Kodak Ektra im Test: das Retro-Kamera-Smartphone im Hands-on [mit Video]

Mit Kodak betritt eine legendäre Foto-Marke die Welt der Smartphones. Das Kodak Ektra ist halb Smartphone, halb Kamera. Das Hands-on.

Das Kodak Ektra sieht zunächst einmal ganz anders aus. Beim Design stand die gleichnamige Kompaktkamera Kodak Ektra von 1941 Pate. Dementsprechend gibt es Retro vom Feinsten: Leder-Optik, ein mit Aluminium beschichteter Rahmen und eine für Kameras typische Wölbung an der Seite, die dafür sorgt, dass man das Smartphone beim Fotografieren sicher halten kann.

Kamera mit Auslöser und Kamera-App mit Modus-Wahlrad

Die Kamera des Kodak Ektra verfügt über einen 21-Megapixel-Sensor von Sony, hat eine Brennweite von 26,5 Millimetern und ist damit vergleichsweise weitwinklig. Die feste Blende liegt bei f2.0. Als Hilfsmittel stehen Euch ein Phasen-Autofokus sowie ein optischer Bildstabilisator (OIS) zur Seite. Die Linse mit einer speziellen Kodak-Beschichtung soll den Lichtdurchlass von 96 auf 98 Prozent erhöhen. Die Frontkamera muss ohne diese Helfer auskommen und liefert mit einer f2.2-Blende Fotos mit 13 Megapixeln Auflösung.

Neben der Wölbung zum Festhalten hat mit dem Auslöser ein weiteres praktisches Element aus der Welt der Kameras den Sprung zum Kodak Ektra geschafft. Mit ihr könnt Ihr, wie bei einem richtigen Fotoapparat, ein Motiv durch halbes Eindrücken fokussieren und verwackelt so seltener Aufnahmen als beim Antippen der Auslöse-Schaltfläche auf dem Touchscreen – die natürlich auch vorhanden ist.

Aber nicht immer ist es sinnvoll, analoge Bedienelemente zu digitalisieren. In der Kamera-App sieht das Modus-Wahlrad, das man von Digitalkameras seit Jahren kennt, im ersten Moment sehr vertraut aus. Beim ersten Ausprobieren fiel es mir allerdings schwer, mit ihm den gewünschten Modus auszuwählen. Mal drehte die Software zu weit, mal erwischte man die falsche Stelle, mal war die Drehung zu langsam.

Die Auswahl der Modi bietet keine Überraschung, sondern deckt alle Bereiche ab, die man von Digitalkameras und Smartphones gewohnt ist: HDR, Nachtmodus, Landschaft, Porträt, Makro, Panorama und natürlich ein manueller Modus. Und auch ohne Dualkamera bietet Euch das Kodak Ektra einen Bokeh-Effekt mit unscharfen Hintergrund. Im kurzen Hands-on musste ich feststellen, dass die Zusammensetzung zweier Bilder mit zwei unterschiedlichen Schärfebereichen einige Zeit dauert. Ihr könnt vor der Speicherung der Aufnahme festlegen, wie unscharf der Hintergrund wird. Dies lässt sich nach dem Speichern aber nicht mehr, wie etwa beim Huawei P9, verändern – und auch der Fokuspunkt ist von Anfang an fixiert.

Bildqualität: Da geht noch was

Einige Fotos habe ich mit dem Kodak Ektra schon machen können, aber noch nicht alle typischen Foto-Situationen abgedeckt. Trotzdem wage ich eine vorläufige Bewertung der Bildqualität: Die Farben wirken kräftig und natürlich. Starke Kontraste stellt die Kamera nicht vor Probleme, lassen sich aber trotzdem im HDR-Modus noch abfedern – vor allem die dunklen Bereiche. Die Detailgenauigkeit ist in Ordnung, dürfte nach meinem Geschmack bei einem expliziten Kamera-Smartphone aber noch höher sein. Gleiches gilt für das schon relativ früh auftretende Bildrauschen, wenn die Helligkeit nicht dem Tageslicht entspricht.

