Lenovo ThinkPad X1 Tablet im Test: der modulare Surface-Konkurrent

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Das Lenovo ThinkPad X1
Das Lenovo ThinkPad X1(© 2017 CURVED)

Das Lenovo ThinkPad X1 Tablet (2017) möchte anderen 2-in-1-Geräten wie Microsofts Surface Konkurrenz machen. Es ist Tablet, Notebook und bei Bedarf auch Beamer in einem. Wir haben uns die inzwischen zweite Generation des Geräts angeschaut. Der Test.

Das X1 Tablet hat auf der Rückseite einen ausklappbaren Stand. Dieser erstreckt sich fast über die gesamte Breite und ist aus Metall. Damit steht das Tablet stabil in verschiedenen Winkeln. Da er von oben nach unten aufgeklappt wird, benötigt Ihr etwas mehr Platz. Auf dem Schoß hat sich diese Lösung eher als instabil erwiesen.

Scharfes Display zum Abnehmen

Die Auflösung des 12-Zoll-Displays liegt bei 2160 x 1440 Pixeln. Das ergibt ein gestochen scharfes Bild. Lenovo nennt die Auflösung "Full HD+". Beim Format müsst Ihr auf Widescreen verzichten, das Display hat ein 3:2-Seitenverhältnis. Farben und Kontraste kommen auf dem IPS-Panel gut zur Geltung, außerdem hat sich das Tablet als sehr blickwinkelstabil erwiesen. Leider spiegelt der Bildschirm sehr stark, sodass wir schon in Innenräumen Probleme bekommen, wenn etwa eine Bürolampe direkt auf das Display strahlt.

ThinkPad Pen Pro könnt Ihr separat kaufen.(© 2017 CURVED)

An den Bildschirm kann durch eine starke Magnetverbindung eine Tastatur angeschlossen werden. So ist das Gerät Laptop und Tablet in einem.

Angenehme Tastatur

Auf der Tastatur lässt es sich auch über einen längeren Zeitraum angenehm tippen. Die Tasten sind nur minimal kleiner als die von richtigen Laptops. Sie fühlen sich weich an und haben einen deutlichen Druckpunkt. Allerdings biegt sich die Tastatur deutlich in der Mitte. Das ist typisch für solche flachen Modelle.

Über dem Keyboard sind auf etwa drei Zentimeter zwei Magnetstreifen integriert. Klappt Ihr diesen Teil an das Display steht die Tastatur schräg nach oben, was für manche Nutzer beim Tippen angenehmer sein kann. Obwohl die Magnete sehr stark sind, biegt sich die flache Tastatur dadurch noch mehr und wirkt instabil. Alternativ unterstützt der Bildschirm Multitouch-Eingaben von bis zu zehn Fingern gleichzeitig.

Die Maustasten über dem Touchpad fühlen sich im ersten Moment sehr flach und hart an, nach kurzer Eingewöhnung ist der Druckpunkt aber sehr deutlich zu spüren. Das Touchpad ist angenehm glatt, präzise und direkt. Zusätzlich zum Touchpad hat das ThinkPad X1 Tablet den für ThinkPads typischen roten TrackPoint in der Mitte der Tastatur für die Maussteuerung.

Technische Ausstattung und Leistung

Unser Modell arbeitet mit dem "Intel i7"-Prozessor 7Y75 vPro. Dieser hat zwei Kerne und taktet zwischen 2,3 und 3,6 GHz. Wer sparen möchte, kann sich hier auch für die i5-Version der CPU entscheiden. Der integrierte Grafikchip ist der Intel HD 615. 16 Gigabyte Arbeitsspeicher sind insgesamt möglich und auch in unserem Gerät verbaut. Die SSD ist mit 512 Gigabyte ausreichend groß. Wer mehr Speicherplatz braucht, greift zur größeren Version mit 1 Terabyte SSD-Speicher. Als Betriebssystem ist Windows 10 Pro vorinstalliert. Die Frontkamera für Videotelefonie nimmt mit zwei Megapixeln auf. Die rückseitige Kamera hat eine Auflösung von acht Megapixeln. Neben der Tastatur befindet sich ein Fingerabdruckscanner.

Für Bürotätigkeiten wie texten, surfen und Präsentationen zusammenstellen, ist die Rechenleistung optimal. Auch Bildbearbeitungen sind in kleinen Rahmen möglich, bei sehr großen Dateien beginnt das System zu ruckeln. Die Leistung reicht zwar nicht für aktuelle Blockbuster-Games, aber viele Indie-Spiele wie zum Beispiel "Don't Starve" laufen in Full-HD-Auflösung ohne Probleme. Ältere Games wie "Tomb Raider" (2013)  lassen sich auf niedrigen Grafikeinstellungen flüssig spielen.

