OnePlus One im Test: der neue Android-Goldstandard

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OnePlus One
OnePlus One(© 2014 CURVED)

5,5 Zoll, schickes Design, 64 GB Speicher und Top-Ausstattung. Für nur 299 Euro? Das gibt's doch nicht. Doch, gibt's! OnePlus One heißt das Objekt der Begierde, das wir auf Herz und Nieren getestet haben.

Bevor wir zum Produkt kommen, muss allerdings nochmal kurz ausgeholt werden. Denn mindestens so spannend wie das Smartphone ist die Geschichte hinter dem Unternehmen. OnePlus wurde im Dezember 2013 von Peter Lau, ehemals Vice President bei Oppo,  gegründet. Das erste Smartphone des jungen Startups sollte vom Start weg mit Cyanogenmod ausgeliefert werden.

Wenn man etwas tiefer gräbt und auch Peter Laus Historie in Betracht zieht, dann findet man schnell heraus, dass hinter OnePlus eigentlich Laus alter Arbeitgeber steckt.  Dokumente der chinesischen Regulierungsbehörde SIPO belegen, das OnePlus eine 100 prozentige Tochter von Oppo ist. Offiziell gemacht wird das aber nicht. Es scheint fast so, als ob hier Oppo mit OnePlus eine Marke aufbaut, die die verrückten Online-Aktionen wie „Smash the Past“ Begehrlichkeiten wecken soll.

Zur Hardware: Mehr geht kaum

Das 5,5 Zoll große OnePlus One ist ausgestattet mit einem 2,5 GHz schnellem Qualcomm Snapdragon 801 Quad-Core-Prozessor mit satten 3 GB Arbeitsspeicher. Derselbe Prozessor befindet sich auch im Samsung Galaxy S5 und dem LG G3. Der Arbeitsspeicher ist mit 3 GB sehr großzügig bemessen. Der Speicher liegt bei 16 oder 64 GB. Eine Rückkamera mit 13 Megapixeln und eine Frontkamera mit 5 Megapixel  runden das Hardware-Paket ab.

Mit voller Kraft gegen LG G3, Samsung Galaxy S5 und HTC One M8.(© 2014 CURVED)

Natürlich beherrscht das OnePlus One auch die drahtlose Kommunikation. Hier steht WLAN 802.11a/b/g/n und auch ac auf den Frequenzen 2,4 und 5 GHz. Außerdem sind noch Bluetooth 4.0, ein GPS-Modul  sowie ein NFC-Chip verbaut.

Etwas wichtiges fehlt aber: LTE im 800 MHz Frequenzband. In ländlichen Regionen in Deutschland muss das OnePlus One dann ohne LTE auskommen. Bei ausgiebigen Radtouren oder Wandertouren bräuchte ich eh kein LTE. In der Großstadt seid Ihr über die anderen LTE-Bänder mit schnellem Internet versorgt.

Design und Material:

Optisch erfindet das One nun das Smartphone nicht neu. Dreht man das Smartphone um oder hält es in der Hand, dann spürt man direkt die raue Rückseite der Sandstone-Black-Variante. Diese sandsteinartige Rückseite ist von der Haptik griffig und auch nicht anfällig für Fingerabdrücke. Das gefällt! Da hat OnePlus sich nicht nur etwas Schickes einfallen lassen, sondern wertet das OnePlus auch haptisch auf. Wichtig: Diese Variante gibt es nur mit dem 64-GB-Modell.

Auch wenn das OnePlus One ein schlichtes und elegantes Handy ist: kompakt ist es nicht. Wenn man den Chinakracher mit dem ebenfalls 5,5 Zoll großen LG G3 vergleicht, dann fällt das G3 eindeutig kompakter aus und ist sogar 11 Gramm leichter.

OnePlus One vs. LG G3: Der Chinakracher ist deutlich größer als das Flaggschiff von LG(© 2014 CURVED)

Display

Mit 5,5 Zoll fällt das Display in die großen Kategorie eines LG G3. Aber da das OnePlus One schon im ersten Quartal vorgestellt wurde, löst dieses „nur“ mit Full HD auf. Das ist aber gar kein Nachteil, denn das verbaute Display ist hell, knackig und scharf. Für die Pixel-Jäger unter Euch: Das OnePlus One hat eine Pixeldichte von 401 ppi. Gegen die alltäglichen Kratzer durch Schlüssel, Münzen und Co. ist das Smartphone dank Gorilla Glass 3 gut geschützt. Leider sammeln sich auf der Glasoberfläche auch sehr schnell unansehnliche Fingerabdrücke.

Im Forum von OnePlus gibt es bezüglich des Displays auch einige Beschwerden, dass das Display einen Gelbstich hat. OnePlus hat sich dem Fehler auch schon angenommen und arbeitet an einem Fix. Bei unserem Testgerät trat der Fehler nicht auf.

Die Software ist der Star

Die Software ist beim OnePlus One neben dem Preis der eigentliche Star des Smartphones. Unser Test-Muster kam direkt aus China und wurde eigentlich mit Color OS ausgeliefert. Die normale europäische Version wird mit Cyanogenmod 11S ausgeliefert. Es ist aber kein Problem, auch ein chinesisches OnePlus One mit Color OS nachträglich mit Cyanogenmod 11S zu flashen. Den Link zur Firmware hat OnePlus zwar von seiner Webseite entfernt, die Datei liegt aber immer noch auf anderen Servern, so auch vom Partner Cyanogen bereit.

Cyanogenmod 11S basiert auf Android 4.4.2 und wird von einer großen Community gewartet. Ein Update auf Android 4.4.4 ist für Ende Juli angekündigt, auch eine Version basierend auf Android L soll binnen von 3 Monaten nach offiziellem Release erscheinen.

