Motorola Moto G3 im Test: Schluss mit günstig?

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Das Moto G3 ist nach IPX67-Norm wasserdicht, übersteht also auch einen kurzen Schauer.
Das Moto G3 ist nach IPX67-Norm wasserdicht, übersteht also auch einen kurzen Schauer.(© 2015 CURVED)

229 Euro kostet das neue Motorola Moto G im Jahr 2015 in der günstigsten Ausstattung. Was Ihr für Euer Geld bekommt, haben wir getestet.

Schick und teuer gehen ja oft Hand in Hand. Smartphones machen da keine Ausnahme. Es sei denn, man heißt Motorola. Denn das Moto G3 ist meiner Meinung nach ziemlich schick geworden, auch wenn das Gehäuse aus Kunststoff besteht. Na klar, für den Preis darf man keine Aluminiumverkleidung erwarten. Noch dazu ist das Moto G3 nach IPX67-Norm wasser- und staubdicht. Das gibt es in dieser Preisklasse auch nicht so oft. Mit 155 Gramm ist das Gerät kein Leichtgewicht. Durch die gewölbte Rückseite ist es aber schön griffig und liegt gut in der Hand.

Gefällt Euch die Farbe unseres Testgerätes nicht, macht das nichts. Denn Ihr könnt das neue Moto G erstmals über den Motomaker konfigurieren und zumindest etwas nach Eurem Geschmack gestalten. Anders als beim Premium-Gerät Moto X stehen nämlich keine Extravaganzen wie Holzrückseiten zur Auswahl. Immerhin könnt Ihr Eurem Smartphone über die Webseite einen Anstrich verpassen, der zu Eurem Lieblingsverein oder Lieblings-Comichelden passt.

Teurer ist tatsächlich besser

Außerdem könnt ihr die Hardware des Moto G3 per Motomaker aufstocken. Sparfüchse speist Motorola mit gerade einmal acht Gigabyte Speicher und einem Gigabyte Arbeitsspeicher ab. Zahlt ihr 50 Euro drauf, bekommt ihr jeweils das Doppelte. Beide Geräte kommen aber mit dem gleichen Snapdragon-410-Prozessor von Qualcomm. Für unseren Test stand uns die besser ausgestattete Version zur Verfügung. Deswegen können wir zur Leistung der günstigeren Variante keine Angaben machen.

Zumindest beim Moto G3 mit (relativ) viel Arbeitsspeicher stimmt die Perfomance. Obwohl sich das Gerät sowohl im AnTutu-Benchmark (24.132 Punkte) als auch im Geekbench 3 (1591 Punkte, Multi-Core) zwischen alten Geräten wie dem Nexus 4 einreiht, öffneten sich alle Apps ohne Wartezeit. Auch spielen war mit dem Gerät (fast) kein Problem. Ich habe ein paar Runden in Real Racing 3 gedreht, ein paar Matches Fifa 15 Ultimate Team gezockt und Angry Birds 2 gespielt. Einzig bei The Witcher - Battle Arena gab es lange Ladezeiten. Das Spiel selbst lief dann aber meistens flüssig.

Der Speicher ist mit 16 Gigabyte knapp bemessen. Braucht ihr mehr Platz für Fotos, Apps und Musik, könnt ihr per microSD-Karte bis zu 32 Gigabyte nachrüsten. Das gilt natürlich auch für die 8-Gigabyte-Version. Neu ist, dass Motorola das Moto G gleich mit LTE anbietet. Bei den beiden Vorgängermodellen hat das Unternehmen zunächst mal eine 3G-Variante auf den Markt gebracht und erst später ein LTE-fähiges Smartphone nachgeliefert. Dual-SIM gibt es nicht, das Moto G 3 schluckt nur eine Micro-SIM-Karte.

Display mit Sonderfunktionen

Das Display ist im Vergleich zum Vorgänger weder gewachsen noch geschrumpft. Es ist immer noch fünf Zoll groß und löst mit 1280 x 720 Pixeln auf. Das ist bei dieser Größe gerade noch annehmbar. Die Blickwinkel sind aber angenehmen groß. Auch bei direkter Sonneneinstrahlung lässt sich der Bildschirm noch gut ablesen. Außerdem wird er durch Gorilla Glass 3 von Corning vor Kratzern geschützt.