Für Zahlenfans hier die Benchmark-Ergebnisse: Beim Single-Core-Test von Geekbench erreichte das Tablet im Schnitt 4020 Punkte, im Multi-Core-Test 7280 Punkte. Ein OpenCL-Durchlauf kommt auf durchschnittlich 18150 Punkte.  PC Mark 8 Home lieferte knapp 2450 Punkte, PC Mark 8 Work 2870 Punkte. Der Akku hielt in unserem Testlauf beim Surfen im Netz knapp fünf Stunden durch.

Das Tablet hat zwar keinen Lüfter und sollte dadurch eigentlich still vor sich hin arbeiten, doch Prozessor und Datenträgerzugriff machen geben manchmal sehr nervige Geräusche von sich. Im Leerlauf klingt es fast wie ein Sekundenzeiger, der immer mal aus dem Takt kommt. Ist die Umgebung ruhig, wird das Geräusch teilweise zu einer Belastung. Auch negativ aufgefallen ist, dass zum Beispiel Mausklicks oder die Enter-Taste nach dem Aufwecken aus dem Ruhezustand öfter nicht mehr erkannt wurden. In diesem Fall musste der Laptop neu gestartet werden. Auf Dauer nervt das. Unter Last oder bei langem Betrieb wird das Tablet zudem sehr warm.

Anschlüsse und Baukastenprinzip

Das Tablet bringt eine handvoll Anschlussmöglichkeiten mit sich: Auf der einen Seite haben wir einen USB-C-Port, der auch für die Stromversorgung genutzt wird, einen USB-3.0-Port sowie einen Mini DisplayPort. Unter dem rückseitigen Stand sind Steckplätze für eine microSD-Karte sowie eine Nano-SIM-Karte. Die Tastatur hat keine zusätzlichen Anschlüsse.

Dafür ist das Baukastenprinzip des Tablets für zusätzliche Module interessant. Ihr könnt an der unteren Kante des Gerätes einen Metallsteg lösen und dort zum Beispiel einen Projektor oder ein Modul mit integriertem Zusatzakku anschließen.

Der Projektor kann einen Stream Eures Monitors mit 854 x 480 Pixeln auf eine bis zu 1,5 Meter entfernte Wand werfen. Auf dem Modul gibt es einen Knopf zum Einschalten und zwei Tasten, um die Schärfe zu regulieren. Die Linse könnt Ihr mit einem Drehregler steiler oder flacher stellen, um das Bild an die Wand oder die Decke zu werfen. An der Seite befindet sich ein HDMI-Anschluss, sodass Ihr auch andere Geräte mit dem Projektor verbinden könnt. Mit dem sogenannten "Produktivitäts"-Modul bekommt Ihr einen Zwei-Zellen-Akku, einen HDMI-Anschluss, einen OneLink+-Anschluss für weitere Lenovo-Adapter und einen "USB 3.0"-Anschluss.

Zusätzlich gibt es auch noch einen Stift, den ThinkPad Pen Pro, den Ihr zur Bedienung des Tablets oder zum Schreiben von Notizen oder zum Malen verwenden könnt. Er hat eine Druckempfindlichkeit von 2048 Stufen und ist sehr präzise, das Offset ist minimal, eine Verzögerung nicht spürbar. Er liegt bequem in der Hand und eignet sich sehr gut für digitale handschriftliche Notizen. Die Tasten für Linksklick und Rechtsklick sind nah der Stiftspitze angeordnet und liegen angenehm unter dem Daumen. Angetrieben wird er von einer austauschbaren AAA-Batterie.

Preise

Das Lenovo ThinkPad X1 Tablet ist nicht für wenig Geld zu bekommen. Die derzeit günstigste Konfiguration kostet 1300 Euro und kommt mit i5-Prozessor und acht Gigabyte Arbeitsspeicher. Unsere Testausstattung liegt bei einem Preis von ca. 2150 Euro. Für das Beamer-Modul werden zusätzlich 499 Euro (UVP) fällig, das Produktivitätsmodul kostet rund 229 Euro. Der Lenovo ThinkPad Pen Pro liegt bei knapp 40 Euro. Im Onlinehandel ist der Preis für die Module allerdings schon deutlich gesunken: ca. 390 Euro werden für Beamer und ca. 170 Euro für das Produktivitätsmodul fällig.

Fazit: Praktisches Business-Tablet

Wer beruflich viel auf Reisen ist und einen kompakten Begleiter braucht, sollte sich das ThinkPad X1 Tablet auf jeden Fall anschauen. Ich persönlich empfinde die Tastatur im Vergleich mit anderen Convertibles als sehr angenehm. Der einfache magnetische Mechanismus für Tastatur und Zusatzmodule machen das Gerät zu einem echten Allrounder, der sich sehr schnell den Bedürfnissen des Nutzers anpasst. Die Akkulaufzeit könnte bei dem hohen Preis allerdings noch etwas länger sein.

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