Xiaomi Black Shark im Test: Wie gut ist das Smartphone mit dem Gamepad?

Vor allem Shooter wie "PUBG" profitieren von dem Gamepad – aber längst nicht alle.
Vor allem Shooter wie "PUBG" profitieren von dem Gamepad – aber längst nicht alle.(© 2018 CURVED)

Schau mal, Xiaomi hat ein Gaming-Smartphone veröffentlicht. Genauer gesagt, sogar schon zwei. Die erste Version, das Xiaomi Black Shark, ist seit Mitte November auch offiziell in Deutschland erhältlich. Bis auf wenige Anpassungen bei den LTE-Bändern ist es identisch zu dem bereits im Frühjahr vorgestellten Gerät. Was macht das Xiaomi Black Shark so besonders und – vor allem – anders als die anderen sogenannten Gaming-Smartphones?

Ich spiele viel. Am liebsten zuhause vor dem Fernseher. Als Berufspendler aber auch zwangsläufig unterwegs auf Strecke. Klar, die Nintendo Switch bietet sich dafür an, allerdings habe ich die nicht immer dabei. Was ich hingegen jeden Tag dabei habe: mein Smartphone. Mit dem Black Shark möchte Xiaomi nun Menschen ansprechen, die sowohl beim Spielen als auch beim Smartphone wert auf hohe Qualität legen. Ein Smartphone für Core Gamer, also im Grunde für Menschen wie mich.

Das Design: Eher Gaming-PC denn Smartphone

Das macht sich schon beim Design bemerkbar. Denn Xiaomi verzichtet auf nahezu alle optischen und technischen Standards, die sich 2018 etabliert haben: randloses Display, Notch, Gesichtserkennung – Fehlanzeige. Genauso wie der Klinkenanschluss, immerhin liegt dem Gerät ein USB-auf-Klinke-Adapter bei. Eine offizielle IP-Zertifizierung hat das Black Shark übrigens auch nicht.

Stattdessen orientiert sich das Black Shark an der anvisierten Zielgruppe und seinen geistigen Verwandten. So erinnert die mondäne Rückseite auch eher an das Gehäuse eines Gaming-PCs: kühl, industriell, mit aufgerauter Oberflächenstruktur – diskret ist anders, das Black Shark möchte lieber auffallen. So ziert ein schwarz-grünes "S" die Rückseite, das bei eingehenden Benachrichtigungen aufleuchtet. Eine ähnliche Funktion hatte Razer beim Razer Phone 2 bereits vorgestellt. Der Großteil der Rückseite besteht aus geriffeltem Kunststoff, was für mehr Halt sorgt, und zudem die x-förmige Antenne beherbergt.

LCD mit 60 Hertz

Die Action findet beim Black Shark auf einem 5,99 Zoll großen LC-Display mit einer Auflösung von 2160 x 1080 Pixeln (Full-HD+) statt. Bei dem zeitgemäßen Seitenverhältnis von 18:9 kommt das Gerät somit auf eine Pixeldichte von 403 ppi. Übersetzt: Einzelne Bildpunkte sind auf dem Bildschirm nicht erkennbar. Durch die breiten Ränder oder- und unterhalb des Bildschirms nimmt dieser übrigens nur knapp mehr als drei Viertel der Front ein.

Mit dem LC-Display verbaut Xiaomi im Black Shark ein solides Panel, das ausreichend hell leuchtet und Farben natürlich wirkend wiedergibt. Allerdings gibt sich Xiaomi, anders als Razer und Asus, mit einer 60-Hertz-Bildwiederholrate zufrieden. Das ist zwar Standard bei Smartphones und für die meisten Anwendungen und Spiele auch völlig ausreichend. Allerdings spielen sich für 90 Hertz oder mehr optimierte Spiele wie "PUBG" auf dem Razer Phone 2 im direkten Vergleich noch eine Spur flüssiger. Dafür möchte das Black Shark – PC-Spieler dürfte es freuen – mit Wasserkühlung und dedizierter Grafikeinheit punkten. Um bis zu acht Grad soll die Wasserkühlung die CPU-Temperatur senken. Beim Spielen habe ich davon nichts gemerkt. Denn bei längerem Spielen am Stück (gut drei Stunden schafft der 4000-mAh-Akku) wurde auch das Black Shark im Bereich der Hauptkamera spürbar warm.

Besser spielen mit dem Gamepad?

Anders sieht es beim Zubehör aus: Denn Xiaomi liefert sein Gaming-Smartphone mit einem Gamepad aus. Dabei handelt es sich um einen Adapter, der oben bzw. im Querformat links auf das Smartphone gesteckt wird und quasi die linke Hälfte eines Controllers darstellt. Das Gamepad verfügt über einen Analogstick, der sich nicht eindrücken lässt, und zwei Schultertasten.

Das Gamepad passt allerdings nicht ohne Weiteres auf das Black Shark. Vorab will das Smartphone in den beiliegenden Bumper gesteckt werden. Letztlich handelt es sich dabei um einen Kunststoffrahmen, der die Ränder des Gerätes schützt, die Rückseite aber für die Kühlung frei lässt. Nur wenn das Black Shark im Bumper steckt, lässt sich das Gamepad daran befestigen.