Vom Moto X bringt Motorola die Technik Moto Display aufs Moto G 3. Das heißt, sobald Ihr das Smartphone vom Tisch aufhebt, schaltet sich der Bildschirm automatisch an und zeigt die Uhrzeit und eingegangene Nachrichten in Schwarzweiß. Das spart Akkulaufzeit. Dazu soll auch die Gestensteuerung beitragen: Schwingt ihr das Telefon wie ein Hackebeil, könnt ihr die Taschenlampe einschalten, ohne das Display zu aktivieren. Kippt Ihr das Smartphone zwei Mal in der Hand nach hinten, öffnet sich die Kamera-App.

Kamera und Akku

Die Knipse schießt Fotos mit einer Auflösung von 13 Megapixeln und löst verflixt schnell auf. Statt eine virtuelle Taste zu drücken, genügt es, wenn Ihr einmal auf das Display tippt. Schon ist das Foto im Kasten. Allzuviele Einstellungsmöglichkeiten gibt Euch Motorola nicht an die Hand. Immerhin könnt Ihr den Fokus manuell setzen. Fotos wirken nur bei Tageslicht gut. Stimmt die Belichtung mal nicht, wirken die Bilder schnell unscharf.

Für Instagram und Facebook reicht es aber. Das trifft auch auf die Fünf-Megapixel-Frontkamera zu. Die braucht beim Auslösen aber deutlich länger. Alles in allem eigenen sich beide Knipsen für das schnelle Foto auf Facebook, Snapchat oder Instagram. Künstlerische Wunderwerke sollte ihr bei einer Smartphone-Kamera in dieser Preisklasse aber nicht erwarten.

Eine Überraschung ist die Laufzeit. Der Akku ist 2470 Milliamperestunden groß und hielt bei mir locker den kompletten Tag durch, obwohl ich mit dem Gerät zwecks Test sehr viel herumgespielt habe. Einen Nachteil hat der Akku aber doch: Er ist fest im Gehäuse verbaut.

Reines Android mit hilfreichen Apps

Wie gewohnt, bleibt das installierte Android 5.1.1 Lollipop von Motorola weitesgehend unangetastet. Zur zwei Apps gibt es von Motorola obendrauf: Migrate hilft dabei, Daten von Eurem alten Smartphone zu importieren. Moto ist eine Anwendung, mit der ihr einstellt, ob, wann und wie sich Euer Smartphone melden soll. Bei den richtigen Einstellungen werdet ihr zum Beispiel in Meetings oder in der Nacht nicht von Anrufen oder Nachrichten gestört. Bis auf die zwei Apps gibt es also nicht nur keine nervige Bloatware, sondern wirklich brauchbare Ergänzungen. Android-Updates landen in der Regel schnell auf den Geräten von Motorola. Es ist also nicht unwahrscheinlich, dass auch das neue Moto G zügig ein Update auf Android 6.0 Marshmallow bekommt.

Die Moto-App hilft euch, Regeln zu erstellen. So bleibt das Smartphone zum Beispiel in der Nacht stumm.(© 2015 CURVED Montage)

Ansonsten hält man sich mit Extras aber stark zurück. Neben dem Gerät liegen im Karton lediglich noch eine Kurzanleitung, die Garantiehinweise und ein Micro-USB-Kabel. Ein Netzteil liefert Motorola von Haus aus nicht mit. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass manche Elektromärkte selbst eines beilegen. Das war schon beim ersten Moto G der Fall.

Fazit: Günstig war einmal

Das erste Motorola Moto G gab es schon ab 169 Euro zu kaufen, das zweite kostet ohne LTE 179 Euro. Mit der dritten Generation verabschiedet sich Motorola nun aus dem Einstiegssegment. Ab 229 Euro geht das Smartphone mit acht Gigabyte Speicher über den Ladentisch.

Nein, einen neuen Preisbrecher hat Motorola da nicht im Angebot. Im Test überzeugt das Gerät trotzdem mit flinker Bedienung, schickem Design und der fixen Kamera. Beim Display hätte es auch gern Full-HD-Auflösung sein dürfen. Aber es ist auch klar, dass man für den Preis nicht das schärfste Display und die beste Kamera verlangen darf. Die Leistung des Gerätes geht insgesamt mehr als in Ordnung.

Durch das fast unangetastete Betriebssystem wird das Moto G3 zu einer Art Mini-Nexus. Wer also kein Geld fürs große Nexus 6 ausgeben möchte und trotzdem die pure Android-Erfahrung haben will, ist beim Moto G3 gut aufgehoben. Auch Gelegenheitsspieler und Dauersurfer werden mit dem Gerät glücklich.


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