ZTE Axon M im Test: Lohnt sich ein zweites Display beim Smartphone?

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Die zwei Displays des ZTE Axon M werden zu einem großen Bildschirm.
Die zwei Displays des ZTE Axon M werden zu einem großen Bildschirm.(© 2018 CURVED)

Mit dem Zweiten sieht man besser? Das glaubt nicht nur das ZDF, sondern auch ZTE und hat seinem Axon M ein zweites Display auf der Rückseite verpasst. Das lässt sich aufklappen und wird mit dem Front-Display zu einem großen Bildschirm. Wofür das gut ist und wie praktisch das Ganze in der Benutzung ist, erfahrt ihr in unserem Test.

Smartphones mit zwei Displays geistern schon länger als Konzepte durch das Internet und als Machbarkeitsstudien über Messestände. Mit dem YotaPhone gab es sogar schon ein Modell mit zweitem E-Ink-Display auf der Rückseite. Das ZTE Axon M ist allerdings das erste Modell, das regulär in den Handel gekommen ist und dessen zwei Bildschirme sich zu einem aufklappen lassen. Jedes Display des Axon M ist 5,2 Zoll groß und verfügt über eine Full-HD-Auflösung, die für ein detailreiches Bild sorgt. Aufgeklappt und nebeneinander ergeben sie einen 6,75 Zoll großen Bildschirm mit 2160 x 1920 Pixeln.

Ein, zwei oder ein großes Display

Für ein Smartphone aus dem Jahr 2018 ist das ZTE Axon M vergleichsweise klobig – und wird auch nur etwas dünner, wenn man das zweite Display aufklappt. Die Dicke ist bei der Nutzung aber das kleinere Problem. Mich bremst das Display auf der Rückseite aus. Ich habe mich so sehr daran gewöhnt, mit Bildschirmen vorsichtig zu sein und sie nicht mit meinen Fingern zu verdrecken, dass es mich etwas Überwindung kostet, es ganz normal zu halten. Irgendwo hinlegen geht dagegen überhaupt nicht. Es liegt dann immer auf einem der Displays – und trotz Gorilla Glass 5 habe ich Angst vor Kratzern. Als beste Alternative hat sich bisher "aufklappen und auf die Seite stellen" erwiesen. So kann man übrigens ganz wunderbar Videos schauen. Eine Schutzhülle ist bei der Bauweise des Axon M keine Option.

Doch wofür sind die beiden Bildschirme des ZTE Axon M überhaupt gut? Der Hersteller selber bietet drei verschiedene Modi an, von denen mir aber nur zwei sinnvoll erscheinen: Auf jedem Display eine andere App offen zu haben, kann durchaus praktisch sein. Gleiches gilt für die Großansicht über beide Bildschirme. Letztere ist bei den typischen Videoformaten allerdings sinnlos. Auf zwei Displays nebeneinander wird der Film nur minimal größer als auf einem Display im Querformat. Mit dem Unterschied, dass man auf dem Doppel-Bildschirmen in der Mitte noch in einen störenden schwarzen Balken sieht. Deswegen ist die Großansicht auch nicht mein Favorit. Dann doch lieber in einem Fenster den Twitter-Feed im Blick haben und auf dem anderen E-Mails lesen. Der Sinn der dritten Option – auf beiden Displays das selbe Bild – erschließt sich mir nicht.

Eine Kamera ist nicht genug

Das ZTE Axon M hat nur eine Kamera. Die befindet sich auf der Vorderseite und hat eine Auflösung von 20 Megapixeln. Schaltet man sie an, beginnt sie immer im Selfie-Modus. Will man sich aber nicht selbst fotografieren, wird es umständlich: Wechsel-Button antippen und das Smartphone umdrehen, damit der "Sucher" auf dem hinteren Display erscheint. Dabei besteht nicht nur eine erhöhte Gefahr, dass einem das Smartphone aus der Hand fällt, sondern es vergeht auch deutlich mehr Zeit als bei einem herkömmlichen Smartphone, bis man ein Foto aufnehmen kann. Mich hat es beim Testen sehr genervt für Fotos das Smartphone immer umdrehen zu müssen.

Während die Bildqualität für Selfies sehr gut ist, bewegt sie sich als Hauptkamera nur auf gutem Durchschnittsniveau. Sprich: Bei Tageslicht haben die Bilder eine ordentliche Detailgenauigkeit und natürlich wirkende Farben. Wird es allerdings Dunkel, fängt die Linse nur wenig Licht ein. Die Aufnahmen werden sehr dunkel und die Bildqualität geht deutlich zurück.

Was sonst noch wichtig ist

Die technische Ausstattung des ZTE Axon M wird durch die neue Bauweise weniger wichtig. Trotzdem sollte das Smartphone natürlich nicht zu langsam sein oder zu wenig Speicher haben. Mit dem zwar schon etwas älteren Snapdragon 821, der 2016 der schnellste Chipsatz von Qualcomm war, und vier Gigabyte Arbeitsspeicher ist das Axon M immer noch leistungsstärker als aktuelle Modelle mit ganz neuen Mittelklasse-Chipsätzen. Der interne Speicher sollte mit 64 Gigabyte für den Anfang ausreichen und lässt sich bei Bedarf mit einer microSD-Karte erweitern.

Als Betriebssystem läuft Android 7.1.2 Nougat auf dem ZTE Axon M und nicht die ganz aktuelle Oreo-Version. Da für das zweite Display mehr Änderungen an dem Betriebssystem als sonst notwendig sind, darf man sich keine besonders großen Hoffnungen auf zeitnahe oder gar viele Updates für das Smartphone machen.

Fazit: Schön, dass wir es ausprobiert haben

ZTE verdient viel Respekt dafür als erster Hersteller ein Smartphone mit zwei Displays, die sich zu einem zusammenklappen lassen, auf den Markt gebracht zu haben. In der Theorie hört sich das gut an, in der Praxis fehlt mir dann allerdings der sinnvolle Nutzen der zwei Bildschirme. Verbunden mit der Unhandlichkeit des Smartphones und der durchschnittlichen Kamera sowie Hardware, bleibt am Ende nur "Mal was neues ausprobieren" als Argument für das Axon M.

In den USA verkauft ZTE das Axon M bereits. Für Deutschland gibt dagegen noch keine spruchreifen Pläne. Momentan ist unklar, wann und zu welchem Preis das ZTE Axon M hierzulande erhältlich ist.

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