19 Milliarden! Warum Facebook WhatsApp kaufen musste

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Einfach zu beliebt: Facebook musste WhatsApp schlucken
Einfach zu beliebt: Facebook musste WhatsApp schlucken(© 2014 CURVED)

Der Unfassbarkeitsreflex greift sofort. 19 Milliarden Dollar! In Worten: neunzehn Milliarden Dollar. In Zahlen: 19.000.000.000 Dollar. Für eine nicht mal fünf Jahre alte Smartphone-App? Für ein 55 Mann-Unternehmen, das mit gerade mal 8 Millionen Wagniskapital finanziert wurde? Für einen Message-Dienst, der zuletzt wegen Sicherheitslücken ins Gerede kam - und der technisch nicht unbedingt wegweisend ist?

Der Deal ist durch. Aber warum macht Facebook das? Weil das weltgrößte Social Network es kann. Und muss. Zunächst einmal sieht der Deal teurer aus als er ist. Er kostet Facebook in Cash genau die vier Milliarden Dollar, auf die Branchenexperten WhatsApp Ende 2013 nach Twitters überaus erfolgreichem IPO taxierten.

Facebook bezahlt den Löwenanteil der Übernahme mit seiner eigenen Währung – der Aktie

Die restlichen 15 Milliarden Dollar druckt Facebook mit seiner eigenen Währung - der Aktie. Bei 17,55 Dollar notierte das weltgrößte Social Network tatsächlich wenige Monate nach seinem Börsengang – gestern waren es 68 Dollar je Anteilsschein. In anderen Worten: Der Firmenwert des nunmehr nach Google schon zweitwertvollsten Internet-Unternehmens der Welt hat sich binnen nur 18 Monaten vervierfacht. 

Die 15 Milliarden, die Facebook in Aktien bezahlt, waren im September 2012 also gerade mal  3,75 Milliarden Dollar wert. Mit dem enormen Kursanstieg an 300 Prozent in nur  eineinhalb Jahren hat sich Facebook eine Akquisitionswährung gedruckt, die es jetzt – zu Höchstkursen –  einsetzt. Genauso agieren smarte Investoren: Kasse machen, wenn die Kurse auf dem Gipfel stehen.

15 Milliarden Dollar in Aktien: Eine Blase finanziert die nächste

Insofern relativiert sich der Mondpreis, den Facebook für WhatsApp fraglos bezahlt hat, schnell. Er tut Facebook nicht weh. Eine Blase finanziert die nächste. WhatsApps enorme Bewertung wäre nie ohne Facebooks Traumlauf an der Börse, der den Wert des Social Networks tatsächlich schon auf enorme 175 Milliarden Dollar hat anschwellen lassen, zustande gekommen.

2012 kam Mark Zuckerberg mit Instagram vergleichsweise günstig weg, diesmal musste er zahlen. Doch was sind am Ende 19 von 175 Milliarden Dollar? Nichts anderes als virtuelles Spielgeld – nämlich exakt der Unterschied von 68 zu 61 Dollar je Facebook-Aktie.

Facebook spielt Börsenmonopoly – und leistet sich ein großes Stück Sicherheit

Was sich Facebook im großen Börsenmonopoly im Gegenzug geleistet hat, ist ein großes Stück Sicherheit. Wie bei Instagram vor 22 Monaten demonstrierte Mark Zuckerberg, dass er  absolut kein Problem damit hat, den Abzug betätigen. Wenn ein aufstrebender Rivale aus dem Weg geräumt werden muss, erledigt ein Scheck, praktisch egal in welchem Umfang, eben den Rest.     

Und Zuckerberg musste ihn schreiben, mindestens genauso nötig wie im April 2012 bei Instagram. Was den enormen Nutzerboom bei WhatsApp in Relation zu anderen Message-Apps am Ende ausmacht, verläuft sich in technophilosophischen Untiefen – fest steht: Der 2009 gegründete Message-Dienst, der bis heute ein bisschen wirkt wie iMessage des Anti-Apple-Universums, konnte seine Nutzerzahlen binnen nicht mal eines Jahres von 200 auf 450 Millionen steigern!

The Winner takes it all: Facebook musste nach WhatsApps Nutzerexplosion handeln

Zu viel,  zu schnell: Was Facebook mit Places gegen FourSquare gelang, würde mit dem technisch deutlich überlegenen eigenen Messenger diesmal nicht mehr gelingen – WhatsApp ist in Rekordgeschwindigkeit zum uneinholbaren mobilen Message-Champion aufgestiegen. The Winner takes it all:  Das Grundprinzip des Darwinismus gilt in wohl keiner anderen Branche so brutal wie im Technologie- und Internetsektor.  Ist ein Trend verpasst, gibt es selten eine zweite Chance. 

Zuckerberg wusste das – und handelte. Der Preis für sich genommen gleicht dem Gebot für ein Ticket zum Champions League-Finale 30 Minuten vor dem Anpfiff: absurd hoch – aber will man das Spiel der Spiele verpassen? Mark Zuckerberg hat sich dafür entschieden, dass ihm genau 9,2 Prozent des eigenen Unternehmens wert sind, um der spielbestimmende Akteure im mobilen Internet zu bleiben. Ein hoher, aber nicht zu hoher Preis.

Im benachbarten Mountain View wird man das nicht gerne zur Kenntnis genommen haben: Google kann seinen zweistelligen Milliardenpitch für Snapchat schon mal vorbereiten…


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