Nintendo Switch im Test: das ausführliche Hands-on [mit Video]

Nintendo hat die Nintendo Switch offiziell präsentiert. In Offenbach konnten wir die neue Spielkonsole bereits in die Hand nehmen und erste Spiele anzocken.

Das Dock ausprobiert: Verbindung in wenigen Sekunden

Das Dock gefällt mir richtig gut. Im Handumdrehen kann ich das Tablet hineinschieben und wieder herausholen. Der Anschluss macht einen stabilen Eindruck. Häufiges Anstecken und Abziehen sollten da keine Problem bereiten. Ein bisschen müsst Ihr Euch nur an die Position gewöhnen, wo denn nun genau der USB-Anschluss im Dock sitzt. Doch selbst wenn Ihr da nicht genau trefft, beschädigt Ihr das Tablet durch hin- und herschieben nicht.

An der Rückseite des Docks befindet sich unter einer Klappe der HDMI-Anschluss, über den man die Konsolen-Station mit dem Fernseher verbindet. Daneben sitzen der USB-Port und der Stromanschluss. Seitlich sind ebenfalls zwei USB-Anschlüsse angebracht. Diese Docking-Station ist klein und kompakt. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich das als "Schutzhülle" für das Tablet komplett in meinen Koffer packe und auf Reisen mitnehme.

Das Ein- und Ausstecken des Tablets hat, während das Spiel lief, auch super funktioniert. Innerhalb von etwa zwei Sekunden zeigte der Fernseher das Bild an und ich konnte an derselben Stelle weiterspielen, an der ich auf dem Tablet aufgehört hatte.

Das Tablet: nur HD-Auflösung ohne Dock

Die Joy-Con-Controller sind auch als blau-rote Variante erhältlich.(© 2017 CURVED)

6,2 Zoll und eine nur HD-Auflösung (1280 x 720 Pixel) bietet das Tablet der Nintendo Switch. Ein bisschen wenig, die Qualität enttäuscht aber nicht. Im Gegenteil: "The Legend of Zelda: Breath of the Wild" oder "Mario Kart 8" sehen trotzdem scharf und farbintensiv aus. Wahrscheinlich hat sich Nintendo für die niedrigere Auflösung entschieden, um den Akku zu schonen. Denn wenn das Tablet im Dock sitzt, werden die Spiele mit Full-HD (1920 x 1080 Pixel) ausgegeben.

An der oberen linken Seite sitzen neben dem Powerknopf die Lautstärke-Tasten. Auf der rechten oberen Seite befindet sich der Einschub für die kleinen Game Cards (die Cartridges der Spiele) sowie der Kopfhöreranschluss. Auf der Rückseite können wir einen Ständer ausklappen. Darunter finden wir das Einschubfach für die microSD-Karten, um den internen Speicher zu erweitern, der im Jahr 2017 mit 32 Gigabyte definitiv zu klein ausfällt. So viel hatte damals schon die Pro-Version der WiiU. Hier hätten wir uns wirklich ein bisschen mehr technischen Fortschritt gewünscht.

Laut Nintendo sollen Nutzer mit dem Tablet unterwegs ein Spiel, wie das zum Verkaufsstart der Konsole erhältliche "The Legend of Zelda: Breath of the Wild", für etwa drei Stunden zocken können, bevor der Akku schlapp macht. Das reicht dann vielleicht gerade so für eine Zugfahrt von Leipzig nach Hamburg.

Die Controller: kleiner als klein

Gleich vorweg: Das neue Vibrationselement HD Rumble oder für den deutschen Markt "HD Vibration" genannt, hat mich komplett überzeugt. In einem Mini-Spiel des "1-2-Switch"-Pakets  wurde ein Joy-Con gefühlt zu einer Schachtel, in der Kugel stecken. Nur durch hin- und herbewegen musste ich erraten, wie viele Kugeln darin sind. Das hat sich absolut echt angefühlt. Als wären tatsächlich Kugeln in meinem Controller, die hin- und herrollen, je nachdem wie ich ihn bewege. Wahnsinn. Ich bin gespannt, was man damit noch alles machen kann – bisher beschränkt sich das auf sehr minimalistische Spielideen.

Einzelne Joy-Cons

Die Joy-Con-Controller sind winzig.(© 2017 CURVED)

Die Controller heißen Joy-Con und bestehen aus einer linken und einer rechten Einheit. Sie sind winzig. Mini-Knöpfe auf sehr kleinen Gamepads. Allerdings sind sie auch superleicht, wie alles an der Konsole. An das kleine Format muss man sich beim Spielen erstmal gewöhnen.

Die linke Seite hat den analogen Stick oberhalb, darunter sind vier Richtungstasten und der Capture-Button, der ähnlich wie der "Share"-Knopf am PS4-Controller Screenshots aufnimmt und später auch Videos direkt in sozialen Netzwerken teilen soll. Oben befindet  sich ein Knopf in Form des Minus-Symbols zum Verringern der Lautstärke.

