen. Mit dem Snapdragon 845 und sechs Gigabyte Arbeitsspeicher zählt es zur Spitzengruppe. Neben Alltags-Apps und leistungshungrigen Spielen, wie dem aktuell sehr beliebten PUBG Mobile, laufen auch rechenintensive AR- und VR-Anwendungen problemlos auf dem Smartphone. Der interne Speicher ist mit 64 Gigabyte ausreichend groß und lässt sich bei Bedarf mit einer microSD-Karte erweitern. Für die zweite SIM-Karte ist dann allerdings kein Platz mehr.

Als Betriebssystem erwartet euch beim U12 Plus Android 8.0 Oreo und damit fast die aktuellste Version des Google-Betriebssystems. Darüber stülpt HTC seine Nutzeroberfläche "Sense". Zu ihr gehören einige vorinstallierte HTC-Apps, doch insgesamt bleibt es übersichtlich. Vor allem weil HTC bereits vor einiger Zeit den Entschluss gefasst hat, keine Apps doppelt zu installieren. So gibt es zum Beispiel keine Galerie-App von HTC, sondern nur die Fotos-App von Google. Dafür stammt die Kamera-App von HTC. In Sachen Updates verspricht der Hersteller, das U12 Plus auf Android P und Android Q zu aktualisieren.

Fazit

Mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 799 Euro gehört das HTC U12 Plus zu den günstigeren Top-Smartphones – wenn man davon absieht, dass sein Preis im Vergleich etwa zum Samsung Galaxy S9 Plus noch nicht gefallen ist und das OnePlus 6 direkt günstiger startet.

Beim Display und der Leistung bewegt sich das Smartphone auf höchsten Niveau. Edge Sense 2 bleibt eine spannende Erweiterung bei der Bedienung, die man aber nicht zwangsläufig benutzen muss. An die unbeweglichen Tasten habe ich mich dagegen nicht richtig gewöhnen können und ärgere mich trotz der schönen Farbeffekte der Rückseite darüber, dass ich ständig Fingerabdrücke wegwischen muss. Wer keine Notch braucht, ist beim HTC U12 Plus gut aufgehoben. Darüber hinaus überzeugt mich das Smartphone mit sattem Sound und der guten Bildqualität seiner zwei Dualkameras.

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