Nvidia Shield Tablet: Das taugt das Gamer-Tablet

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Nvidia Shield Tablet
Nvidia Shield Tablet(© 2014 CURVED)

Da ist es nun endlich: das Shield Tablet von Nvidia. Die Gerüchte haben sich bewahrheitet und der Grafikkarten-Spezialist präsentiert uns ein Tablet speziell für Gamer. Passend dazu wurden auch gleich ein Shield-Controller und ein Cover für das Tablet gezeigt. Wir waren bei der Vorstellung dabei und haben uns das Tablet aus nächster Nähe angeschaut. 

Seit Monaten ranken sich zahlreiche Gerüchte um das Shield Tablet : Da wurde gemunkelt, das Tablet würde über ein 8 Zoll Display mit einer Auflösung von 2.048 × 1.536 Bildpunkten verfügen und unter dem Codenamen „Mocha“ entwickelt werden. Plötzlich tauchte in China das Xiaomi MiPad auf, dessen technische Spezifikationen wie die Faust aufs Shield 2 passte und die Zocker-Gemeinde wähnte dieses Tablet bereits als Basis für das Shield Tablet — alles Pustekuchen.

Am heutigen Tage lüftet Nvidia das Geheimnis und zeigt uns erstmalig das wirkliche Shield Tablet — mit diesem erweitern die US-Amerikaner ihre Android Gaming Plattform Shield endlich um ein Gerät, das auch hierzulande die breite Masse erreichen könnte: Die erste Generation vom Shield wird weiter verkauft, bleibt aber ein US-only-Produkt. Das Tablet hingegen wird ab Mitte August auch in Europa erhältlich sein.  

Die Hardware: Das steckt im Nvidia Shield Tablet

Das Shield Tablet verfügt, tatsächlich wie das XiaoMi MiPad, über Nvidias neuesten Prozessor, den Tegra K1-Chip. Der taktet mit 2,2 GHz und wird von 2 GB Arbeitsspeicher unterstützt. Das besondere am K1 ist sein Grafikeinheit: Die kommt mit stolzen 192 Kernen und basiert auf dem Kepler-Grafikchip, den wir aus Nvidias PC-Grafikkarten kennen. So ausgestattet sollte das Shield Tablet in der Lage sein, auch die aufwendigsten Spiele schnell und ruckelfei auf dem Display dazustellen.

Das 8 Zoll-Display erreicht zwar nicht die in der Gerüchteküche postulierten 2.048 x 1.536 Bildpunkte, aber die tatsächliche Full HD-Auflösung mit 1.920 x 1.200 Bildpunkten ist unserer Ansicht nach für ein Tablet dieser Größe völlig ausreichend. Ein Mini HDMI 1.4a-Port ist ebenfalls an Bord, so dass zumindest Videos auch mit 4K auf einen externen Bildschirm ausgegeben werden können. Kabellos lassen sich Daten per WiFi nach 802.11 a/b/g/n oder per Bluetooth 4.0 LE verschicken . Zusätzlich wird es eine Version des Shield Tablets geben, die über ein LTE-Modem verfügt; diese Variante greift gegenüber dem WiFi-only -Modell auch auf die doppelte Speichermenge, also 32 GB statt 16 GB, zurück. Beide Versionen lassen sich dank microSD-Slot aber um bis zu 128 GB zusätzlichen Speicher erweitern.

Wer jetzt glaubt, dass an dieser Stelle Schluss mit der Ausstattung des Shield Tablets sei, der hat sich zum Glück geirrt: Nvidia hat den passiven Stylus vom Tegra Note übernommen und gibt ihn dem Shield Tablet mit. Zusätzlich wurden zwei 5 Megapixel-Kameras, eine auf der Rückseite, eine an der Front, verbaut. Für die passende Geräuschkulisse beim Spielen sorgen die Stereo-Lautsprecher auf der Front des Tablets.

