Xiaomi Mi Mix im Test: Randlos glücklich? [mit Video]

In China ist das Xiaomi Mi Mix ein Verkaufserfolg. Der Grund: Kein Smartphone hat aktueller weniger Rand um das Display als das Top-Smartphone des Herstellers. Wir haben ausführlich testen können.

Riesiges Display, kaum Rand und eine edle Verarbeitung. Wir machen keinen Hehl daraus: Unsere Erwartungen an das Mi Mix waren groß.  Keramik hat Xiaomi schon bei der besseren Variante des Mi5 verwendet und fertigt das Gehäuse des Mi Mix, seinem mit Abstand teuersten Smartphone, ebenfalls aus diesem Material. Das sieht edel und elegant aus. Allerdings bleiben auf der glänzenden und spiegelnden Oberfläche Fingerabdrücke extrem gut und sehr auffällig haften. Zweiter Kritikpunkt: Das gesamte Gehäuse – auch die Kanten – sind sehr glatt und rutschig. Halte ich das Xiaomi Mi Mix in der Hand, habe ich das Gefühl, dass es sich ständig leicht bewegt. Und gerade bei einem Smartphone dieser Größe wäre ein sicherer Halt sehr hilfreich.

Riesiges Display mit kleinem Schönheitsfehler

Und das Xiaomi Mi Mix ist wirklich riesig: 6,4 Zoll misst sein Display in der Diagonalen. Entgegen der Versprechungen ist es nicht ganz randlos. Doch der Rahmen ist an drei Seiten schon unverschämt schmal. Nur am unteren Rand ist er dafür umso größer. Dadurch wirkt das Smartphone dann insgesamt doch größer, als es zunächst auf Bildern, die durchs Netz kursierten, den Anschein hatte. Für Spiele und Filme steht allerdings eine ausreichende Full-HD-Auflösung von 1920 x 1080 Pixeln zur Verfügung. Gefällt Euch die in meinen Auge gute Farbdarstellung nicht, könnt Ihr die Farbtemperatur und den Kontrast von Hand oder automatisch auf die Umgebungsbeleuchtung anpassen lassen.

Die schöne Idee, Filme auf 6,4 Zoll zu schauen oder dort Spiele zu spielen, trübt Xiaomi allerdings durch Softkeys. Die Tasten zur Steuerung sind auf dem Display eingeblendet und nicht in den Rand integriert. Das wäre eigentlich nicht weiter wild, da sie sich ausblenden, wenn sie nicht benötigt werden. Allerdings geben sie dabei auf dem Display keinen weiteren Platz für Film- oder Spielinhalte frei. Warum, Xiaomi? Stattdessen wird der untere Rand einfach nur doppelt so dick. Hier wäre mehr drin gewesen.

Unter der Haube erwartet Euch aktuelle Technik, die keine Wünsche offen lässt. Der Snapdragon 821 ist schnell und hat genug Rechenkraft für alle denkbaren Aufgaben. Ihm stehen je nach Modellvariante des Xiaomi Mi Mix vier oder sechs Gigabyte zur Seite. Wir hatten die "kleine" Ausführung im Test und waren mit der Geschwindigkeit völlig zufrieden. Neben dem Arbeitsspeicher unterscheiden sich die Versionen auch beim internen Speicher. Aber egal ob 128 oder 256 Gigabyte, die muss man erstmal voll bekommen. Sollte es irgendwann soweit sein, müsst Ihr aber Daten löschen, in die Cloud oder auf externe Speicher auslagern. Ein microSD-Karte könnt Ihr in das Mi Mix nicht einlegen – dafür aber zwei SIM-Karten.

Kamera mit wenig Liebe zum Detail

Die Hauptkamera auf der Rückseite des Xiaomi Mi Mix liefert Fotos mit einer Auflösung von 16 Megapixeln. Farblich gefallen mir die Aufnahmen sehr gut, aber bei starken Kontrasten solltet Ihr auf jeden Fall den HDR-Modus aktivieren. Der lohnt sich aber auch sonst oft. Panoramas setzt die Software gut zusammen. Auf den ersten Blick sehen die Bilder auch detailreich aus. Schaut man sie sich allerdings nicht nur auf dem Smartphone, sondern am Rechner in Originalgröße an, dann fällt auf, dass die Details sehr unscharf und pixelig sind.

Damit das Display oben ganz nah an den Rand heran reicht, hat Xiaomi beim Mi Mix die Frontkamera in der rechten, unteren Ecke platziert. Daran muss man sich erstmal gewöhnen und beim Selfie an die richtige Stelle schauen. Gleiches gilt für die Finger beim Festhalten. Ich habe bei den ersten Selfies beim Drücken auf den Auslöser auf dem Touchscreen immer Finger vor der Linse gehabt. Ebenso wie die Bilder der Hauptkamera lassen auch die Selfies etwas an Detailgenauigkeit vermissen, sind aber grundsätzlich zum Verschicken gut geeignet.

Ey Mann, wo is’ mein Fingerabdrucksensor?

Als Betriebssystem erwartet Euch Android Marshmallow auf dem Mi Mix. Versehen mit Xiaomis Nutzeroberfläche MIUI 8, die Googles Betriebssystem um einige praktische Funktionen ergänzt. Mit "Second Space" richtet Ihr quasi ein zweites Smartphone ein. Mit "Dual Apps" könnt Ihr eine App zweimal installieren. Das ist hilfreich, wenn Ihr zwei Nutzerkonten habt, aber die Anwendung nur eine Anmeldung zur Zeit erlaubt. Wollt Ihr aber keine chinesischen Apps und nicht nur Englisch als einzige europäische Sprache zur Auswahl haben, dann solltet Ihr beim Kauf darauf achten, dass der Importshop Eures Vertrauens das Mix mit einer internationalen ROM versieht.

Der Fingerabdrucksensor auf der Rückseite des Mi Mix arbeitet sehr schnell und zuverlässig. Allerdings ist die Rückseite so groß, dass ich ihn jedes Mal kurz suchen muss und oft auf der ebenfalls runden Kameralinse direkt über ihm lande. Der Akku fällt mit 4000 mAh zwar groß aus, muss aber auch ein großes Display mit Strom versorgen. So bleibt am Ende die typische Laufzeit von einem Tag. Aufladen könnt Ihr die Batterie über den USB-C-Anschluss aber auch zwischendurch und schnell mit Quick Charge. Wer seine Kopfhörer lieber per Kabel verbindet, darf sich über den 3,5mm-Anschluss freuen. Mir fehlt aber der Infrarot-Sender, der sonst eigentlich jedes Xiaomi-Smartphone in eine Universal-Fernbedienung verwandelt.

Fazit: Aus großem Display erwächst große Verantwortung

Das Xiaomi Mi Mix ist in erster Linie ein sehr, sehr großes Smartphone. Die Hardware-Ausstattung ist auf der Höhe der Zeit, die Software gut und die Kamera ... okay. Leider nutzt Xiaomi das riesige Display nicht optimal aus. Und wer so ein großes Smartphone in der Hand halten will, will es sicher im Griff haben. Das ist leider nicht der Fall.

In Deutschland ist das Xiaomi Mi Mix derzeit nur über Importshops wie Tradingshenzen, die uns das Testgerät freundlicherweise zur Verfügung gestellt haben, erhältlich. Dort kostet die kleine Ausstattungsvariante mit vier und 128 Gigabyte derzeit 667 Euro, die große Version mit sechs und 256 Gigabyte schon 787 Euro.


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