Auf den ersten Blick wirkt Cyanogenmod 11S wie ein Stock-Android. Wer genauer hinschaut, dem fällt auf, dass der Vorteil dieser Art von Firmware in den vielfältigen Personalisierungsmöglichkeiten liegt. Es lassen sich unterschiedliche grafische Designs für die Oberfläche installieren. Diese Designpakte beinhalten dann noch Farbstile, angepasste Symbole, Hintergründe für den Home und den Sperrbildschirm, Schriftarten und Tonpakete. Je nach Umfang der Designpakete kosten diese im Store zwischen 99 Cent und 2,99 Euro.

Wie umfangreich die Einstellungsmöglichkeiten sind, zeigt ein Blick in die Tastenbelegung des OnePlus One. Jede Hardware- und Software-Taste haben zwar ihre primäre Funktion, können aber mit bis zu zwei weiteren Funktionen belegt werden. Nur als Beispiel: der Homebutton kann auch durch langes Drücken den Sprachassistenen auslösen oder durch doppeltes Drücken die Kamera starten.

Neben der Mehrfachbelegung der Tasten gibt es auch noch eine Gestensteuerung. Ist das Telefon im Standby und das Display aus, dann kann man durch das zeichnen eines „V“ auf dem Display die zwei Foto-LEDs anschalten. Zeichnet man ein O, startet sofort die Kamera. Auch der Audio-Player lässt sich über Gesten steuern. Ein Pfeilspitze nach Rechts oder Links und die Musik springt ein Track nach vorn oder zurück. Um die Musik zu starten oder zu pausieren, braucht man nur mit zwei Fingern das Pause-Zeichen auf das ausgeschaltet Display zeichnen. Sehr, sehr coole Funktionen, die viel Zeit sparen.

Klasse Idee: Mit Gesten können Funktionen gesteuert werden(© 2014 CURVED Montage)

Kamera: Fotos gut, Slomo-Videos nicht

Die verbaute 13-Megapixel-Kamera stammt von Sony. Der  Exmor IMX 214 Sensor knipst nicht nur Fotos mit 13 Megapixeln, sondern kann auch 4K-Videos aufnehmen. Die Fotos mit dem One geschossenen Bilder sind gut und detailreich. Auch Selfies mit 5 Megapixel wissen zu überzeugen.

Neben dem Aufzeichnen von 4K-Videos kann das OnePlus One auch Videos mit 120 oder 60 fps in 1080p oder 720p aufzeichnen. Das hört sich gewaltig an, aber leider wird die Qualität der Videos runtergefahren, was die Slow-Motion-Videos dann verpixelt aussehen lässt. Zum Angeben auf dem 5,5-Zoll-Display des OnePlus One reicht es aus, aber wenn man sich die Clips auf einem Monitor anschaut, dann sieht es mies aus. Ein Video mit 120fps in 720p und ein normales Full HD Video könnt Ihr Euch mit einem Klick auf die Links ansehen.

Performance & Akku: Flaggschiff-Killer

Da das OnePlus One mit nahezu identischer Hardware wie ein Samsung Galaxy S5, HTC One M8 oder LG G3 daherkommt, sollte die Leistung auf gleichem Niveau liegen. Ein Benchmark-Durchlauf bestätigt das auch, wobei es mit über 36.000 sogar leicht über der Flaggschiff-Konkurrenz liegt. Im Test lief das One schön flüssig und auch grafikintensive Spiele, wie das auf der Google I/O präsentierte Leo´s Fortune ruckeln nicht.

Preformance-King: OnePlus One ist ein echter Flaggschiff-Killer.(© 2014 CURVED Montage)

Der Akku ist mit 3.100 mAh sehr großzügig bemessen. Im Alltagsgebrauch hält das OnePlus One mit einer vollen Ladung den ganzen Tag aus. Am Abend kann man dann noch entspannt auf der Couch die Emails checken, im Internet surfen und YouTube-Videos genießen. In meinem Fall hatte das OnePlus One dann beim nächtlichen Anschluss an das Netzteil immer noch 30 Prozent Akkuleistung.

Die Benutzeroberfläche gefällt(© 2014 CURVED)

Fazit: die neue Nummer eins

Das OnePlus One ist ein Flaggschiff-Killer. Punkt. Vergesst das Galaxy S5, das G3 oder das One M8. Die Leistung ist erste Sahne, das Full HD-Display ist sehr gut - auch die Verarbeitung ist auf höchstem Niveau. Das Design ist auf den ersten Blick nüchtern, aber wenn das OnePlus One 64 GB Sandstone Black in die Hand nimmt, ist man durch die raue und angenehme Haptik des Backcovers angenehm überrascht. Für meinen Geschmack ist es auch in der Haptik top. Einzig bei der nüchtern gehaltenen Front fehlt es ein wenig an Würze.

Die eingesetzten Kameras können mit der Konkurrenz von Samsung, LG und auch HTC mithalten. 4K Videos müssen nicht sein, denn auf dem 5,5 Zoll Full HD Display kann man solche Videos sowieso nicht genießen.

Ich muss den Hut vor OnePlus One ziehen. Das One ist die Nummer 1 der Android-Smartphone, vor allem wenn man sich den Preis von 299 Euro vor Augen führt. Schade ist nur, dass man aktuell schwer über den offiziellen Vertriebsweg an das Gerät herankommt. Nur über den inoffiziellen Weg über Importeure wie Tradingshenzen, die uns freundlicherweise das Testgerät zur Verfügung gestellt haben, hat man aktuell eine Chance.


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