Auf der rechten Einheit sitzt oben das Gegenstück: ein Knopf im Form des Plus-Symbols zum Erhöhen der Lautstärke. Der analoge Stick befindet sich im unteren Teil über dem Home-Button, darüber sind die ABXY-Knöpfe angebracht. An der Unterseite des rechten Controllers befindet sich außerdem ein Infrarot-Sensor, der misst, wie weit entfernt Gegenstände sind oder Ihr Eure Hand haltet. Mit diesem rechten Teil könnt Ihr außerdem wieder Amiibo-Figuren ins Spiel bringen.

Beide Joy-Con-Seiten verfügen über je zwei Schultertasten. Nehmen wir sie einzeln in die Hand finden wir auf der Steck-Seite nochmals Knöpfe, die als Schultertasten fungieren, wenn wir den Joy-Con waagerecht halten – zum Beispiel beim Spielen am geteilten Bildschirm. Übrigens können bis zu vier Spieler gleichzeitig lokal an einer Konsole zocken, wenn es das Spiel zulässt. Zwischen den Schultertasten sitzen die Spieler-LED und der Sync-Button, um den Controller mit der Konsole zu pairen.

Wie erwartet fühlen sich die Joy-Cons sehr klein an – vor allem wenn ich nur einen davon waagerecht als Controller verwende. Die "Schultertasten" sind dann auf der Seite, die eigentlich an den Tablet-Teil der Konsole gesteckt werden. Diese sind so winzig, dass sie sich leider nur sehr unpräzise drücken lassen. Aber um unterwegs mal schnell ein bisschen "Mario Kart 8" zu zocken kann ich mir die beiden Winzlinge gut vorstellen. Auf Dauer wäre mir das zu nervig. Praktisch sind allerdings die Handgelenksschlingen. Diese werden an der Seite des Joy-Con auf dieselbe Schiene geschoben, mit der der Controller sonst am Tablet festhält.

Tablet-Modus

Die Nintendo Switch mit angesteckten Joy-Con-Controllern(© 2017 CURVED)

Für Einzelspieler-Games oder wenn Ihr online oder im WLAN gegen andere Switch-Spieler zockt, könnt Ihr unterwegs die Joy-Cons links und rechts am Tablet feststecken. Das geht erstaunlich gut über eine Metallschiene. Per Knopf löst Ihr die Verbindung und zieht die Gamepads ab. Im Vorfeld hatte ich mir diesen Teil etwas unhandlicher oder gebrechlicher vorgestellt. Doch die Controller sitzen perfekt und die Verbindung macht einen robusten Eindruck, sodass ich mir auch hier das häufige An- und Abziehen gut vorstellen kann.

Spielerisch ist es auch erstmal ungewohnt mit einen so breiten Handheld zu zocken. Hier muss ein ausführlicher Test zeigen, ob das auf Dauer gut funktioniert. Nach 20 Minuten hatte ich mich noch nicht so recht daran gewöhnt und war mir noch unschlüssig, ob ich das Teil jetzt auf meinen Schoß lege oder in der Luft halte oder hin und her wechsel. Egal wie: ergonomisch wird das nicht. Da ist es wahrscheinlich gut, dass der Akku nur drei Stunden hält und wir dann als Pause mal aus der verkrampften Haltung herauskommen.

Joy-Cons mit Grip

Das Joy-Con-Grip ist eine Art Mittelteil, an das Ihr die Joy-Cons stecken könnt, um einen Controller zu bauen und gleichzeitig die Joy-Cons aufzuladen.(© 2017 CURVED)

Wenn Ihr beim Tablet hinten den Ständer herausklappt und es auf einen Tisch stellt, könnt Ihr die Joy-Cons abnehmen und zum Laden und als Controller auf das Joy-Grip stecken. Dann haltet Ihr ein fast quadratisches Gamepad in den Händen.

Diesen Spielmodus empfinde ich als sehr seltsam, weil sich alles so eng anfühlt. Die Hände sind so nah beieinander und müssen mit den Mini-Knöpfen spielen. Vor allem rechts müsst Ihr mit dem Daumen über den Analogstick greifen, wenn Ihr die ABXY-Knöpfe erreichen möchtet. Große Hände könnten es sogar als unangenehm empfinden. Wenn Ihr Controller von Sony oder Microsoft gewöhnt seid, habt Ihr erstmal das Gefühl eine Kinderversion in der Hand zu halten. Ich hoffe, dass das unangenehme Gefühl schnell verfliegt, wenn man länger am Stück damit zockt.

Pro-Controller

Ein Pro-Controller für die Nintendo Switch.(© 2017 CURVED)

Sehr gut gefallen hat mir der einzeln für etwa 70 Dollar erhältliche Nintendo Switch Pro Controller. Das ist ein klassisches Gamepad mit normal großen Buttons und analogen Sticks. Die Schultertasten sind weich die Buttons haben auf den ersten Blick einen klaren Druckpunkt. Leider hatten wir hier nur sehr kurz die Möglichkeit uns einen ersten Eindruck zu verschaffen.