Die Idee, das Gerät von vornherein mit einem Controller auszustatten, finde ich grundsätzlich super. Denn so gut sich die meisten Spiele mittlerweile über die Touchsteuerung bedienen lassen, mit physischen Tasten macht das ganze gleich nochmal mehr Spaß. Und tatsächlich: In "PUBG" bietet das Gamepad einen realen Mehrwert. In meiner Konfiguration habe ich die Figur über den Analogstick gesteuert, über die Schultertasten gezielt und geschossen. Die Touchsteuerung benötige ich zwar weiterhin fürs Umschauen und Springen, dennoch spielt und steuert sich "PUBG" gleich viel intuitiver. Stellenweise fühlt sich das Gamepad sogar wie ein unfairer Vorteil an, weil ich problemlos Gegner umrunden und gleichzeitig beschießen kann – über die eingeblendeten On-Screen-Tasten wäre das weitaus weniger flott zu bewerkstelligen.

Schwierigkeiten bei der Steuerung

So positiv wie bei "PUBG" ist mein Spielerlebnis mit dem Gamepad aber nur selten. In vielen anderen der getesteten Spiele funktioniert das Gamepad gar nicht oder nur unzureichend. "Fortnite" etwa zwar erkennt den Controller, schmeißt mich aber in jeder Partie kurz nach Absprung aus dem Bus aus dem Spiel – und das, obwohl das Black Shark auf der "Fortnite"-Seite als unterstütztes Gerät aufgeführt ist.

Prinzipiell hat das Gamepad Schwierigkeiten mit Spielen, die keine virtuellen Tasten einblenden: Rennspiele etwa, bei denen die linke Bildschirmhälfte das Fahrzeug nach links lenkt und die rechte Seite entsprechend nach rechts. Keines der getesteten Rennspiele – "Nitro Nation", "Real Racing 3", "No Limits" und "Asphalt 9" – lässt sich mit dem Gamepad steuern.

Das Problem ist, dass das Gamepad anders funktioniert als andere Bluetooth-Controller. Die Tasten und der Analogstick werden hier nämlich als kleine Schaltflächen auf dem Display dargestellt. Diese Schaltflächen muss ich nun zunächst über den On-Screen-Tasten des Spiels platzieren. Was bei "PUBG" oder "Arena of Valor" noch einfach ist, stellt sich bei Spielen, die ihre Bedienelemente nicht auf dem Bildschirm darstellen, als echtes Problem heraus. Und selbst Spiele, wie "Unkilled PvP" oder "Dead Trigger 2", die ihre Steuerung als Symbole darstellen, wollen partout nicht mit dem Gamepad zusammenarbeiten. Der Stick wird zwar erkannt, die beiden Schultertasten hingegen nicht. Beide Titel bieten in ihren Einstellungen die Konfiguration eines Controllers an, die Eingabe des Gamepads akzeptieren sie aber nicht.

Shark Space für mehr Leistung

Übrigens bietet das Black Shark mit dem Shark Space (wird über den grün schimmernden Schalter am linken Rand aktiviert) einen dedizierten Spielemodus samt Bibliothek aller Spiele und Zusatzfunktionen wie das Ausblenden von Benachrichtigungen an.

Darüber hinaus verspricht das Gerät einen Leistungsboost, wenn Spiele über den Shark Space gestartet werden. Gespürt habe ich davon allerdings nichts. Egal, ob ich "PUBG" direkt über den Homescreen oder den Shark Space gespielt habe, die Performance war in beiden Fällen auf gleichermaßen hohem Niveau. Die Benchmarkstests von Antutu und Geekbench bestätigen den Eindruck. Auch hier spielt keine Rolle, von wo aus ich die Apps öffne.

Und hier nochmal Ausstattung auf einen Blick:

  • Display: 5,99 Zoll großes LC-Display mit 1080 x 2160 Pixeln
  • Prozessor: Snapdragon 845 (4 x 2.8 GHz & 4 x 1.8 GHz)
  • Speicher: 6GB RAM und 64 oder 8GB RAM und 128  GB (nicht erweiterbar)
  • Dual-SIM
  • Hauptkamera: 12 MP (Blende f/1.8), 20 MP (f/1.8, zweifach optischer Zoom)
  • Videoaufnahme: bis 4K bei 30 Bildern pro Sekunde
  • Frontkamera: 20 MP (f/2.2)
  • Betriebssystem: Android 8.1 mit JoyUI-Benutzeroberfläche
  • Akku: 4000 mAh, QuickCharge 3.0
  • Gewicht: 190 g
  • Farben: Schwarz, Grau
  • Besonderheiten: Wasserkühlung, Shark Space, Gamepad

Fazit

Mit dem Black Shark hat Xiaomi einen guten ersten Eindruck davon vermittelt, wie sich das Spielerlebnis am Smartphone mit der richtigen Peripherie sinnvoll verbessern lässt. Dennoch gibt es vor allem bei dem Alleinstellungsmerkmal, dem Gamepad, noch zu viele Probleme bei der Erkennung und Benutzung – plug and play ist das noch nicht.

Fairerweise muss man ergänzen, dass Xiaomi mit dem Black Shark Helo bereits einen Quasi-Nachfolger in Asien herausgebracht hat, der mit zwei Gamepads ausgestattet ist und somit hoffentlich einen vollwertigen Controller-Ersatz bietet. Einen Marktstart für Europa gibt es für das Helo bislang aber nicht.

Mit einem Preis beginnend ab 469 Euro ist das Black Shark zudem günstiger als die Gaming-Smartphones von Razer und Asus, bei nahezu identischer Hardware – abgesehen vom Display. Wichtig an der Stelle: Das Black Shark gibt es in zwei Varianten, mit sechs Gigabyte RAM und 64 GB Flash für 469 Euro und mit acht GB RAM und 128 GB Flash für 519 Euro. Der Flashspeicher lässt sich nachträglich nicht per SD-Karte erweitern.

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