Xiaomi Redmi Note 8T im Test: Viel Kamera für wenig Geld

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Das Redmi Note 8T mit tiefblauer Rückseite.
Das Redmi Note 8T mit tiefblauer Rückseite.(© 2020 CURVED)

Dass Xiaomi regelmäßig mit echten Preis-Leistungs-Krachern daherkommt, haben sie spätestens mit ihrem Deutschland-Start letztes Jahr bewiesen. Und dennoch hat sich der chinesische Hersteller noch einmal selbst übertroffen – oder besser gesagt unterboten. Das Redmi Note 8T ist besonders günstig und hat trotzdem eine Quad-Kamera. Wo ist da der Haken?

Xiaomi ist nicht gleich Xiaomi – mit der Marke Redmi brachte der chinesische Hersteller im Juli 2013 eine Untermarke für Budget-Handys auf den Markt. Das hat sich in der Zwischenzeit gewandelt. Mit Redmi-Smartphones kommen nicht nur Einsteigermodelle auf den Markt, sondern insbesondere Mittelklasse-Handys. Xiaomi konzentriert sich nun primär auf Flaggschiffe.

Auch wenn das Unternehmen seine Markenstrategie erst allmählich zu schärfen scheint und die Namensgebung der verschiedenen Reihen mittlerweile etwas klarer wird – den ein oder anderen kann das trotzdem noch verwirren. Auch, dass aktuell noch Pocophone im Raum steht, macht das Ganze nicht leichter.

Das Redmi Note 8T war ein Paukenschlag

Fest steht: Xiaomi ist ein Preisbrecher. Und ganz besonders die Redmi-Smartphones greifen immer weiter unten an, während Xiaomis Mi-Reihe eher in Richtung Oberklasse tendiert und auch preislich in die Richtung zeigt. Dass ein Mi-Flaggschiff am vierstelligen Bereich kratzt, so wie es mittlerweile für Samsung, Apple und Huawei üblich ist, halten wir allerdings trotzdem für eher unwahrscheinlich.

Mit dem Redmi Note 8T gab es im November einen Paukenschlag: Ein Mittelklasse-Smartphone mit einer Ausstattung, die sich sehen lassen kann – und einem Quad-Kamera-Setup. Es legt sich damit unter anderem mit Samsungs Galaxy A50 und dem Huawei P30 lite an. Doch schlägt es die Konkurrenz auch nach der ersten Runde k. o.?

Der erste Eindruck: Die Besonderheit befindet sich auf der Rückseite

Das Auspacken des Mittelklasse-Smartphones gestaltet sich auffallend unauffällig. Das ist meiner Meinung nach ein Pluspunkt: Immerhin ist es ein eher pragmatisches Gerät, das auf schlichte Effizienz setzt. Eine vergleichsweise breite Tropfen-Notch, ein sichtbarer Rahmen um das Display, keine abfallenden Seiten, dafür gibt es Klinkenstecker und den Fingerabdrucksensor auf der Rückseite.

Mit Blick auf die Rückseite fällt nicht nur der kräftige Farbverlauf von einem helleren zu einem tiefen Blau auf, sondern besonders die Quad-Kamera. Haltet ihr das Smartphone quer, sieht es aus wie eine Digitalkamera. Bedeutungsschwer steht unter den vier Linsen: "48MP AI Camera" – eine satte 48 Megapixel-Kamera mit Künstlicher Intelligenz.

Einrichten, Surfen, Chatten – und dann?

Nach dem Einrichten des Redmi Note 8T habe ich zunächst mal ein Update auf die neue Version von Xiaomis neue Benutzeroberfläche bekommen. Und natürlich gleich installiert – immerhin hält so ein Software-Update immer mal ein paar Verbesserungen in Sachen Performance, Nutzererfahrung und Features bereit. So auch bei MIUI 11.

Klar – letztlich ist Android irgendwie immer Android, doch die Details machen die Würze aus. Zum Beispiel das Tippen auf das Quadrat bei den Steuerungselementen: Es öffnet sich die Ansicht, welche Apps geöffnet sind und diese mutet um einiges übersichtlicher an als so manch ein 3D-Fächer. Bei Xiaomi setzen sie auf eine Kachelansicht, bei der immer zwei geöffnete Apps nebeneinander dargestellt werden.