Die Spiele: Zelda überzeugt auf den ersten Blick

Fans lieben Nintendo vor allem wegen seiner eigenen Games. Kein Wunder, dass der Andrang beim Anspielen von "The Legend of Zelda: Breath of the Wild" beim Hands-on-Termin sehr groß war. Nach leider nur 20 Minuten in der Zelda-Welt war die Demo auch schon wieder dabei. Der eigene Grafikstil überzeugt, wir hatten Spaß. Es ist auf jeden einer der größten Launch-Titel, die Nintendo für den Verkaufsstart aus dem Hut zaubern konnte.

"Arms" hat mich total gefesselt. Wie in einem Boxspiel halte ich die Joy-Cons in den Händen und fuchtel vor mit in der Luft herum. Meine Spielfigur bekommt bei jedem Schlag total lange Arme und zieht den Gegner damit an sich heran, verpasst ihm einen guten Haken oder teilt richtig Prügel aus. Ein super Party-Spiel, wo ich mich jetzt schon freue, wenn wir das in der Redaktion gegeneinander zocken können.

Auch das Party-Pack "1-2-Switch" weiß zu begeistern. Zwar nur kurz, aber für ein paar Runden gegen Freunde macht das viel Spaß. Neben dem schon beschriebenen Spiel, wo man die Kugelanzahl in der Box rät, kann man zum Beispiel noch einen Tresor knacken, indem man den Controler ganz langsam dreht oder sich wie im Wilden Westen ein Pistolen-Duell liefern. Wer nach dem Signal zuerst "schießt", gewinnt. Sehr lustig!

Anspielen konnten wir heute außerdem "Splatoon 2", das sich eigentlich genauso anfühlt wie Teil 1, "Super Mario Kart Deluxe", das wir zu acht per WLAN auf acht Switches gezockt haben – sehr cool! – und einige Klassiker wie Bomberman und Street Fighter, die auch wieder viele lachende Gesichter hervorgebracht haben.

Doch trotz dem Hypes und so viel Spaß: Es ist sehr schade, dass es zum Release der Switch wenig Games gibt und das neue "Super Mario Odyssey" auch erst zu Weihnachten kommt. Ein bisschen fühlt es sich so an als würde sich Nintendo auf seinem großen Launch-Titel "Zelda" ausruhen. Auch dass es noch keine Details zu den Preisen des kostenpflichtigen Online-Multiplayers gibt, ist enttäuschend. Hoffentlich wird hier bald nachgebessert.

Fazit: Winzig, aber spaßig!

Wenn Ihr unschlüssig seid, ob die neue Nintendo-Konsole etwas für Euch ist, nehmt vorher unbedingt die Controller in der Hand. Die Joy-Cons sind winzig, die Knöpfe mini. Vielleicht ist das nur Gewöhnungssache, aber ausprobieren sollte man es trotzdem. 330 Euro sind auch eine Menge Geld, wenn man bedenkt, dass die Nintendo-Konsole damit nur 70 Euro günstiger als zum Beispiel die Playstation 4 Pro ist, die technisch so einiges mehr auf dem Kasten hat.

Ansonsten bleibt zu sagen: Das Spielen macht Spaß. Nintendo weiß, wie es seine Fans überzeugt. "Arms" ist mega witzig und erinnert mich auf eine bunte Art und Weise an Microsofts Exklusivtitel "Fighter Within", das zum Start der Xbox One erschien. Allein schon, weil Zelda zum Launch-Titel wurde und das neue Sandbox Super Mario Odyssey so vielversprechend aussieht, gehört die Nintendo Switch als Konsole mit einem sehr coolen hybriden Konzept in eine Gamer-Sammlung.


Weitere Artikel zum Thema
Nokia 3310 im Test: der neue "Knochen" im Hands-on [mit Video]
Marco Engelien4
Supergeil !51Das Nokia 3310 ist zurück.
Ist das Highlight des MWC gar kein smartes Gerät? HMD Global bringt den Klassiker Nokia 3310 zurück. Ob sich etwas verändert hat, verrät das Hands-on.
Huawei P10 im Test: das Insta­gram-Smart­phone im Hands-on [mit Video]
Felix Disselhoff13
Her damit !33Das Huawei P10 in Graphite Black
Schickes Design, Top-Kamera und schnelle Hardware: Warum das Huawei P10 der Star des Mobile World Congress in Barcelona ist.
Das Nokia 3310 ist zurück – und hat Snake im Gepäck
Jan Johannsen5
Her damit !25Das Nokia 3310 ist wieder da.
Das Nokia 3310 ist wieder da! Mit schlechter Kamera, aber Snake, einem Monat Standby, Tasten zum Drücken und vier Gehäusefarben.