Design und Verarbeitung — schön dezent

Beim Design macht Nvidia keine großen Experimente und gestaltet das 8 Zoll-Gaming Tablet ähnlich wie das Tegra Note 7 Tablet: Die Rückseite ist gegenüber diesem aber etwas dezenter und  einheitlich in mattem Schwarz gehalten. Die Front erinnert stark an das HTC One M7 oder auch das One M8 — denn wie diese beiden Smartphones sitzen auch im Shield Tablet die Lautsprecher im oberen und unteren Rahmen. Ebenfalls am unteren Rahmen integriert ist der Stylus: Diesen zieht man beim Shield Tablet nun seitlich heraus, und nicht wie noch beim Tegra Note 7 nach unten.

Besonders gut hat uns gefallen, dass Nvidia an der Verarbeitungsqualität gearbeitet hat: Knirschte und knarzte das Tegra Note 7 noch an allen Ecken und Kanten, so ist das Shield Tablet mindestens um zwei Qualitätsstufen besser — für eine endgültige Meinung darüber warten wir aber noch die finale Version. Mit 390 Gramm ist das Shield Tablet dagegen sicher kein Fliegengewicht unter den 8 Zoll Tablets. Zum Vergleich: Ein Galaxy Note 8.0 wiegt nur 355 Gramm. Trotz dieses leichten Übergewichts liegt das Shiels Tablet aber gut in einer Hand.

Software — Android ist nur die Basis

Wie schon vom Shield Portable gewohnt lächelt Euch auf dem Shield Tablet eine von Nvidia modifizierte Android Version entgegen. Als Basis dient Android 4.4.3, das mit der Nvidia Tegra Zone und diversen weiteren Feinheiten erweitert wurde: Da wären der Gamepad Mapper, Nvidia ShadowPlay und Gamestream sowie der sogenannte Konsolen-Modus. Auch eine spezielle App für den ebenfalls neuen Shield Controller ist bereits vorinstalliert.

Neu ist die volle Integration von Twitch in die Systemsoftware des Shield Tablets: Dadurch ist es jederzeit möglich, den Bildschirm plus das Bild einer der beiden 5 MP-Kameras live zu Twitch zu streamen. So könnt Ihr also spielen und ganz unkompliziert das Spiel, Eurer Antlitz und den eigenen gesprochenen Kommentar an den Dienst übersenden — dank dieser nativen Twitch-Integration werden wir wohl sehr bald viele Let's Play-Videos sehen, die auf dem Shield Tablet generiert worden.

Performance kann sich sehen lassen

Der neue Tegra K1-Chipsatz setzt sich wie erwähnt aus einem 2,2 Ghz schnellem Vierkern-Prozessor und einer mit 192 Kernen ausgestatteten Grafikeinheit zusammen. Bei unserem Probespielen war die Leistung dieser Kombination deutlich spürbar: Vor allem bei Half Life 2 gab es kaum noch Schwankungen bei den Frames und es ergab sich ein durchweg flüssiger und geschmeidiger Spielablauf.

Zur Akkulaufzeit können wir uns nach dem kurzen Hands-On bei Nvidia noch nicht äußern. Laut Nvidia selbst hat der Akku eine Kapazität von 19,75 Wh und kann bis zu 10 Stunden HD Videos mit nur einer Ladung abspielen. Sobald wir unser Testsample vom Shield Tablet erhalten haben, werden wir dies natürlich überprüfen und dem Akku auf den Zahn fühlen.

Zubehör: Shield Controller und Cover

Für ein echtes Gaming Tablet braucht es passendes Zubehör: Nvidia bietet von Haus einen nur auf das Shield Tablet angepassten Controller an. Der wird nicht etwa per Bluetooth mit dem Tablet gekoppelt, sondern nutzt dazu WiFi Direct. Durch diese Verbindungsart lassen sich zum einem bis zu vier dieser Controller mit dem Tablet verbinden, zum anderen verringert Nvidia damit die Latenz zwischen Controller und Tablet — auch ergibt sich ein flüssigeres Spielerlebnis.