Mit dem Testgerät werde ich noch mehr Fotos – auch in der Nacht schießen. Stand jetzt ist die Bildqualität überdurchschnittlich gut, aber nicht so hervorragend wie beim iPhone 7, Galaxy S7 oder dem Google Pixel. Nach eigenen Angaben ist die Software von Kodak aber auch erst zu 95 Prozent fertig.

Bildbearbeitung und Foto-Bestellung

Kodak will, dass Ihr mit dem Ektra nicht nur Fotos schießt, sondern sie auch bearbeitet. Deswegen installiert das Unternehmen nicht nur eine eigene App zur Bildbearbeitung, sondern auch Snapseed von Google auf dem Smartphone und bindet das Tool direkt in die Galerie-App mit einer Schaltfläche ein. Zusätzlich will Kodak Euch regelmäßig weitere gute Apps für die Bildbearbeitung empfehlen und spendiert für Videos einen Super-8-Filter mit authentischem Projektor-Geräusch.

Wenn Ihr Eure Fotos auf dem Ektra bearbeitet habt, könnt Ihr sie natürlich über Facebook, EyeEM und Co. teilen, sollt aber nach Meinung von Kodak die Bilder auch in der Hand halten. Dazu ist mit "Prints" ein passende App vorinstalliert, über die Ihr Abzüge mit wenigen Klicks bestellen könnt – natürlich auf Kodak-Fotopapier. Eine Erweiterung der Bestell-Optionen um Fotobücher ist nach Herstellerangaben in Arbeit.

Alles was ein Smartphone braucht

Das Kodak Ektra ist aber nicht nur eine Kamera, sondern auch ein ordentliches Smartphone. Sein fünf Zoll großes Display verfügt über eine Full-HD-Auflösung und zeigt nicht nur die Fotos mit allen Details und in natürlich wirkenden Farben an, sondern eignet sich im Freien auch gut als Sucher für die Kamera.

In dem Retro-Gehäuse steckt der Helio X20 von Mediatek, dessen zehn Rechenkerne unter anderem für die Bildverarbeitung optimiert sein sollen, sowie drei Gigabyte Arbeitsspeicher. Zusammen sorgen sie dafür, dass Android 6.0 Marshmallow flüssig läuft und die Kamera-App schnell startet und unverzüglich auslöst. Die Hardware hat zuletzt im Xiaomi Redmi Pro oder LeEco Le 2Pro seine Leistungfähigkeit bewiesen, gerät aber unter anderem bei der Erstellung von Bokeh-Fotos an seine Grenzen. Hier müsst Ihr mit bis zu mehreren Sekunden Wartezeit rechnen, bis die zwei Bilder zusammen gesetzt sind.

Der interne Speicher ist 32 Gigabyte groß und lässt sich nicht nur für Fotos mit einer microSD-Karte erweitern. Den 3000-Milliamperstunden-Akku ladet Ihr über einen USB-C-Anschluss auf.

Fazit

Das Kodak Ektra soll ab Anfang Dezember 2016 erhältlich sein und die unverbindliche Preisempfehlung liegt bei 499 Euro. Das ist deutlich günstiger, als das andere explizite Kamera-Smartphone Panasonic CM1 bei seiner Markteinführung kostete, aber angesichts von China-Smartphones mit ähnlicher Hardware für etwa die Hälfte doch teuer. Dafür erhaltet Ihr bei Kodak ein Smartphone mit einem Design, das sich von der Masse abhebt.

Passend zum Ektra bietet Kodak für das richtige Retro-Feeling noch ein Leder-Etui für 34,99 Euro und eine Umhängetasche mit Trageschlaufe aus Leder für 69,99 Euro an. Anders als auf unseren Fotos wird deren Abdeckung nicht an den Seiten, sondern an der Unterseite befestigt sein und muss so zum Fotografieren nicht komplett abgenommen werden.


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