Kodak Ektra im Test: das Retro-Kamera-Smartphone im Test

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Kodak Ektra: Retro-Look und moderne Technik.
Kodak Ektra: Retro-Look und moderne Technik.(© 2016 CURVED)

Das Kodak Ektra ist halb Smartphone, halb Kamera. Der Test.

Das Kodak Ektra sieht zunächst einmal ganz anders aus. Beim Design stand die gleichnamige Kompaktkamera Kodak Ektra von 1941 Pate. Dementsprechend gibt es Retro vom Feinsten: Leder-Optik, ein mit Aluminium beschichteter Rahmen und eine für Kameras typische Wölbung an der Seite. Sie sorgt dafür, dass man das Smartphone beim Fotografieren sicher halten kann. Da darf die Handschlaufe, die man zur Sicherheit um sein Handgelenk legt, nicht fehlen. Kleines Problem: Will man das Smartphone wirklich an der Wölbung festhalten, kommt man unweigerlich mit den Fingern auf die Sensortasten auf der Rückseite und produziert ungewollte Eingaben.

Analoges digitalisiert

Die Kamera des Kodak Ektra verfügt über einen 21-Megapixel-Sensor von Sony, hat eine Brennweite von 26,5 Millimetern und ist damit vergleichsweise weitwinklig. Die feste Blende liegt bei f2.0. Als Hilfsmittel stehen Euch ein Phasen-Autofokus sowie ein optischer Bildstabilisator (OIS) zur Seite. Die Linse mit einer speziellen Beschichtung soll den Lichtdurchlass von 96 auf 98 Prozent erhöhen. Die Frontkamera muss ohne diese Helfer auskommen und liefert mit einer f2.2-Blende Fotos mit 13 Megapixeln Auflösung.

Neben der Wölbung zum Festhalten hat mit dem Auslöser ein weiteres praktisches Element aus der Welt der Kameras den Sprung ins Kodak Ektra geschafft. Mit ihr könnt Ihr, wie bei einem richtigen Fotoapparat, ein Motiv durch halbes Eindrücken fokussieren und verwackelt so seltener Aufnahmen als beim Antippen der Auslöse-Schaltfläche auf dem Touchscreen – die natürlich auch vorhanden ist. Es mag ein altmodisches Gefühl sein, aber mit einer Taste als Auslöser fotografiert es sich irgendwie besser.

Aber nicht immer ist es sinnvoll, analoge Bedienelemente zu digitalisieren. In der Kamera-App sieht das Modus-Wahlrad, das man von Digitalkameras seit Jahren kennt, im ersten Moment sehr vertraut aus. Allerdings finde ich es in der Praxis sehr umständlich, mit ihm den gewünschten Modus auszuwählen. Mal dreht die Software zu weit, mal erwische ich die falsche Stelle oder drehte zu langsam. Hier würde es sich lohnen, beim nächsten Software-Update eine neue Moduswahl einzuführen – oder wenigstens eine Alternative zur Wahl zu stellen.

Die Auswahl der Modi bietet keine Überraschung, sondern deckt alle Bereiche ab, die man von Digitalkameras und Smartphones gewohnt ist: HDR, Nachtmodus, Landschaft, Porträt, Makro, Panorama und natürlich ein manueller Modus. Und auch ohne Dualkamera bietet Euch das Kodak Ektra einen Bokeh-Effekt mit unscharfen Hintergrund. Das dauert einen Moment, da die Kamera hierfür mehrere Bilder zusammensetzt. Vor dem Abspeichern könnt Ihr über einen Schieberegler festlegen, wie unscharf der Hintergrund wird. Dies lässt sich nach dem Speichern aber nicht mehr, wie etwa beim Huawei P9, verändern – und auch der Fokuspunkt ist von Anfang an fix und nicht veränderbar.

Bildqualität: Da geht noch was

An ein Smartphone von Kodak, das sich zudem noch als explizites Kamera-Smartphone versteht, stelle ich bei der Bildqualität hohe Ansprüche. Ein paar Wolken stören die Kamera nicht. Selbst ohne Sonnenschein liefert sie kräftige und trotzdem natürliche Farben. Die Detailgenauigkeit fällt hoch aus und selbst starke Kontraste stellen kein Problem dar. Im HDR-Modus gleicht das Ektra sie trotzdem noch etwas besser als in der Automatik aus. Wird es dunkel, bleiben trotz erkennbaren Bildrauschens Aufnahmen bei Zimmerbeleuchtung noch vorzeigbar. Geht man nachts mit der Kamera auf die Straße verschwindet das Bildrauschen nicht, aber die Aufnahmen sind durchaus brauchbar. Allerdings vergleichsweise dunkel.