Der Controller selbst erinnert, wie auch schon beim Shield Portable, an das Xbox-Gamepad. Natürlich hat Nvidia ihn aber noch speziell für das Shield Tablet angepasst: Ein integriertes Mikrofon sorgt dafür, dass das Tablet aufs Wort hört, Suchbegriffe lassen sich per Sprache eingeben, genauso wie Kommandos zum Starten von Apps oder Spielen. Das ist zum Beispiel dann sehr hilfreich, wenn das Tablet im Konsolen-Modus an den Fernseher angeschlossen ist. Und Nvidia hat sogar daran gedacht, ein Headset-Anschluss im Controller unterzubringen.

So viele Funktionen auf einem Controller: Das kleine TouchPad ist ungewöhnlich — aber nützlich für Anwendungen, die nur Touchsteuerung erlauben.

Was aber ist mit Spielen, die zwingend die Bedienung per Touchscreen erfordern, wie zum Beispiel Fruit Ninja? Kein Problem, der Controller verfügt über einen kleines Touchfeld, über das man auch herumfliegende Früchte zerschneiden kann.

Das Shield-Cover ist schnell beschrieben, so etwas kennt Ihr ja von zahlreichen anderen Tablets: Per Magnet wird es an der einen Seite des Tablets gesichert und dient gleichzeitig als Ständer für das Tablet, Zum Beispiel für den gemütlichen Zock in der Bahn.

Preise und Verfügbarkeit — nicht mehr US-only

Am 29. Juli wird das Shield Tablet in Nordamerika in den Verkauf gehen. Dort wird die 16 GB WiFi-only-Variante für 299 US-Dollar und die 32 GB LTE-Version für 399 US-Dollar angeboten werden. Der Controller ist separat für 59 US-Dollar und das Cover für 39 US-Dollar erhältlich.

In Europa startet Nvidia mit dem Verkauf ab dem 14. August. In Deutschland und Österreich wird das Shield Tablet mit 16 GB und nur WiFi für 299,99 Euro angeboten, die 32 GB LTE-Variante kostet dann 379,99 Euro. Für den Controller werden 59,99 Euro und für das Cover nochmals 29,99 Euro fällig.

Das Shield Portable verkauft Nvidia derweil in Nordamerika weiterhin zum Preis von 199 US-Dollar; nach Europa wird es aber definitiv nicht mehr kommen. Wer sich eines hat importieren lassen, der kann sich aber auf ein großes Software Update freuen: Mit diesem erhält das Portable auch die Unterstützung für den neuen Shield Controller sowie zahlreiche weitere Verbesserungen.

Erstes Fazit: Raus aus der Nische

Das erste Lehrjahr mit dem Shield Portable ist vorbei, jetzt will Nvidia mit dem Shield Tablet ein größeres Publikum erreichen. Dabei birgt die zweite Generation des Nvidia Shield kaum Überraschungen, denn der Großteil der Spezifikationen war schon vorher geleakt. Trotzdem oder exakt deshalb macht das Shield Tablet erstaunlich viel Spaß. Auch der neue Controller ist eine gute Ergänzung, sämtliche von uns vor Ort angetesteten Titel waren damit gut und vor allem ohne spürbare Verzögerungen spielbar. Auch das bekannte Streamen von PC Games auf das Tablet hat gut geklappt.

Dabei muss natürlich festgehalten werden, dass das ganze Setup, die Spiele, die Tablets und auch die PC-Titel zum Streamen von Nvidia aufgebaut und installiert wurden und unsere ersten Tests in dieser kontrollierter Umgebung stattgefunden haben. Für ein abschließendes Urteil über das Shield Tablet müssen wir das gute Stück erst einmal in einer normalen Umgebung testen. Denn wie wir schon beim Shield Portable in unserem Interview mit Budi festgestellt haben, ist im Alltag alles nicht immer ganz so einfach, wie von Nvidia beschrieben.

Mit Blick auf Preis und Leistung ist Nvidias Gaming Tablet  auf der Höhe der Zeit und kann durchaus als Empfehlung durchgehen: Es verfügt über tolle Hardware, einen guten passiven Stylus und ist solide verarbeitet. Als Bonus erhaltet Ihr dank der Tegra Zone dann auch noch Zugang zu exklusiven Spieletiteln, wie Half Life 2 und Portal 2, die auf keinem anderen Android-Tablet laufen werden.


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