Huawei Y6 (2017) im Test: das Aldi-Phone

Weg damit !19
Viel Technik für wenig Euro? Das Huawei Y6 (2017) im Test
Viel Technik für wenig Euro? Das Huawei Y6 (2017) im Test(© 2017 CURVED)

Angekündigt im Mai, veröffentlicht im Juli – Huawei macht mit dem Y6 (2017) vor, wie man Produkte pünktlich an den Kunden bringt. Aber kann das Smartphone abgesehen vom geringen Preis überzeugen? Der Test.

Nach dem Y6 von 2015 und dem Y6 II Compact von 2016 führt Huawei die Reihe der Budget-Smartphones fort. Bis einschließlich 10. August ist das Huawei Y6 (2017) nur bei Aldi Nord und Süd erhältlich. Der Discounter bietet das Telefon samt Aldi-Talk Starter-Kit im Wert von zehn Euro für 149 Euro an. Damit liegt es 30 Euro unter der Preisempfehlung des Herstellers. Beweist die Einzelhandelskette hier ein Händchen für Schnäppchen oder enttäuscht das Preis-Leistungs-Verhältnis im Praxistest?

Der Look: gute Verarbeitung mit kleinen Auffälligkeiten

Die Verarbeitung ist schon mal grundsolide: Der Kunststoffdeckel auf der Rückseite des Y6 (2017) lässt sich komplett entfernen. Nur so kann man SIM-Karte und microSD-Karte (zur Speichererweiterung) – oder eine zweite SIM-Karte – überhaupt einlegen. Allerdings ist der Akku fest verbaut und nicht wechselbar. Dass Geräte in diesem Preissegment nicht wasserdicht bzw. dass Gehäuse ausreichend vor eindringendem Wasser geschützt sind, ist hingegen normal und verschmerzbar.

Weniger gut gefällt mir der Spalt zwischen Rahmen und Rückseite, der sich zwangsläufig ergibt, weil der Deckel eben nicht fest am Gehäuse sitzt. Wenngleich sehr schmal, ist die Lücke für Staub und Schmutzansammlungen anfällig. Ansonsten gibt es an der Verarbeitung und dem schlichten Design nichts auszusetzen. Das Glas der Front liegt etwas tiefer als der umlaufende Rahmen, sodass das ein spürbare, aber nicht störende Kante entsteht.

An der Unterseite des Y6 (2017) hat Huawei den micro-USB-Anschluss nebst Lautsprecher verbaut. Auf der gegenüberliegenden Seite findet eine 3,5-mm-Klinke ihr passendes Gegenstück. Rechtshänder (Linkshänder spiegeln die Angaben bitte) bedienen mit dem Daumen die Power-Taste und die Lautstärke-Wippe. Mit dem Zeige- oder Mittelfinger steuern sie die frei konfigurierbare Taste "Easy Key" an.

Das IPS-Display misst fünf Zoll in der Diagonale und kommt bei einer Auflösung von 720 mal 1280 Bildpunkten (HD) immerhin noch auf 294 ppi Pixeldichte. Einzelne Bildpunkte sind somit nur unter höchster Anstrengung auszumachen. Aufgrund der breiten Ränder ober- und unterhalb des Screens belegt dieser nur zwei Drittel der Front.

Die Hardware: technisch am Limit

Berechnet werden die Pixel von einem Mediatek MT6737T mit vier Kernen à 1,4 GHz. Ein Mali-T720MP2 als Grafikeinheit und zwei Gigabyte RAM Arbeitsspeicher runden das Sparpaket ab. Von den 16 GB Festspeicher stehen ab Werk nur knapp zehn zur Verfügung. Den Rest beansprucht Android für sich. Apropos: Huaweis Neuauflage des Y6 kommt auch Mitte 2017 noch mit Android 6.0 Marshmallow in den Handel. Das inzwischen knapp zwei Jahre alte Betriebssystem operiert weitestgehend flüssig mit der verbauten Hardware und startet die meisten Alltagsanwendungen störungs- und ruckelfrei. Trotzdem: Ein altes Android ohne Sicherheitsupdates ist nicht zeitgemäß.