Die Bilder der Frontkamera können da nicht ganz mithalten, überzeugen aber mit einer für Selfies hohen Detailgenauigkeit. Allerdings neigt sie, wie viele andere Frontkameras, zu Überbelichtungen. Insgesamt überzeugt mich das Kodak Ektra mit einer überdurchschnittlichen Bildqualität, aber für einen Platz in der Spitzengruppe um iPhone 7, Galaxy S7 und Google Pixel reicht es noch nicht. Eigentlich gar kein schlechtes Ergebnis für einen Smartphone-Neuling, aber angesichts der Ansprüche an den großen Namen doch zu wenig.

Bildbearbeitung und Foto-Bestellung

Kodak will, dass Ihr mit dem Ektra nicht nur Fotos schießt, sondern sie gleich bearbeitet. Deswegen installiert das Unternehmen nicht nur eine eigene App zur Bildbearbeitung, sondern auch Snapseed von Google auf dem Smartphone und bindet das Tool direkt in die Galerie-App mit einer Schaltfläche ein. Mit der Super 8-App von Kodak kommen die erfolgreichen Zeiten von Kodak zurück. Mit der App könnt Ihr Videos in Super-8-Filme verwandeln und auch Fotos den charakterischen Look verpassen. Von Ektachrome 100D über Kodachrome 40 bis Daylight 30 stehen Euch acht verschiedene Kodakfilme als Filter zur Auswahl. Zudem könnt Ihr die Stärke von Kratzern, der Vignette, das Korn und des Flimmerns einstellen. Das weckt Erinnerungen an Filmvorführungen bei den Großeltern. Fehlt nur das typische Geräusch des Projektors und man darf Super 8 im 16:9-Format nicht in Frage stellen.

Wenn Ihr Eure Fotos auf dem Ektra bearbeitet habt, könnt Ihr sie natürlich über Facebook, EyeEM und Co. teilen, sollt aber nach Meinung von Kodak die Bilder auch in der Hand halten. Dazu ist mit "Prints" ein passende App vorinstalliert, über die Ihr Abzüge mit wenigen Klicks bestellen könnt – natürlich auf Kodak-Fotopapier. Pro 6x4-Abzug werden 35 Cent fällig. Die Bezahlung erfolgt per Kreditkarte. Eine Erweiterung der Bestell-Optionen um Fotobücher ist nach Herstellerangaben in Arbeit.

Sonstige Hardware: alles, was ein Smartphone braucht

Das Kodak Ektra ist aber nicht nur eine Kamera, sondern auch ein ordentliches Smartphone. Sein fünf Zoll großes Display verfügt über eine Full-HD-Auflösung und zeigt nicht nur die Fotos mit allen Details und in natürlich wirkenden Farben an, sondern eignet sich im Freien auch gut als Sucher für die Kamera.

In dem Retro-Gehäuse steckt der Helio X20 von Mediatek, dessen zehn Rechenkerne unter anderem für die Bildverarbeitung optimiert sein sollen, sowie drei Gigabyte Arbeitsspeicher. Zusammen sorgen sie dafür, dass Android 6.0 Marshmallow flüssig läuft, die Kamera-App schnell startet und unverzüglich auslöst. Die Hardware hat schon im Xiaomi Redmi Pro oder LeEco Le 2Pro seine Leistungsfähigkeit bewiesen, gerät aber unter anderem bei der Erstellung von Bokeh-Fotos an ihre Grenzen.

Der interne Speicher ist 32 Gigabyte groß und lässt sich nicht nur für Fotos mit einer microSD-Karte erweitern. Den 3000-mAh-Akku ladet Ihr über einen USB-C-Anschluss auf.

Fazit: sehr gut, aber noch nicht perfekt

Die unverbindliche Preisempfehlung des Kodak Ektra liegt bei 499 Euro. Das ist deutlich weniger, als das andere explizite Kamera-Smartphone Panasonic CM1 bei seiner Markteinführung kostete. Angesichts von China-Smartphones mit ähnlicher Hardware für etwa die Hälfte ist es aber doch vergleichsweise teuer. Dafür erhaltet Ihr bei Kodak ein Smartphone mit einem Design, das sich von der Masse abhebt. Gute und mehr als ausreichende Hardware, eine überdurchschnittlich gute Kamera und eine aufgeräumte Android-Installation – ergänzt um ein paar thematisch sehr passende Apps.

Passend zum Ektra bietet Kodak für das richtige Retro-Feeling noch ein Leder-Etui für 34,99 Euro und eine Umhängetasche mit Trageschlaufe aus Leder für 69,99 Euro an. Anders als auf unseren Fotos wird deren Abdeckung nicht an den Seiten, sondern an der Unterseite befestigt sein und muss so zum Fotografieren nicht komplett abgenommen werden.


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