Allerdings gibt es ein paar Unstimmigkeiten bei der Übersetzung. So stand auf dem Sperrbildschirm auf einmal, dass ich jeden Tag meinen Entsperr-Code 72-mal eingeben solle. Gemeint ist allerdings, dass ich alle 72 Stunden meinen Code eingeben soll. Eine weitere Auffälligkeit zum Augenzwinkern: Es gibt eine "Tiefenreinigung", die Speicher freigibt, indem es unnötige Dateien wie doppelte Fotos löscht. "Speicherplatz freigeben" oder ähnliches hätte ich passender gefunden.

Kleine Besonderheiten bei der Nutzung

Mit einem Wisch von links nach rechts auf dem Homescreen erscheint der sogenannte Info-Assistent, sofern ihr den nicht in den Einstellungen ausschaltet. Dort gibt es Verknüpfungen zu bestimmten Programmen, praktische Tools, mit der ihr eure Performance mit einem Tipp verbessern könnt, Notizen sowie Kalendereinträge und mehr. Im Schnellzugriff gibt es die üblichen Funktionen – und den systemweiten Dark Mode, den es ab MIUI 11 gibt, obwohl meine Version noch auf Android 9 Pie basiert.

Die Performance ist okay, aber auch nicht mehr. Das Redmi Note 8T richtet sich weniger an Gamer, sondern eher an diejenigen von euch, die einen Alltagshelden suchen, mit dem ihr Chatten, Surfen und Fotos schießen könnt. 4 Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher und der Snapdragon 665 sind eben nicht mehr das heißeste Eisen im Feuer. Dafür sind 128 GB interner Speicher absolut ausreichend.

Das kleine Modell der Redmi Note 8-Reihe – immerhin gibt es noch das Redmi Note 8 Pro – kommt darüber hinaus mit einem 4.000 Milliamperestunden (mAh) starken Akku. Und der ist ein echter Dauerläufer: Ein Wochenende chatten, surfen und knipsen bringt den Allrounder nicht aus der Puste. Ein Schmankerl ist auch das Dual-SIM-Fach, das neben zwei SIM-Karten auch noch eine Speicherkarte zulässt. So müsst ihr euch nicht zwischen Speichererweiterung und zweiter SIM entscheiden, wie es bei Hybrid-Slots der Fall ist.

Die Redmi Note 8T im Kamera-Test

Apropos Fotos schießen: Die 48 Megapixel Kamera ist tatsächlich schon ziemlich stark. Viele Megapixel bedeutet mehr Detailreichtum in der Tiefe. Ihr könnt also, nachdem ihr das Foto geschossen habt, nahe heranzoomen und erkennt immer noch einen Schriftzug, den ihr beim Betätigen des Auslösers nicht mal wahrgenommen hattet. Ein Wermutstropfen: So ein 48 MP-Bild ist gleich mal fast 12 Megabyte groß.

Auch Weitwinkelmodus (8 MP), der Zweifach-Zoom – obwohl es kein Tele-Objektiv gibt – und der Bokeh-Effekt (2 MP) können überzeugen, das gleiche gilt für Selfies mit der Frontkamera (13 MP). Beim Makro-Objektiv (2 MP) gibt es allerdings Luft nach oben. So wirklich scharf werden die Bilder nicht. Ich hatte das Gefühl, das Redmi hat Schwierigkeiten dabei, das Objekt richtig zu fokussieren.

Noch eine kleine Enttäuschung: der Nachtmodus. Bilder im Dunkeln bleiben zu dunkel, darüber hinaus legt sich ein unschönes Rauschen über das Foto. Es dauert auch einfach etwas zu lange, bis das Smartphone das Bild berechnet hat und man sich den Schnappschuss anschauen kann. Bei entsprechenden Lichtverhältnissen weiß die Kamera allerdings durchaus zu überzeugen – und für den Preis des Geräts fast schon zu beeindrucken.

Das Redmi Note 8T ist mein Held, weil …

… es einfach nicht mehr braucht. Klar, hier und da gibt es ein paar Stellschrauben. Im Alltag ist das Smartphone ein absolut treuer Begleiter, der auch mal zu überraschen weiß. Über den Preis muss man wirklich nicht reden – Xiaomi hat das Mittelklasse-Handy für knapp 200 Euro auf den Markt gebracht.

Dafür bekommt ihr ein solides Smartphone ohne zu viel Spielerei, durch die Quad-Kamera kann es aber sicher auch diejenigen von euch begeistern, die ein paar feine Gimmicks lieben. Mir gefällt es – ich würde mir allerdings eine extra Handyhülle zulegen. Xiaomi legt zwar immer eine transparente Silikonhülle bei, die wirkt auf mich allerdings nicht so, als könne sie viel Schutz bieten.


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