Im Benchmark bei Antutu erreicht das Budget-Phone 40.873 Punkte, bei Geekbench kommt es auf 676 im Single-Core-Test und auf 1900 im Multi-Core-Test. Das ist nicht überwältigend, aber angesichts der Hardware eine akzeptable Leistung. Der Rennspielklassiker "Asphalt 8" etwa läuft in höchster Detailstufe butterweich. Die etwa gleichteuren K8 (2017) von LG und das Nokia 3 schnitten bei vergleichbarer Hardware in allen Benchmarks schlechter ab. Allerdings sind dafür beide Geräte mit dem aktuelleren Android 7 Nougat ab Werk ausgestattet. Multitasking beherrscht das Y6 (2017) nur sehr rudimentär: Bei mehr als zwei mitlaufenden Apps im Hintergrund wurden diese geschlossen und mussten komplett neu gestartet werden.

Die Kamera: mittelmäßig

Mit 13 Megapixeln und einer f/2.0-Blende reicht die Kamera des Y6 (2017) für die meisten Schnappschüsse bei guter Belichtung aus. Allerdings gehen schnell Details verloren. Und es kommt zu Bildrauschen, sobald die Lichtbedingungen nicht mehr ideal sind. Grundsätzlich bietet es sich daher an, mit aktiviertem HDR zu arbeiten.

Allerdings wirken die Ergebnisse dann schnell blass und farbarm, dafür aber schärfer und kontrastreicher. Letztlich verstehen sich die Fotos als ein Kompromiss aus der Notwendigkeit, eine Kamera zu verbauen, und dem niedrigen Preis.

Fazit: kleiner Preis, großer Akku

In unserem Test fiel das Huawei Y6 (2017) in einigen Aspekten durchaus positiv auf. So ist zum Beispiel der Easy Key ein sinnvoller Shortcut zu beliebten Apps, allerdings mit Einschränkungen: Mir hätte es gut gefallen, wenn ich den Easy Key auch als Notrufnummer hätte nutzen können; aber mehr als die Telefon-App lässt sich damit nicht aufrufen, wählen muss ich weiterhin selbst. Auch der mit 3000 mAh große Akku verdient Anerkennung. Denn damit kommt das Y6 (2017) problemlos über einen Tag. Zwei sind es bei überschaubarer Nutzung.

Weniger überzeugt haben hingegen die eher (unter)durchschnittliche Kameraqualität und das schwache Display. Letzterem mangelt es an Helligkeit und Leuchtkraft, wodurch Farben oft matt wirken. Deshalb ist das Y6 (2017) sicherlich kein Gerät, für das es sich aufgrund seines Preises lohnt, vor dem Discounter zu kampieren. Wer allerdings ein günstiges Einstiegs-Smartphone für die jüngsten oder ältesten Familienmitglieder sucht, macht mit dem Y6 nichts verkehrt.

Weitere Artikel zum Thema
iOS 11.1 Beta 4 veröf­fent­licht: Die Emojis kommen
Michael Keller3
Mit iOS 11.1 werden viele neue Emojis auf iPhone und iPad Einzug halten
Der Release des Updates auf iOS 11.1 mit den neuen Emojis naht: Apple hat die vierte Beta für iPhone, iPad und iPod touch zur Verfügung gestellt.
Nokia 3 erhält Sicher­heits­up­date für Okto­ber
Michael Keller
Das Nokia 3 ist seit Ende Juni 2017 in Deutschland erhältlich
Das Nokia 3 wird mit dem Sicherheitsupdate für Oktober bedacht – und der Herausgeber zeigt, dass er nicht nur seine High-End-Smartphones im Blick hat.
HTC U11 Plus: Display-Ecken sollen abge­run­det sein
Michael Keller
Das Design des HTC U11 Plus ist dem des U11 sehr ähnlich
Der Bildschirm des HTC U11 Plus verfügt offenbar über abgerundete Ecken. Das legen zumindest geleakte Bilder des Smartphones nahe.